FeedBarren
TechnikBrockhaus 1882

Barren, ein durch F. L. Jahn eingeführtes Turnen, rund und glatt gearbeiteten Hohrie eln (Holmen) besteht, deren jeder auf zwei Ständern ruht, die entweder fest in oder an dem Boden angebracht sind oder auf Holzschwellen stehen und dadurch transportabel werden. Jetzt benutzt man vorwiegend transportable B., die meist eine Vorrichtung zum öher-und Tieferstellen der Holme haben. Früher ertigte man die B. ausschließlich aus Holz, wobei in der Regel die Holme von gutem, astfreiem Eichenholz waren; neuerdings hat man begonnen, die B. ganz aus Eisen herzustellen, wodurch auch gleichzeitig die Möglichkeit zum Enger⸗ und Weiterstellen 6 en war. Die Konstruktion des B. hat der röße und der Körperbeschaffenheit der Turnenden zu entsprechen, daher dürfen die Holme nur sehr wenig über die Schulterbreite derselben voneinander entfernt sein. Für Anfänger ist die Barrenhöhe nach der Brusthöhe bis zur Achselgrube zu bemessen; für Geübte kann sie Schulter⸗ bis Kopfhöhe erreichen. Die Übungen am B. sind entder einen günstigen Einfluß auf die Gesundheit der Übenden uuch Kräftigung des Muskel⸗ und urch Belehm dur Erweiterung der Brust lteislauß elebung der Respiration und des Blutkreislaufes zu erwirken. Wegen der starken Einwirkung der Barrenübungen auf die Brustorgane ist eine vorsichtige Benutzung derselben dringend geboten. Es sind deshalb alle Übungen für Kinder nur mit Maß und Verständnis auszuwählen. Erst dann, wenn die Schultern gehörig gekräftigt sind, kann im den Gerdte und Mannesalter allseitige Benutzung es Geräts eintreten. Wenn der B. ursprünglich erfunden zu sein schien, um daran Vorübungen zum Voltigieren zu treiben, so hat sich mit der Heit ein eigenes Barrenvoltigieren, das Barrenspringen, entwickelt, das allerlei Springweisen sowohl auf als über die Barrenholme umfaßt. Das vorwiegende und einseitige Turnen am B. erzeugt allmählich eine unschöne, auffallend gedrungene und gebückte Haltung mit vierschrötiger Entwickelung der Schultern bei unverhältnismäßig urückbleibender Formation der Beine; es ist des-H. ein regelmäßiger —— ———ᷓ mit Hang⸗ und prungübungen ein ästhetise es Erfordernis, ganz abgesehen von den hierbei mit in die Wagschale fallenden sanitären Gründen, — welchen beim Turnen die allseitige Ausbildung des ganzen Körpers nicht außer Acht zu lassen ist. Der B. hat bereits R eigene Geschichte und Litteratur. Als die preuß. egierung im J. 1862 das Turnen bei allen Volks923 W. ein Tur wollte, ging man damit um, statt es B.s ein Turngerät der schwed. Relender den Querbaum (ein hoch und tief zu stellender dicker, oben abgerundeter und unten kantiger Barrenholm) einzuführen. Die deutschen Turner erhoben aen Ge-Widerspruch nnchaf dessen die Barrenübungen Gedie in de wissenschaftlicher wurden, ie in den Schriften von Du Bois-Reymond, «liber das Barrenturnen und über die sog. rationelle Gymnastiko (Berl. 1862), Kloss, «Die Barrenübungen der deutschen Turnschule vor dem Richterstuhle der Kritikb (Dresd. 1862), und Du Bois-Reymond, Eerl 56uled und der B. Eine Entgegnung v 6 erl. 1863) niedergelegt sind. Infolge dieses Barrentreits unterbreitete die preuß. Regierung die Frage: 4ob B. oder nicht?» der wissens aftlichen Deputation für das Medizinalwesen, welche ein ausführliches „Gutachten über die Barrenübungen vom mediz. Standpunkten im 4Centralblatt für die Unterrichtsverwaltungo (Berl. 1862) mit dem endgültigen Votum abgab: adaß die Übungen am B. vom mediz. Standpunkte aus zu rechtfertigen, nicht aber zu 3. ein den sind.» Auf diese Weise legitimiert, ist der B. ein bevorzugtes Turngerät der deutschen Turnschule geworden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 503Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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