Bimetallismus ist der von Cernuschi eingeführte Ausdruck für die Doppelwährung (s. d.) auf internationaler Grundlage, d. h. auf der Basis eines von den Hauptstaaten gemeinschaftlich anzunehmenden festen Wertverhältnisses des Goldes zum Silber, als welches sich zunächst das in Frankreich seit 1785 angenommene und bis in die neueste Zeit als das normale geltende Verhältnis von 15 ½ zu 1 darbietet. Die Idee einer solchen internationalen Vereinbarung wurde schon 1855 von Schübler in Anregung gebracht und bald darauf auch von S. Oppenheim vertreten. Gegen Ende der sechziger Bead tauchte sie auch in Amerika auf; eine größere Beachtung fand sie jedoch erst infolge der unermüdlichen Agitation, die Cernuschi 1876 begann, unterstützt durch die den meisten Politikern und Nationalökonomen gänzlich unerwartet kommende starke Entwertung des Silbers. Auf der internationalen Münzkonferenz, die im Aug. 1878 ohne Beteiligung Deutschlands in Paris stattfand, traten die Vereinigten Staaten, die überhaupt die Konferenz veranlaßt hatten, bereits ganz bestimmt für die internationale Doppelwährung mit freier Silberprägung nach einem einheitlichen Wertverältnis ein, nachdem sie ihrerseits durch die in demelben •3 angenommene Bland- oder richtiger Alison-Bill mit der olgrs dalerdonn der Ausmünzung von Silberdollars (allerdings nach dem Wertverhältnis 16:1 und mit der Beschränkung 2 Wiil Oon höchstens 4 Mill., mindestens aber 2 Mill. Doll.) vorangegangen waren. Die Vertreter Italiens und Hollands zeigten sich dem bimetallistischen Projekt nicht abgeneigt, rankreich jedoch hielt :sich noch in Reserve, während England, Belgien, die Schweiz und Schweden prinzipiell an der alleinigen Goldwährung festhielten. Do erklärte der engl. Delegierte Göschen ausdrücht + daß die vollständige Verdrängung des Silbers als Geldmetall und die allgemeine Einführung der ausschließlichen Goldwährung nicht wünschenswert ei. Auch wies er auf die Wichtigkeit der freien Silberprägung in Indien hin, die England fortbestehen lasse. Im ganzen führte die Konferenz von 1878 zu keinem dem B. günstigen Resultat. Besser schienen die Aussichten desfelben zu sein, als im April 1881 eine neue Münzkonferenz in Paris zusammentrat, die auch vom Deutschen Reich beschickt wurde. Als neuer Faktor war seit 1879 die Wiederaufnahme der Barzahlungen in den Vereinigten Staaten in der Währungsfrage zu Inchr in Am: Das californische Gold wurde nunmehr in Amerika zurückgehalten, die günstige amerik. Handelsbilanz, besonders infolge des Aufschwungs der Getreideausfuhr, bedingte sogar einen Ruckfluß von europ. Gold nach Amerika, und die von den Verteidigern des B. prophezeite Goldknappheit schien also im Begriffe sich zu verwirklichen. Deutschland beme im Frühjahr 1879 die verlustbringenden Silberverkäufe suspendiert, und in der wissenschaftlichen Polemik erkämpfte sich der B. immer mehr Beachtung. Frankreich war jetzt mit Amerika in dem der meuenGon Programm einig und ließ sich auf der neuen Konferenz durch Cernuschi selbst vertreten. Italien, Holland und Spanien waren ebenfalls bereit, einer bimetallistischen Union beizutreten; Deutschland begnügte sich mit weitgehenden theoretischen Konzessionen an den B. und einigen sekundären Giberschei nissen hinsichtlich der Prägung von Silberscheidemünzen, im wesentlichen jedoch hielt es an der reinen Goldwährung fest. Die übrigen Goldwährungsstaaten thaten dasselbe, England mit der Zusage, daß es die ind. Silberwährung aufrecht erhalten wolle und daß die Bank wieder einen Silbervorrat halten werde, wenn der B. in den ubrigen Ländern zur Geltung gelange. Die Zurückhaltung Deutschlands nn jeden Versuch, den B. auch ohne England dur zuführen, praktisch aussichtslos, und so endigte auch diese Konferenz 8. Juli resultatlos. Der theoretische Gedanke des B., daß durch allgemeine Freigebung der Silberpräliher nach einem in allen Staaten gleichen gesetzichen Wertverhältnis gegen Gold auch der Marktwert dieses Metalls stets dem gesetzlichen Werte desselben, zu dem es ja jederzeit bei den Münzstätten unbeschränkten Absatz finden kann, sehr nahe gehalten werden würde, wird durch die Erfahrung in dem beschränkten Gebiete der franz. Doppelwährung bis 1874 bestätigt. Die Unbequemlichkeit des Silbers für den größern Verkehr käme nicht in Betracht, wenn dasselbe, außer zu den kleinern Zahlungen, hauptsächlich zur Deckung von Banknoten oder Münzscheinen diente. Litteratur. Cernuschi, La monnaie bimétalliquen (Par. 1876); derselbe, «M. Michel Chevalier et le bimétallismen (Par. 1876); derselbe, „Le Bland billo (Par. 1878); derselbe, «La di-⸗ plomatie monétaire en 1878 (Par. 1878) und andere Broschüren desselben Verfassers; E. de Laveleye, La monnaie bimétalliques (Brüssel 1876); derselbe, La question monétaire en 18815 (Brüssel 1881); O. Arendt, «Die vertragsmäßige Dop-Bomppmnd (2 Tle., Berl. 1880); Neuwirth, Der Kampf um die Währung» (Jena 1881); Schäffle, Für internationale Doppelwährunge (Tüb. 1881); Ad. Wagner, „Für bimetallistische Münzpolitit Deutschlands» (Berl. 1881); Lexis, «Erörterungen uber die Währungsfragen (Lpz. 1881); «Conférence monétaire internationale. Procès verbaux. Avril-Mai et Juin-Juillet 1881 (2 Bde., Par. 1881).