FeedBignon (Louis Pierre Edouard, Baron)
GeschichteBrockhaus 1882

Bignon (Louis Pierre Edouard, Baron), ausgezeichneter franz. Diplomat, Publizist und Historiker, geb. 3. Jan. 1771 zu Guerbaville bei Meilleraye im Depart. Niederseine, studierte zu Paris im Collége Lizieux, trat während der Revolution als Gemeiner in die Armee und schlug 1797 die diplomatische Carriere ein. Nachdem er 1801 als Legationssekretär, 1802 und 1803 als Geschäftsträger thätig gewesen, fungierte er bis 1806 als bevollmächtigter Minister am kasseler Hofe. Nach dem Einrücken der franz. Truppen in Berlin wurde er zum franz. Kommissar bei den preuß. Behörden ernannt, leitete hierauf bis 1808 die Verwaltung der Domänen und Finanzen in den besetzten Ländern, ging 1809 als bevollmächtigter Minister nach Baden, wurde bald darauf zum franz. Generaladministrator in Osterreich ernannt und erhielt dann eine schwierige Sendung mit geheimen Aufträgen nach Warschau, wo er fast drei Jahre blieb. Bei der Eröffnung des Feldzugs von 1812 wurde er Kommissar bei der franz. Regierung in Wilna, und mit dem Rückzuge der Franzosen aus Rußland löste er de Pradt in dem Gesandtschaftsposten zu Warschau ab. Nach seiner Ruckkehr nach Frankreich lebte er auf dem Lande. Während der ersten Restauration schrieb er ein Exposéè comparatif de L'ëtat financier, militaire, politique et moral de la France et des principales der Zund, de PEurope (Par. 1815). Während er Hundert Tage ernannte ihn Napoleon zum Unterstaatssekretär im Ministerium der auswärti-Wa Angelegenheiten und nach der Schlacht bei terloo noch zum Minister dieses Departements. Nach der zweiten Restauration ward er 1817 zum Deputierten gewählt. Als solcher sprach er gegen die Ausnahmegesetze und für die Zurückberufung der Verbannten; auch war er ein eifriger Verteidiger des Wahlgesetzes. Viel Aufsehen machten seine publizistischen und polit. Schriften, wie «Coup d'oeil sur les démélés des cours de Bavière et de Baden (Par. 1818), Des proscriptions v (3 Bde., Par. 1819—20), Du congrès de Troppauo (Par. 1821) Les cabinets et les peupleso (Par. 1822). Nach dem Wunsche Napoleons, den dieser in seinem Testament aussprach, schrieb B. die Histoire de France, depuie le 18 brumaire jusqu'à la paix de Tilsit (7 Bde., Par. 1827—38; deutsch von Hase, 6 Bde., Lpz. 1830—31) und deren Fortsetzung die „Histoire de France, depuis la paix de Tilsit jusqu'en 18125 (4 Bde., Par. 1838; deutsch von Alvensleben, 6 Bde., Meiß. 1838 — 40). In den Reaterune 1830 ward er von der Provisorischen egierung zum Minister des Auswärtigen und 11. Aug. von Ludwig Philipp zum Mitgliede des Ministerrats ernannt. Doch schon im Nov. 1830 schied er wieder aus dem Ministerium. Nach dem Siege der Doktrinärs trat er entschieden zur Opposition über. Er wurde 1837 zum Pair erhoben und starb zu Paris 5. Jan. 1841. Nach seinem Tode gab Mignet heraus: Souvenirs d'un diplomate, nebst einer Biographie B.s (Par. 1864). iS8nonia, Pflanzengattung aus der nach ihr benannten Familie der Bignoniaceen, von Tournefort dem Abbe Bignon, Bibliothekar Ludwigs XIV., ewidmet, besteht aus aufrechten und kletternden Holigewächsen des tropischen und subtropischen Amerika, welche zu den charakteristischsten Pflanzenformen der Neuen Welt gehören und sich durch Größe und Schönheit der Blüten auszeichnen. Linne faßte unter dem Namen B. mehrere jetzt getrennte Gattungen der Bignoniaceen zusammen, z. B. den in Deutschland nicht selten kultivierten Trompetenbaum (B. Catalpa L., Catalpa), und die kletternde B.(B. radicans, s. Tecoma), ein in Deutschland ebenfalls häufig vorkommendes Ziergewä 8. Die echten Bignonien haben gegenständige, munfzahzusammengesetzte Blätter, einen röhrigen, unfzähnigen, seltener zwei⸗ bis dreilappigen Kelch, eine roße, trichterförmig-zweilippige oder fast regelmäpios Blumenkrone, vier fruchtbare Staubgefäße nebst einem unfruchtbaren, und eine vielsamige, zweiklappige Kapsel, deren Scheidewand den Klappen parallel ist. Die meisten Arten sind kletternde Sträucher mit oder ohne Ranken an den Blättern und selständigen, in Trauben und Rispen gestellten Blüten; 94 eignen sich vorzüglich zu Wandbekleidungen, Lauben, Guirlanden in warmen und temerierten Häusern und + den schönsten Ziergewä sen. Die am längsten kultivierte Art ist B. capreolata L., ein kletternder Baum aus Carolina, mit stacheligen Zweigen, zwei⸗ und dreizähligen Blättern, von denen die obern Ranken besitzen, und zwei bis fünf gestielten Blüten in den Blattwinkeln, deren Blumenkrone auswendig orangerot, inwendig gelb ist. Diese schöne Schlingpflanze gedeiht in milder Lage auch im freien Lande wenn sie während des Winters zugedeckt wird. Alle übrigen Arten sind Warmhauspflanzen. Sie verlangen Heideboden und werden durch Ableger vermehrt. Zu den schönsten gehören B. speciosa Hooh. aus Buenos-Ayres, mit großen, lilafarbenen, dunkellila geaderten Blumen, B. floribunda Kth. aus Mexiko mit purpurroten Blütensträußen, B. Chica Kth. aus Südamerika, ebenfalls purpurrot blühend, mit einem roten Farbestoff, B. venusta Ker. aus Brasilien, mit endständigen Sträußen orangegelber Blumen, B. Clematis Kth. aus Caracas, mit weißen, inwendig gelben Blumen, deren Zipfel rot oder purpurviolett gefärbt sind, u. a. m. —* Das sehr harte und schwere Holz der in Südamerika und Westindien vorkommenden baumartigen B. leucoxylon L. kommt als grünes oder braunes Ebenholz (s. d.) in den Handel und wird wegen seiner schönen grünen Farbe und seiner Dauerhaftigkeit zu feinen Tischlerarbeiten verwendet, auch soll dasselbe in den Heimatländern zum Grünfärben gebraucht werden. Aus den Blättern der ebenfalls in Südamerika einheimischen B. Chica Humb. wird durch Auskochen eine zinnoberrote Farbe, Chica, Chicarot oder Carucru genannt, gewonnen, die zum Färben von Zeugen dient und von den Indianern zum Bemalen ihrer Haut benutzt wird. aus der Gruppe der Dikotyledonen, die gegen 400 vorzugsweise den Tropengegenden angehörende Arten umfaßt. Die B. haben zwitterige Blüten mit drei⸗ bis fünfteiligem Kelch, fünflappiger Blumenkrone, vier Staubfäden und einem Griffel. Die Farbe der Blüten ist eine verschiedene, aber meist sehr n Hee⸗ weshalb viele B. auch als Zierpflanzen in Gewächshäusern gezogen werden. Es sind meist Bäume oder kletternde Sträucher, seltener aufrechte Sträucher oder krautartige Pflanzen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 39Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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