FeedAuerswald (Rud. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Auerswald (Rud. von), preuß. Staatsminister, Bruder des vorigen, geb. 1. Sept. 1795, wurde 1807—10 mit dem Prinzen Wilhelm, nachmaligem Deutschen Kaiser erzogen, und bezog 1811 die niversität Königsberg, trat jedoch ein Jahr später in den . Mit diet bei dem 1. schwarzen Husarenregiment. Mit diesem wohnte er 1812 im Horkschen Korps dem Feldzuge nach Rußland bei. Zum Offizier befördert, zog er 1813 mit dem Regimente in den Krieg gegen Frankreich, an welchem er bis zum Pariser Frieden teilnahm. Nachdem er 1816 zum 6. Ulanenregiment, später als Brigadeadjutant nach Münster versetzt worden, erhielt er 1820 den Grad des Rittmeisters. In demselben Jahre verließ er den Militärdienst, zog sich auf seine Güter in Ostpreußen zurück und wurde von dem Kreise Heiligenbeil zum Landrat, später zum General-Landschaftsrat von Ostpreußen gewählt. Während des poln. Revolutionskriegs von 1831 kommissarisch zur Verwaltung des Grenzkreises Memel entsendet, wußte er den Übertritt des Gielgudschen Korps mit Humanität und doch zugleich mit Wahrung der preuß. Interes0 zu leiten. Die Stadt Königsberg wählte ihn odann zum Oberbürgermeister, nachdem er zuvor sein Amt als Landrat niedergelegt hatte. Seit 1837 wohnte er den Landtagen der er des Landtagan als Abgeordneter und Stellvertreter des Landtagsmarschalls bei und 1842 wurde er zum Mitgliede des Vereinigten emfeldens Ausschusses in Berlin gewählt. In demselben Jahre erhielt er seine Ernennung zum Regierungspräsidenten in Trier, in welcher Stellung er bis zur Märzrevolution von 1848 verblieb. Ende März erfolgte seine Beförderung als Oberpräsident der Provinz Preußen, und Ende Juni 1848, nach Camphausens Abgang, trat er an die Spitze des neugebildeten Ministeriums (Hansemann-Kühlwetter-Schreckenstein), in welchem er auch die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten übernahm. Gleichzeitig ward er in Frankfurt a. O. zum Abgeordneten in die Preußische Nationalversammlung gewählt. Infolge der Annahme des Steinschen Antrags wegen eines Erlasses an die Armee, dimissionierte er mit den *9—— Mitgliedern des Kabinetts im September, behielt jedoch seinen Platz in der „Rach Wul bei, wo er mit der Rechten stimmte. Nach Auflösung der Nationalversammlung kehrte er zur Verwaltung des Oberpräsidiums nach Königsberg zurück. Im J. 1849 zum Mitgliede der Ersten preuß. Kammer gewählt, leitete er in der Session von w1849 und 1850 deren Verhandlungen als Präsident, ebenso im Frühjahr 1850 die Verhandlungen des Staatenhau es in Erfurt. Im Juni 1850 wurde ihm das berpräsidium der Rheinprovinz übertragen, doch mußte er schon im uli 1851 Hrn. von Kleist-Retzow weichen. ebte darauf ohne amtliche Stellung, bis er 6. Nov. 1858 durch den Prinz-Regenten zum Minister ohne Portefeuille im Ministerium der «neuen Ara » ernannt wurde. Die Durchführung der Armeereorganisation, welche A., ohne der Zustimmung des Abgeordnetenhauses versichert zu sein, mit Übernommen hatte, stürzte 0 Die Neuwahlen des J. 1861 brachten der Fortschrittspartei die Majorität im Abgeordnetenhause und die Annahme des ½½˙ luar Antrags auf größere Spezialisierung des Miitäretats hatte im März 1862 den Rücktritt des liberalen Ministeriums Schwerin-Auerswald zur olge. A. wurde 925 Oberburggrafen von Marienurg ernannt, blieb aber ohne weitern polit. Ein-Er starb 15. Jan. 1866 in Berlin. uerswald (Alfr. von), preuß. Staatsminister, — — 16. Dez. 1797 zu Marienwerder, jüngster Brudes vorigen, lebte seit 1803 in igeniniver und bezog im Frühjahr 1815 die dortige Universität, verließ dieselbe jedoch schon wenige Tage später, um infolge des wieder ausgebrochenen Kriegs als Freiwilliger in ein preuß. Dragonerregiment einutreten. Nach Beendigung des Kriegs setzte er seine tudien in Königsberg fort und wirkte bei Begründung der Burschenschaft mit. A. trat 1819 in den Staatsdienst, verließ denselben aber 1824, um sich der Verwaltung seiner Güter zu widmen, und war 1830—44 Landrat des Kreises Rosenberg. Polit. Thätigkeit begann er erst auf der Preußischen Provinzial-Ständeversammlung zu entwickeln, der er seit 1837 angehörte, und wo er 1840 den Antrag auf Einberufung der seit 1815 versprochenen Reichs-Berli stellte: 1842 wurde er zum Mitgliede der nach erlin berufenen Müglede ständischen Ausschüsse, sowie 1846 zum Mitgliede der evang. Generalsynode gewählt. In letzterer trat er entschieden gen die Anwendung der Bekenntnisschriften bei dinierung der Geistlichen auf und verlangte eine organische Vertretung der Kirche. A. wurde 1847 zum Direktor der Generallandschaft von Ostpreußen erwählt. Bedeutend wirkte er auf dem Vereinigten Landtage von 1847 in konstitutionellem Sinne. Die Märzrevolution von 1848 brachte den 4. wünschten Systemwechsel, ging aber weiter, als A. und seine Freunde, aus deren Reihen der König die neuen Minister wählte, es wünschten. A. trat in das am 29. März von Camphausen gebildete Kabinett, zog 50 aber gleichzeitig mit Camphausen, Arnim und Schwerin infolge verschiedener, dem Ministerium feindseliger Abstimmungen der Nationalversammlung 14. Juni 1848 zurück und nahm von nun an seinen Platz als Mitglied der Versammlung im rechten Centrum. Er stimmte beharrlich Roon die demokratische Majorität und verließ 9. ov. mit den übrigen Mitgliedern der Rechten den Sitzungssaal, als, trotz der königl. Vertagungsordre, die Majorität die Sitzungen nicht unterbrechen wollte. Seit 1849 gehörte A. der Zweiten preuß. Kammer als Abgeordneter an, in welcher er in der Session von 1849 zum ersten Vizepräsidenten gewählt wurde. In der auf Grund des veranderten Wahlgesetzes im Aug. 1849 zusammenetretenen Zweiten Kammer, wo das demokratische lement gänzlich fehlte, stimmte A. mit der konstitutionellen Linken und unterstützte die von Radowitz geleitete Unionspolitik. Nach dem Rücktritte dieses Staatsmanns bekämpfte er entschieden die Politik Manteuffels. Auch später wurde A. noch mehrmals in das Abgeordnetenhaus gewählt, ohne jedoch wieder eine einflußreiche Rolle zu spielen. Er starb 3. Juli 1870 zu Berlin. 2 Aufbänken heißt eine Manipulation in den Feuerungen der Dampfschiffskessel, durch welche die Feuer in einen Zustand versetzt werden, daß sich nur sehr geringer Dampf entwickelt. Man bänkt die Nach auf, um Kohlen zu sparen, wenn man die Maschine augenblicklich nicht gebraucht, aber sie in kurzer Zeit fertig haben will. Durch Aufschütten von Kohlen wird dann so schnell Dampf erzeugt, daß das Schiff in 10—15 Minuten vorwärts gehen kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 180Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6