FeedChasteler (Joh. Gabr., Marquis von)
BaukunstBrockhaus 1882

Chasteler (Joh. Gabr., Marquis von), von einer Seitenlinie des Hauses Lothringen abstammend, österr. Feldzeugmeister, geb. 22. Jan. 1763 auf Schloß Malbais bei Mons im Hennegau, erhielt seine Bildung auf der Akademie zu Metz, trat 1776 in österr. Kriegsdienste, besuchte 1778—80 die 227 enieurakademie in Wien, zeichnete sich im Türkenriege 1789 unter Laudon aus und war 1790 als Oberstlieutenant der wallonischen Garde in den Niederlanden beschäftigt, wo er dem Kaiserhause bei den dortigen Unruhen wesentliche Dienste leistete. Im Kriege gegen Frankreich 1792 verteidigte er Namur tapfer und wurde hier gefangen, bald aber ausgewechselt. Er kämpfte 1793 in allen Schlachten und zeichnete sich besonders bei Wattignies aus, wo er schwer verwundet wurde. Im J. 1794 nahm er teil an den Belagerungen von Landrecies und Lüttich und ⁷ in mustergültiger Weise Mainz, wofür er zum Obersten im Generalstabe ernannt wurde. Von 1795 bis 1796 wurde er mit einer diplomatischen 99Wof nach Petersburg, bezüglich der dritten Teilung Polens, und nach dem Frieden von Campo-Formio mit der Ubernahme der venet. Provinzen betraut. Im folgenden Kriege leistete er 1799 als Generalquartiermeister der Armee in Italien ausgezeichnete Dienste, wurde vor Tortona 1olg dreizehnten mal verwundet und konnte erst im olgenden Jahre eine Brigade in Tirol übernehmen, wo er mit Hormayr (s. d.) in Verbindung trat. Nach dem Frieden ewirkte er persönlich in Paris seine Streichung von der Emigrantenliste (als Belgier) und die R ückgabe seiner konfiszierten Güter, die ihm der Konsul Bonaparte leicht bewilligte. Er kämpfte 1805 ebenfalls in Tirol und Salzburg. Beim Ausbruch des Kriegs 1809 befehligte C als Feldmarschalllieutenant das 8. Armeekorps unter dem Erzherzog Johann in Italien. Doch wurde er bald nach Tirol geschickt, wo er mit Hormayr die Seele der Erhebung wurde. C. griff die zehnfach überlegenen Famosen und Bayern an, wurde aber 13. Mai bei Wörgl gänzlich geschlagen und zum Rückzuge durch Salzburg und Steiermark nach Ungarn genötigt, sodaß er an den Eeilnahm kriegerischen Ereignissen keinen weitern Tei nahm. Nach dem Frieden von Wien wurde er Kommandant von Ssterreichisch-Schlesien; 1813 leitete er die Verteidigungsanstalten von Prag, nahm teil an den Schlachten von Dresden und Kulm und übernahm nach der Schlacht bei 8 das Kommando des Klenauschen Korps. Beim Wiener Kongreß war er mit seinem militärischen Rate nicht ohne Einfluß. Nach dem Frieden und der Herstellung des Lombardisch-Venetianischen Königreichs wurde C. Gouverneur von Venedig, für dessen Befestigung er unermüdlich gewirkt hat, und starb daselbst 10. Mai 1825.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 205Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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