FeedBiblische T eologie
ReligionBrockhaus 1882

Biblische T eologie, weniger passend Biblische Dogmatik, ist eine erst im 18. Vore; unter den Protestanten entstandene theol. der Biocl deren r sehhi darin besteht, die Lehre der Bibel aus ihr selbst, unabhängig von der Kirchenlehre darzustellen. „Dem ältern Protestantismus alt seine Dogmatik als der auch exegetisch und ges ichtlehre, daher sich für ihn die Beschäftigung mit der eiligen Schrift auf die exegetische Behandlung der für die kirchlichen Dogmen an eführten biblischrit Beweisstellen beschränkte. Bei den Fortritten aber, welche die Kenntnis der alten Sprachen, die Auslegung und die Kritik im 18. Jahrh. machten, und bei der immer bestimmter shannucen dos Notwendigkeit, wischen den Anchauungen des aolischen D hristentums und der kir EMH ogmatik zu scheiden, ergab sich von elbst das Bedürfnis einer biblischen Theologie als einer besondern hitr.-kritischen Wissen chaft. Der ursprüngliche Sinn dieser neuen theol. isciplin war, einen Probierstein für die Hnn deren beanspruchte chriftemäßheit zu gewinnen. Daher Dunte es nicht ehlen, daß, als Büsching in seiner Epitome theogiae e solis sacris literis concinnataen (Lemgo 17⁵57) die abiblisch-dogmatischey Theologie der «scholastischen» gegenüberstellte, er bei den Orthodoxen großen Anstoß erregte. Supranaturalisten, wie Zachariä (4Biblische Theologiev, 2. Aufl. 1775) und Storr (1793; deutsch von Flatt, 1803 — 13), wollten höchstens einen formellen Unterschied der biblischen und der tionahen Lehre zugeben. Daegen suchte der Rationalismus die sachliche Ver-Kocderdel beider enbidlühen und schritt bald azu fort, auch die biblischen zaralter zu erhin selbst aus dem Volks⸗ und Zeitcharakter zu erklären. In diesem Sinne sind nach dem Vorgange von Teller, Semler und 95 0 die biblisch-theol. Werke von Gabler (1789), Lorenz Bauer (1796— 1802) und Kaiser (1812—14) gearbeitet. Indessen stehen diese Schriften noch insgesamt unter dem Einflusse der altrationalistischen Tendenz als den Kern des Dahtheiten die Ro. allgemeinen vernünftigen Wahrheiten der Moralreligion nachzuweisen, wobei ein wirklich geschichtliches Verständnis der biblischen Vorstellungen nicht möglich war. Erst De Wette (Biblische Dogmatik des Alten und Neuen Testamentsv, Berl. 1813; 3. Aufl. burch führte eine strengere histor. Methode ein, dur welche nicht allein der Unterschied des Alten und Neuen Testaments, sondern auch die Verschiedenheit der am Alten Tesame 6er Hehr beider Testamente (im Alten Testamente: Hebraismus und Judaismus, im Neuen Testamente: Lehre Jesu und Lehre der Apostel) zur Geltung gebracht und damit die biblische Theologie unter den dogmene Wette verfolgte jedoch mehr ein systematisches als ein streng geschichtliches Interesse, und suchte den rein —½½ Gehalt der biblischen Vorstellungen nach philos. Gesichtspunkten aus umitteln. An De Wettes Arbeit reihen sich die Werke von Baumgarten-Crusius (4Grund üge der biblischen T ablische Jena 1828) und Daniel von Cölln (Biblische Theolo ie, herausg. von Dav. Schulz, 2 Bde., Lpz. 1836). 00 mehr oder minder entchieden supranaturalistischem Standpunkte steht ie Arbeit von Steude (Theologie des Alten Testaments v, herausg. von Oehler, Bresl. 1840). Das Hauptsächli ste, was in der neuern Zeit auf diesem Gebiete geleistet worden ist, + ich teils in Untersuchungen über einzelne biblische Lehrbegriffe erstreut, teils auch im Zusammenhange mit größern histor. Arbeiten erörtert. Für das Alte Testament . nächst der geistvollen Schrift Vatkes (4Die Religion des Alten Testaments) Berl. 1835) und der Schrift Bruno Bauers Len. Religion des Alten Testaments», 2 Bde., erl. 1838), welche beide von Hegelschen Prinzipien ausgehen, besonders die von echt geschichtlichen Gesichtspunkten geleiteten Arbeiten von Ewald, nobel, Gust. Baur u. a. hierher. Vom streng Schriten von Aurt. Standpunkte aus sind die Schriften von Kur Hävernick, Hengstenberg, Delitzsch, Hofmann aumgarten, Oehler, Auberlen u. a. verfaßt. Die beste Arbeit ist jetzt die Alttestamentliche Theologieß von Herm. Schultz (2 Bde., Frankf. 1869 2. Aufl. in 1 Bd., 1878), in welcher die wissenschaftlichen Ergebnisse der bisherigen *n ubersichtlich, klar und vollständig zusammengefaßt sind. Für das Reue Testament bezeichnet namentlich die sorgfältige Scheidung der apostolischen un riffe einen wesentlichen Fortschritt, welche urch die Schriften von Usteri und Dähne über den paulinischen, Frommann über den johanneischen Lehrbegriff angebahnt wurde. Von noch entscheidenderer Bedeutung für diesen Teil der biblischen Theologie sind aber die neuern eindringenden Untersuchungen über das apostolische Zeitalter geworden, zu denen F. Chr. Baur und die Tübinger Schule die Anregung gaben. Die neuere Kritik hat überhaupt zuerst ein wirklich geschichtliches Verständnis vor allem des paulimschen Evangeliums und des spätern Paulinismus, aber auch der judenchristl. oder uraposto⸗⸗ 44de Lehrform und der johanneischen Theologie als des Abschlusses der ganzen neutestamentlichen Entwickelung eröffnet. Die Arbeiten von Holsten, Lüdemann, Pfleiderer über den ben ohann⸗ östlin, Hilgenfeld, Scholten uber den jo anneischen Lehrbegriff, sowie die zahlreichen Untersuchungen über Leben und Lehre Jesu haben der neutestamentlichen Theologie ein völlig verändertes Ansehen gegeben. Die apologetichen Bemühungen von Neander, U. Hahn, 4. habe Oie H.. deßner, Oosterzee, Lutterbeck u. a. haben die Befestigung der neuen Erkenntnisse so wenig zu hindern vermocht, daß selbst ziemlich conservative logte en, wie Weiß (Lehrbuch der biblischen A ogie des Neuen Testaments, Berl. 1868; 3. Aufl. 1880), dem kritischen tan-Uuenz sehr erhebliche Zugefellungid machten. Eine zusammenfassende Dartellung der biblischen Theologie des Neuen Testaments, die dem heutigen Standpunkte der kritischen Deisch it entspricht, fehlt zur Zeit noch; einstweilen ist zu verweisen auf das Werk von Immer, Neutestamentliche Theologies» (Bern 1878). Aus einer frühern Periode stammen die Werke von Baur (4Vorlesungen über neutestamentliche Theologien, Aitomn von F. F. Baur, Lpz. 1864) und Reuß (&UHistoire de la théologie chrétienne au siècle τνπ Straßb. 1852; 3. Aufl. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 16Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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