Beranger (Pierre Jean de), berühmter Fant Liederdichter, geb. 19. Aug. 1780 zu Paris als di sel eines armen Handwerkers, war zuerst Kellner bei seiner Tante zu Peronne, dann Schriftsetzer in einer dortigen Druckerei, nachher Geschä tsgehülfe eines Vaters. Mit 18 Jahren entwarf er ein epiches Gedicht „Clovis, —— versuchte er sich auf em Gebiete der uter sun yrik, aber mit gerinem Erfolg. Später fand er einen Gönner an uien Bonaparte und die Verwendung des Tragödiendichters A. Arnault verhalf ihm 1809 zu einer Schreiberstelle im Ministerium des öffentlichen Unterrichts. Um diese Zeit begann B. seine ersten Chansons zu dichten. Die ausgelassensten Lieder seiner ersten Sammlung sind aus den J. 1810—14. Gleichzeiti 5½½ er auch schon, wiewohl schüchtern, die Politik in seinen Kreis zu lb ußer Le sénateuro, worüber der Kaiser selbst gelacht haben soll, und Le roi d'Vvetoto, einer feinen und pikanten Satire auf Montuches und eitle Audere sucht, findet sich nichts Politisches in B.s erster Liedersammlung, die 1815 unter dem Titel Chansons morales et autres herauskam und dem Verfasser einen strengen Verweis von seinen Vorgesetzten zuzog. Der drohende Verlust seiner Staatsanstellung bins derte ihn jedoch nicht, 1821 eine zweite Liedersammlung herauszugeben. Eine bedeutende Veränderung war inzwischen mit dem at 2ot in den weile Es erklang ein schärferer polit. Ton in den neuen Liedern, wie Le marquis de Carabas, Paillasses, Monsieur Judaso, und hierzu kamen noch voltai-Révérends pères u. s. w. Andere Gedichte dagegen, wie „Le Dieu des bonnes gensv, dLa Sainte-Alliance des peuples, Le vieux drapeaus, Le 5 Maiv, sind frei von jeder Tendenz und 7 von dem Patriotismus und dem tiefen Gefah B.5. Die Stimmung der neuen, mit veränderten Meinungen, Interessen, Begriffen, Gesetzen und Einrichtungen aufgewachsenen Generation in rankreich Biese in B.s Liedern ihren beredtesten usdruck. Dieselben atmen die —— Erbitterung gegen die mit ihren alten Standesvorurteilen und vermeintlichen Vergeltungsrechten 77 ekommene Dynastie und Aristokratie, und malen aufs anschau8 der Gemüter cher Durch die Kraft und ewandtheit, mit we —7 B. die schneidende Waffe des Witzes und der Satire führte, mußten seine Lieder den größten Eindruck machen, und ihre Wirkung war noch um so größer, als der Sänger für Rach Freimut Kuhe ungen zu erdulden hatte. ach seiner Amtsentsetzung, — die er vorbereitet war, zog ihn der königl. Prokurator vor Gericht und bewirkte seine Verurteilung zu 500 Frs. Geldstrafe und dreimonatlicher Haft. Im efängnis machte B. sofort den Anfang zu den Liedern feiner dritten Sammlung, die 1825 erschien und gerichtlich nicht belangt wurde. Dagegen wurde die vierte Sammlung (1828) wieder von Staats wegen verfolgt und der 5.66 0 neun Monaten Gefängnis und 10000 Frs. Geldbuße verurteilt. ö An der Julirevolution nahm B., der durch seine Lieder so viel dazu beigetragen, wirksamen Anteil und vereinigte sich mit seinen Freunden Laffitte, Lafayette u. a. zu dem Zwecke, die Thronkandidatur Ludwig gen.ichn bei der republikanischen Partei durchzusetzen, lehnte aber, als sein Ziel erreicht war, alle Ehrenstellen und Reichtümer ab, die ihm angeboten wurden. Seine letzte Sammlung 0 an⸗ entenden Gedichten, ei ne in eine neue Ideenrichtung eingehende Stu wie Les contrebandiers-, Jeanne de Rousse, Le vieux vagabonde, Lea fouse, eine Art sozialistischer Lieder. Seitdem chrieb er noch erlei, gab aber nur noch zehn ieder (1846) heraus. In größter Zurückgezogenheit überraschte ihn die Februarrevolution von 1848. Er wurde mit mehr als 200000 Stimmen im Seine-Departement in die Nationalversammlung gewählt und erhielt in dieser einen neuen Beweis von Frankreichs innigster Verehrung, indem die Versammlung 8. Mai ein Entlassungsgesuch feierlich zurückwies und dieses erst dann 4 — als er unerschütterlich darauf bestand. B. starb 16. Juli 1857 in Paris. In Rücksicht auf die allgemeine Stimmung befahl Napoleon III., das Leichenbegängnis des gefeierten Dichters, obgleich dieser sich gegen das zweite brodem 03 stets ablehnend verhalten hatte, unter großem Gepränge auf Kosten der Civilliste zu bestreiten, indes, da man Demonstrationen fürchtete, unter Mitwirkung der Polizei und unter starker militärischer Escorte. Die Beerdigung fand auf dem Gen of Pere-Lachaise statt. Aus seinem litterarischen Nachlaß erschienen «Ma biographie (1857), die weniger Neues gewährte, als man erwartete, Dernières chausonso (1857), eine Sammlung von 94 in den J. 1834—51 verfaßten Gedichten, in denen alle seine Weisen, wenn auch mit weniger Kraft, so doch beinahe mit derselben Anmut, Feinheit und Formgewandtheit wie früher vertreten sind, und Oeuyres posthumesv (1874). Eine Publikation Boiteaus, die gesammelte Correspondance de B.5 (4 Bde., 1859—60), veranlaßte mehrere Schriftsteller, das Leben und die Lieder B.s einer scharfen Kritik zu olie Reolch aber sein dichterisches Genie und seine polit. Redlichkeit konnten nicht betroffen werden. Als Oeuvres complètes de B.o gibt es mehr als zwölf Gesamtausgaben seiner Gedichte, von welchen die in 3 Bänden mit 120 Kupfern (1835—36) und die in 2 Bänden (1847) die schönsten und vollständigsten sind. Außerdem wurden seine Chansons, trotz ihres echt franz. Charakters, in alle europ. Sprachen ubersetzt. In Deutschland versuchten Übersetzungen Rubens (3 Bde., Bern 1839—41) und Nathusius (Braunschw. 1839), während Chamisso und Gaudy (Lpz. 1838; 2. Aufl. 1845) 5. 4BSam Bearbeitungen lieferten. Vgl. Arnould, «Bérangers (Par. 1864); Jaun, „B. et son tempso (Par. 1866).