Berlioz (Hector), ausgezeichneter franz. Komponist und musikalischer Scriftsteller geb. zu La-Cöte-St.⸗Andre 11. Dez. 1803 als Sohn eines Arztes, der ihn ebenfalls für diesen Beruf bestimmte und 1h deshalb nach Paris sandte. Der Sohn, leidenschaftlich der Musi anhängend, gab jedoch das Studium der Medizin auf und trat in das Konservatorium ein, wo Reicha sein Lehrer in der Komposition wurde. Jucht eles v ihm der Schulzwang und die strenge Zucht dieses Mannes nicht, und er verließ hte f urzer Zeit das Konservatorium wieder und suchte sich autodidaktisch fortzubilden. Er komponierte fleißig und wandte sich in der Musik den romantisierenden Bestrebungen zu, welche damals in der Litteratur Ein 190 finden begannen. Die erste Arbeit, mit ase „damals ein Jüngling von 22 Jahren, öffentlich hervortrat, war eine esse, die in den Kirchen St.⸗Roch und St.⸗Eustache zur Aufführung kam, aber gar kein Gefallen erregte. Er trat 1826 wieder ins Konservatorium und betrieb nun unter Lesueur mit Fleiß die freie Komposition. d den J. 1828—30 veröffentlichte er wieder verschiedene Sachen, darunter die Ouverturen zu ⸗Waverleyv und 4Die Femrichter» sowie Symphonie kantastique (4Episode de la vie dun artiste v). Diese Werke machten Aufsehen, ohne Beifall zu finden. Seit 1828 begann sich B. +5 in verschiedenen Blättern nicht ohne Erfolg als musikalischer Schriftsteller bethätigen, und erhielt nach mehrmaliger vergeblicher Bewerbung 1830 für die Kantate Sardanapaley den vom Institut de France ausgesetzten roßen Kompositionspreis, besuchte infolge dessen Italien, kehrte aber schon . 18 Monaten, gegen ital. Musik eingenommen, wieder nach Paris zurück er brachte eine Ouverture zu König Learv und eine rt Symphonie, 4e retour à la vien (von ihm Melologo genannt, eine 12 0 von Instrumentalem Bokalem und Rhetorisch-Beklamatorischem) mit. H. Stellung in Paris hob sich seit 1834, wo er als Mitarbeiter bei der neugegründeten Gazette musicale de Pariso, bald daranj bei dem Journal des Débatsv eintral. Namentlich in letzterer Stellung, die er erst w1864 aufgab, machte er sich zu d„einem gefürchteten Kritiker. B. wurde 1839 Bibliogthekar des Konservatoriums, 1856 Mitglied der eAkademie und starb 9. März 1869 in Paris. Von seinen vielen Kompositionen sind besonders „(1834), ein Requiem (1837), die Oper Benvenuto dCelliniz (1838), die Symphonie „Roméo et Juliette (1839), die a Symphonie funèbre et triomphales (1840, bei Enthüllung der Julisäule), die Legende La damnation de Faust' (1846), die Oratorientrilogie Lenfance du Christo (1854), ein doppelchöriges Te Deum⸗ (1856), die komische Oper „Béatrice et Bénédict (1862), die Oper Les Troens à Carthagen (1864). Zu den letztern beiden pern, ferner zum Pausto, zur Enfance de Christu. s. w. hat B. auch den Text verfaßt. Hieran schließen sich die Schriften: Voyage musical en Allemagne et en Italies (Par. 1845), 4 Les soirées de I'orchestres (Par. 1853; 2. Aufl. 1854), Les grotesques de la musiques (Par. 1859), &A travers chanto (Par. 1862) und Traité d'instrumentation- (Par. 1844). Über B. als Tondichter sind die Urteile deshalb so weit auseinandergegangen, weil er von Anfang an als Parteimann auftrat. Er berührte sich eng mit den neuern deutschen Richtungen, bereiste Deutschland um 1844 und wurde hier lange * mehr beachtet als in Frankreich. Nach seinem ode ist er bei seinen Landsleuten als der afranz. Wagnery riche Bedent in die Mode gekommen. Die künstlerische Bedeutung von B. liegt in der ½½ ehandlung der Instrumente, denen er zuerst mancherlei neue Effekte abgewann, wie denn auch sein Lehrbuch der Instrumentation das verbreitetste und allgemein anerkannteste seiner Werke ist. Nach seinem Tode erschienen die kurz vorher von ihm verfaßten, auch Briefe enthaltenden AMNémoires (Par. 1870). Seine 4Gesammelten Schriften⸗ 4½ in deutscher übersetzung von Rich. Pohl (4 Bde., Lpz. 1863—64).