Agio (aus dem ital. aggio) oder Auf geld bezeichnet den Betrag, um welchen eine Münzsorte in dem vorherrschenden Cirkulationsmittel höher bezahlt wird, als nach ihrem Nennwerte. Das A. wird in der Regel prozentmäßig ausgedrückt. Das Bohnn, d⸗ des A. ist das Disagio, nämlich der Verlust, den die im Verkehr weniger geschätzte Sorte gegenüber der I. angesetzten erleidet. Zur Zeit der fiskalischen Ausnutzung des Münzregals und der allgemeinen Verbreitung sonstiger Münzverschlechterungen entstand naturgemäß ein A. auf die groben vollwichtigen Münzen gegenüber dem im gewöhnlichen Verkehr üblichen Zahlungsmittel, das aus Scheidemünze oder stark abgenutzten größern Stücken bestand. Eine andere, noch für die Gegenwart wichtige Ursache des A. aber ist die wechselnde Bevorzugung des einen oder des andern Edelmetalls von seiten des Verkehrs in solchen Ländern, welche Gold⸗ und Silbermünzen Pab einem gesetzlichen Wertverhältnisse geprägt haben. Weicht das auf dem Weltmarkt geltende Wertverhältnis von diesem gesetzlichen einigermaßen —1⁷ ab, so werden die Münzen aus dem begünstigten Metall ein A. erlangen. Denn es wird dann lohnend sein, diese Münzen zu sammeln, einzuschmelzen und auf dem Weltmarkte gegen das billigere Metall zu verkaufen und das letztere im Inlande prägen zu lassen. Mtan wird also seine Zahlungen in dem letztern Metalle leisten —wozu er ja berechtigt ist —, das erstere dagegen zurückhalten und nur gegen eine besondere Vergütung hergeben. Namentlich werden auch die Banken bei der Einlösung ihrer Noten in dieser Art verfahren. So machten in 4. Sauprvor 1848 die 20-Francsstücke gegen die als Hauptgeld dienenden 5-Frankenthaler in der Regel ein größeres oder geringeres A., meistens zwischen 7 und 15 Promille. In den funfziger Jahren und Anfang der sechziger dagegen wurden die Silberstücke mit einem A. gegen Gold zur Ausfuhr nach Asien ge-Hec Aber auch ohne daß das Wertverhältnis er Edelmetalle auf dem Weltmarkte sich merklich ändert, können z. B. die Goldmünzen in einem Lande, in welchem auch noch Courantsilbergeld eirkulirt, ein A. über ihren Nominalwert erhalten. 5• Kriegs⸗ und Revolutionszeiten kann dies eine solge der besondern Vorliebe sein, deren sich dann die leicht zu verbergenden und zu transportierenden Goldmünzen erfreuen. So erhielten in Paris im Jan. 1814 die 20-Francsstücke ein Agio von 6 ½ und am 18. Mai 1848 sogar ein solches von 12 Prolente obwohl der Wechselkurs auf London an dem etztgenannten Tage nur auf 26, also nur 3 Prozent über Pari stand. Ferner kann ein Goldagio, z. B. in Deutschland, dadurch entstehen, daß zur Ausgleichung einer ungünstigen Zahlungsbilanz Gold zur Ausfuhr namentlich nach England oder Amerika gesucht wird, wenigstens wenn die Reichsbank von ihrem Rechte, ihre Noten in Thalern einzulösen, Gebrauch machte oder abgenutzte Goldmünzen ausgäbe. Im Juli 1875 stieg der Goldpreis in Berlin auf 1409 Mark, während aus dem Pfunde fein doch nur 1395 Mark geprägt werden. Dieser Preis beieht sich unmittelbar nur auf fremde Sorten und arren, aber die Doppelkronen können ja leicht in letztere umgewandelt werden. Natürlich wurden jene 1409 Mark nicht in Reichsgoldmünzen, sondern in Silber, Banknoten oder Wechseln bezahlt. Von besonderer Wichtigkeit ist das A. auf vollwertiges Metallgeld, das in den Ländern zu entstehen pflegt, in welchen uneinlösliches Papiergeld mit Zwangskurs in großer Menge in Umlauf gesetzt ist. So machte in den Vereinigten Staaten der Golddollar im J. 1864 bis 185 Prozent A. (also 100 Golddollars ⸗ 285 Dollars in Papier); trotzdem ist es der Union gelungen, noch vor dem 1. Jan. 1879 die Gleichwertigkeit von Gold und Papier Uuna wiede und von diesem Tage an die Barzahung wieder aufzunehmen. In Frankreich entstand während der Geltung des Zwangskurses der Banknoten (vom 11. 9 1870—78) nur zeitweise ein mäßiges Goldagio, das im Maximum (Nov. 1871) nur 3 Prozent erreichte und schon 1875 völlig verschwunden war. Das seit 1879 erscheinende Goldagio von 2—6 Promille ist anderer Natur, da es durch den Goldbedarf für die Ausfuhr bei einem sehr großen Bestande an französischem Silbercourantgeld bedingt ist. Sehr interessant ist das Veras nicht durch eine Wertsteigerung des Papiergeldes, sondern durch die Wertverminderung des Silbers herbeigeführt worden ist. In den Wechselkursen 1 das Ausland ist in Osterreich wie in Rußland das Goldagio an die Stelle des Silberagio getreten. überhaupt wird bei längerer Dauer des Zwangskurses das 15 Hitben mehr und mehr verdrängt, und Gold und Silber, gleichviel ob geprägt oder ungeprägt, erscheinen als Waren wie alle andern, die in dem von seiner ursprünglichen Grundlage ganz abgelösten, zu einem selbständigen Gelde gewordenen Papier bezahlt werden. Es ist dann eigentlich richtiger, von einem Metallpreise, als von einem Metallagio zu sprechen. —Man bezeichnet auch als A. den überschuß des Preises eines Edelmetalls über einen konventionellen Normalbetrag. Zweckmäßiger spricht man . in Bezug auf das Barrenmetall von Prämie und Ver lust (im Französischen prime und perte). So wurde an der pariser Börse bis vor kurzem der Goldpreis auf den Grundwert von 3434,44 Frs. für das Kilo Feingold bezogen und regelmäßig mit einigen Promille Prämie notiert. Es ist dieser Satz nämlich der alte Münzpreis des Goldes und dadurch entstanden, daß ursprünglich für die Prägung eines Kilo Feingold, das 3444,44 Frs. liefert, 10 Frs. als Münzkosten zurückgehalten wurden. Später aber wurde die Prägevergütung herabgesetzt und sie beträgt gegenwärtig nur 7,44 Frs. für das Kilo fein, was einen Münzpreis von 3437 Frs. für das Kilo Feingold ergibt. Trotzdem richtete sich die notiz noch lange Zeit nach dem alten Preise, sodaß das Gold, auch wenn es genau auf dem Münzpreise stand, noch mit 1 Promille Prämie aufgeführt wurde. Erst seit 1877 ist 3437 als Grundwert angenommen worden. Das Silber wird noch immer nach dem alten Tarif von 1803 notiert, mit dem Grundwert von 218,80 Frs. für das Kilo fein, entsprechend einer Prägungsgebühr von 3½¼ Prozent, während in Wirklichkeit gegenwärtig nur die Hälfte dieser Taxe erhoben wird. — Auch der überschuß des Kurses der Wechsel und Effekten über das Pari oder den Nominalwert wird wohl A. genannt, jedoch ist auch in diesen Fällen die Bezeichnung Prämie mehr zu empfehlen, wie in den Ländern des lat. Münzsystems namentlich in Bezug auf die Frankenwechsel (im Gegensatz zur perte) üblich ist. Agiotage nennt man die Betreibung solcher 1e. wormale Handel⸗ die nicht den Zweck haben, die normale Handelsbewegung der betreffenden Verkehrsobjekte zu fördern, überhaupt keine innere volkswirts Iae Berechtigung haben, sondern nur in der Absicht unternommen werden, sie innerhalb einer gewissen Frist durch eine Gegenoperation mit möglicht hoher Preisdifferenz wieder gleichsam zu annullieren Differenzgeschäfte). Das von dem Spekulanten erwartete Steigen oder Fallen des Dae ist häufig von gänzlich unberechenbaren Faktoren abhängig und die A. erscheint dann als reines Hazardspiel. Noch verwerflicher aber ist die A. seitens solcher Spekulanten, welche durch trügerische Vorspiegelungen, übertreibende Reklame, durch Scheinoperationen und andere Täuschungsmittel die gewünschte Preisbewegung direkt herbeizuführen suchen. Das wirksamste ittel, die Kurse zu Roßen Kan „ist natürlich die Verwendung eines großen Kapitals im Dienste der A. an der Börse. Der so ausgestattete Spekulant kann 3. B. die Preise durch bedeutende effektive Käufe emportreiben, die Masse der kleinern Spieler in diesem Sinne in Bewegung setzen und dann im Geheimen zu den erhöhten Kursen noch mehr verkaufen als kaufen. Der innere Wert des Spielobjekts ist für den Agioteur völlig gleichgültig, wie sich deutlich schon in einem der frühesten Ausbiuche der Spielwut zeigte, nämlich in dem holländ. Tulpenschwindel (1634—38). . häufigern und je größern Schwankungen der Wert einer Ware oder eines Börsenpapiers — — ist, um so mehr wendet sich ihm die A. zu. danche innerlich geringwertige Effekten behalten eben dadurch einen erhöhten Durchschnittswert, daß sie allgemein als Spielpapiere eingebürgert sind. Es gilt dies beden 5 von gewissen «Kinternationalen v, d. h. an en hauptsachlichsten europ. Börsen gehandelten Einatagn Übrigens werden auch durchaus solide taatspapiere zum ständigen Gegenstande eines Börsenspiels gemacht, das ebenfalls als A. zu bezeichnen ist, obwohl es sich in festern Bahnen bewegt. Besonders turbulent dagegen tritt die A. oft bei der Ausgabe der Iiese neugegründeter Unternehmungen auf (s. Aktien). Auch an der Warenbörse findet in den Artikeln mit stark Tel Produktion oder Zufuhr, wie Getreide, Ol, Talg, Spiritus, Petroleum, eine bedeutende auf Zeit⸗ und rasferenzgeschäften beruhende A. statt. Gesetzliche Maßregeln zur Bekämpfung der A. sind wenig wirksam, da die Spielverträge von den reellen meistens nicht zu unterscheiden sind. aauß haben gewisse Ausleichungskäufe und Verkäufe auf Zeit unter Umständen eine wirtschaftliche Berechtigung namentlich im Dienste der Arbitrage (s. d.).