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GeschichteBrockhaus 1882

Belgrad, die feste Haupt⸗ und Residenzstadt des Königreichs Serbien, liegt auf und an einem 7 die Donau sich erstreckenden Vorgebirge +1 er Südseite dieses Stroms an der Stelle, wo die Save sich mit ihm vereinigt. Auf der bis in den Mündungswinkel vorragenden Felsenstirn erhebt sich die Citadelle; sie wird in baulichem Zustande erhalten, entspricht aber den Ansprüchen der heutien Befestigungskunst nicht. Die gegenwärtige Anage der Werke stammt vom Prinzen Eugen, der den Platz als österr. Grenzfeste gegen die Türkei einrichtete und demnach die Hauptfront der Landeite, d. h. der Stadt B., zuwundte. Während im orden und Nordosten die Festungsmauern sich abed über dem Wasserspiegel der beiden Ströme uch en, werden dieselben östlich, südlich und westlich von einem breiten Glacis umgürtet, welches durch Parkanlagen in eine Promenade verwandelt worden ist. Dem Glacis schließt sich als zweiter, weiterer Gürtel die Stadt an, in der die auf der .½%½ des Höhenzugs vor der Citadelle ie egene Altladt und die beiden alten Vorstädte, die Serbenstadt (Savamahala, Savequartier im Westen an der Save, und die Türkenstadt or6ol, d. h. Kreuzweg) im O. in der Donauniederung, zu unterscheiden sind. Die Altstadt, selbst vordem mit (nunmehr etragenen) Schanzwerken verehen, war von alters der Sitz der —½½ geäfttreibenden Bürgerschaft, sowie auch die alten arktstraßen sich dort befinden. Die größere Beuemlichkeit des Save-Ufers für die Anfurt der chiffe zog lich don Seuben Teil des Handels in die hauptsächlich von Serben bewohnte westl. Voradt, wahrend die östliche, fast ausschließlich von ürken bewohnte sich als eine orient. Gartenstadt staltete. Eine neue Vorstadt bildete sich im 19. hadt dem Plateau folgend, als Fortsetzung der altstädtischen Hauptstraße einer türk. Wasserleitung entlang, der sie den Namen Terasia (Terazi, Wasserwages entlehnte. Die Bevölkerung von B. hoult 9 (1880) auf 26 651 E., darunter 4160 Katholiken (Deutsche und meistens germanisierte Ungarn), 463 Protestanten Deutsche, Slowaken u. s. w.) und 2049 Juden; die Übrigen hängen dem orthodoren Bekenntnis an und nd vorwiegend serb. Nationalität; jedoch befinden ch darunter viele Bulgaren, welche als Arbeiter und Handwerker aus ihrer Heimat einwandern, ohne in der Regel sich dauernd niederzulassen. Unter den Gebäuden sind das königl. Palais an der Terasia, das daranstoßende Ministerium des Außern, die Hochschule, das Ministerium des Innern, das Natonaltheater, die Residenz des Metropoliten und die Kommandantur der Citadelle bemerkenswert. Bon Sehenswürdigkeiten ist vor allem das Museum zu nennen, in welchem auf die frühern und juüngsten Entwickelungen des Landes bezügliche Denkmäler und namentlich in Serbien aufgefundene interesante Antiquitäten 7 niedergelegt finden, die estungswerke der Citadelle und der Park von optschidere mit der Stelle, wo 10. Juni 1868 rst Michael ermordet wurde. Seit dem Ab ge türk. Bevölkerung verliert B. rasch den ihm sonst angerühmten orient. Charakter der Straßen. Von den Moscheen ist nur noch eine erhalten. Bei den Reubauten ist europ. Geschmack ausschließlich maßgebend. Als Handelsstadt vermittelt B. den Bertrieb serb. Rohprodukte nach Ungarn u. s. w., sowie denjenigen von europ. Rierd Munemande: und Kolonialwaren nach dem serb. Binnenlande; für den ½ + den obern Donauländern und der innern Prlanct, Die hat es daen nicht die Wichtigkeit erlangt, die man nach einer Lage an den gewaltigen Strömen erwarten ollte. Nach Vollendung der Eisenbahnlinie B.⸗ ranja und die dadurch erzielte Verbindung mit Saloniki, wird sich der Transithandel heben. Die Industrie ist nur durch fremde S uad bem vertreten, deren Leistungen dürftig sind und dem Handel wenig zugute kommen. Dagegen besitzt B. eine Ge-Nationalbibliot enthaltend fast sämtliche serb. Drucke; mehrere Normalschulen, ein Gymnasium, ein Lyceum (Hochschule mit drei Fakultäten), ein theol. Seminar, eine Militärakademie, eine Realk ule, eine Lehrerbildungsanstalt, eine höhere öchterschule und ein der Pflege ein imischer Dramatik gewidmetes Theater. Zuglei 5 es die Residenz des serb. Königs, der Sitz der höchsten Reierungs⸗ und Verwaltungsbehörden, eines Erz-Listums (Metropolie), eines Kassations⸗, Appellations⸗, Stadt⸗ und Handelsgerichts, der bei dem Könige accreditierten polit. Agenturen und Generalkonsulate u. s. w. Die prot. Einwohner bilden eine unter dem Schutze der Landesgesetze befindliche Gemeinde, während die Katholiken sich der österr.⸗ungar. Konsu argemeinde anschließen. Die strategischen Vorzüge der Lage B.s wurden früh erkannt. Schon zur röm. Zeit war die Stadt, damals Singidunum genannt und zu Obermösien gehörend, Standquartier einer Legion. Im Mittelatter wird sie Alba Bulgarorum, Belogradum, Ballegrada genannt. Vom 7. bis 9. Jahrh. gehörte sie den Avaren, im 10. den Bulgaren, im 11. und 12. Jahrh. stand sie wieder unter der Herr-Im des byzant. Kaisers. Im 14. Vom war B. m Besitz der Serben. Als ungar. renzfeste (seit 1423) ging sie 1521 an die Türken verloren, denen die Deutschen und Osterreicher sie im Laufe der folgenden Jahrhunderte dreimal, 1688, 1717 hne sich und 1789 (Laudon) wieder abnahmen, ohne si dauernd darin behaupten zu können, nur in den 1718—39 gehörte B. mit einem großen Teile erbiens zu Osterreich. Irb, w der serb. Erhebung im Anfange des 19. Jahrh. wurde die Stadt B. Hauptstadt des 1enn den Hiß Fürstentums, während die Citadelle in den Händen der Pforte blieb, bis letztere 1867 auf diplomatischem Wege genötigt wurde, auch diese Zwingburg an die serb. Krone ab-Eduse nachdem 1862 ein türk. Kommandant zum chutze einer damals noch in B. vorhandenen, seit dem aber ausgewanderten türk. Kolonie die offene Stadt bombardiert hatte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 734Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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