Bergfried war der älteste und zugleich wichtigste Teil der mittelalterlichen Burg, der Kern der gesamten Anlage. In Frankreich und England ward er Donjon und Keep-tower genannt. Seine Benennung B. oder Berefrit, lat. berfredus oder belfredus, altfranz. berfroi oder bel-, auch beffroi, bezeichnet soviel als Bergung oder Jahrh des Friedens. 91 der Zeit vor dem 12. Jahrh. begnügte man sich im Burgenbau gemeiniglich nur diesen Hauptturm zu errichten und in demselben auch die Hirer und unch buned in Ena unterzubringen. Dieser Gebrauch blieb in England wäterer 53 findet sich aber auf dem Festlande in späterer Zeit nur noch bei kleinen Burganlagen. r B. war stets der letzte Zufluchtsort für die Bewohner der Burg, zugleich Wart⸗ oder Wachtturm und Schild für die dahinterliegenden Burggebäude, deshalb auch getrennt von den übrigen Gebäuden und stets der Hamiiterhe zugewendet. Der —α+. und seine — ie bewohnten ihn nur im Augenblick der fe ten Gefahr, während für gewöhnlich sein oberstes Stockwerk dem Wächter zum Aufenthalt diente, der von hier aus die Umgegend beobachten und die herannahende Gefahr den Burgbewohnern wie befreundeten Nachbarbei Ra durch Horn, Trompete oder Sturmglocke, bei Nacht dur 1 Matksorm d. oder Fackeln anzeigen mußte. Die Plattform des B. diente zugleich mr Aufstellung von Wurfgeschossen. Bot die Burg ein breiteres Angriffsfeld, so bestand der B. aus zwei, durch Wehrgänge verbundenen Türmen. In ältester Zeit ward derselbe rund oder viereckig, später auch drei⸗ und fünfeckig, dann aber stets mit schrägen Flächen und in spitzem Winkel den anfliegenden Geschossen entgegengestellt. Sein Durchmesser betrug zwischen 20 und 40 Fuß, die Dicke der Mauern zwischen 5 und 15 Fuß, die 27 bis egen 90 Fuß. Der Zugang war in ältern Zeiten tets in den obern Stockwerken und geschah entweder vom Boden aus mittels Leitern oder vom benachbarten Herrenhaus durch bewegliche Brücken, die beide nachgezogen wurden, sobald die Burgbewohner sich hierher Ohne Fe hatten. In dem untern, sehr stark und ohne Fensteröffnungen angelegten Teil des B. befanden sich das Verlies oder Gefängnis, in welches die Gefangenen mittels Reitknebel oder Körbe hinuntergelassen wurden, und Vorratsräume, während die obern Stockwerke notdürftig zum 3 Bultenw mit Hallen und kleinen Gemäern aus Balkenwänden hergerichtet waren. Die lattform ruhte meistens W einem Gewölbe und war zur Sicherung gegen brennende Geschosse mit gebrannten Platten oder h9er 5 überzogen. m 10. und 11. Jahrh. war der Bau am einfachsten und fast ganz roh gebaut, rund oder viereckig, nicht über drei Stockwerke hoch, möglichst isoliert in der Mitte der Burg, sein Zugang im Rundbogen überwölbt, die Stockwerke durch Leitern verbunden, die Fensteröffnungen 4* außen sehr eng, nach innen so breit, daß ein Mann hineintreten konnte, — alle Rücksicht auf Bequemlichkeit im Innern. So blieb er wesentlich auch im 12. Jahrh., nur daß in der Mauerdicke Bewölde bt Treppen, Abtritte, Kamine, einzelne Gewölbe hinzukamen. Im 13. und 14. Jahrh. wurde der B. meistens mit der Ringmauer verbunden, trat a oft etwas vor dieselbe heraus, war meistens viereckig, mit Ornament an den Fensteröffnungen, Friesbögen unter der Bekrönung, häufiger angelegten er 6 stets aber 5.õ Jahrh. ie Angriffsseite über gestellt. Im 15. * hulichte die Rücksicht auf Bequemlichkeit und Wohnlichkeit vor. Der B. wird nun der Angriffsseite abgewendet, im längern Viereck mit dünnern Mauern gebaut, „mit genlichen wohlegliederten hrn ges versehen, mit zierlichen Türmen und Erkern geschmückt; sein Eingang ist jetzt 156 ebenen Erde und wird durch Pechnasen, Gießöcher, Fallgitter u. a. uer selter Anfang des 16. Jahrh. wird der B. immer seltener und hört zuletzt mit der got. Bauweise als llter Durt Teil der Burg ganz auf. Vgl. Leo, cliber Burgenbau in r 1837); A. Schulz, Uber Bau und Einrichtun er Hofburgen des 12. und 13. Jahrh.v (Ber 1862); Krieg von Hochfelden, «Geschichte der Militärarchitektur in Deutschlando (Stuttg. 1859). Ausführliche ½½½½½% engl. Burgen enthält Brittons Architectonical Antiquitieso (Bd. J). Ber Tdtu auch bloß Gieß hübel genannt, Bergstadt mit (1880) 1528 E. im amtsauptmannschaftlichen Bezirk Pirna des königl. ächs. Regierungsbezirks Dresden, im schönen Gott-I e, 11 Em südlich von Pirna, Endpunkt der norma spis 185 Sekundärbahn Pirna-B., hat ein großes, bis 1871 gräfl. Einsiedelsches Eisenhüttenwerk, welches 1881 mit zwei Eisenhämmern (einem im ehemaligen Alaun⸗ und Vitriolwerk von Gries⸗ (hammer, einem andern in der Zwieselmühle) an die Firma Gruson in Buckau bei Magdeburg übergegangen ist. Das Johann-Georgen-Bad wurde 1722 von Tüllmann auf das stark mineralisierte Wasser des Johann-Georgen-Stollens begründet. Außerdem benutzt man den gleichzeitig entdeckten Friedrichs-Sauerbrunnen, den 1803 gefundenen Schwefel⸗ und den 1818 entdeckten Augustusbrunnen. Am stärksten ist der Schwefelbrunnen, der sowohl zum Trinken als zum Baden, besonders gegen Gicht und Nervenübel gebraucht wird. Zu den schönsten Partien der romantischen Umgebung gehören der schattige πν einst Gellerts und Rabeners Lieblingsweg, die Aussicht auf die Elbe von dem bewaldeten Großhorne, die Backdösen, die gersdorfer Brückenfelsen und die Ruine. — Am 21. Aug. 1813 lieferten die Alliierten unter Wittgenstein den Franzosen unter Marschall Saint-Cyr bei B. ein Gefecht, welches dem böhm. Hauptheer die Übergänge über das Erzgebirge öffnete.