FeedBirnbaum (poln. Miedzychod)
ErdkundeBrockhaus 1882

Birnbaum (poln. Miedzychod), Kreisstadt im 1uerd5 Warhhe, 180tt 3 Posen, auf dem linken fer der Warthe, zählt 3068 meist deutsche C. (von denen 2000 evangelisch, 550 katholisch, der Rest Teil m welche sich zum Teil mit Ackerbau, zum eil mit Handel in Holz, Spiritus, Wolle, Getreide und Pferden beschäftigen. B. ist Sitz eines Amtsgerichts und einer Oberförsterei, hat Spiritusbrennereien, Tabakfabriken (Schnupftabak), eine Mabmarbumgp und eine Dampfmahlmühle, in der mgebung zwei Braunkohlengruben und Ziegeleien. — Der Kreis Birnbaum zählt (1880) auf 1292 qkm 50 285 E. irnbaum V. Mich. Franz), Jurist, geb. 19. Sept. 1792 zu Bamberg, studierte seit 1811 in Erlangen und Landshut. Als Erzieher der Grafen von Westfalen schrieb er eine Trilogie «Adalbert von Babenbergo (Bamb. 1816) und das Drama „Alberade». Dann folgte er einem Rufe als Professor der Rechte an die Universität zu Löwen, wo er mit mehrern Amtsgenossen die Zeitschrift „Bibliothèque du jurisconsultes gründete, die später mit der zu Paris erscheinenden KThémiso vereinigt wurde. Nach dem Ausbruche der Revolution wandte er sich zunächst nach Bonn, wo er Vorlesungen hielt, bis er 1832 einem Rufe als Professor der Rechte nach Freiburg folgte, und ging 1833 als Professor nach Giche von wo er 1840 in gleicher Eigenschaft nach Gießen berufen ward. Seit 1847 wirkte er daselbst auch als B5ez der Universität. Er starb 14. Dez. 1877 zu Gießen. Unter B.s wissenschaftlichen Arbeiten ind hervorzuheben: Deduktion der Rechte des Herzogs von Looz-Corswarem auf das Fürstentum Rheina-Wolbecko (Aachen 1830); Die rechtliche Natur der Zehnten fungd 1831), worin er die rücksichtslose Abschafung derselben bestritt; «CCommentatio de Hugonis Grotii in definiendo jure naturali vera mentes (Bonn 1835). Auch war er Mitherausgeber des Archiv des Kriminalrechtsv. Vgl. Gareis, Joh. Mich. Franz B. Ein Kultur⸗ und Lebensbildo (Gieß. 1878). vorigen, geb. 18. Mai 1829 zu Löwen in Belgien, „Die isolierten landwirtschaftlichen Lehranstalten und die Universitäte (Gieß. 1863), „Das Genossenschaftsprinzip in Anwendung und Anwendbarkeit Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. in der Landwirtschafto (Lpz. 1870), aüber die Anwendbarkeit der Einkommensteuer und Steuerreformen überhaupte (Lpz. 1873), „Handbuch für Landwirter (9. Aufl., Berl. 1880), Landwirtschaftliche Taxationslehres (Berl. 1877). Von 1870 bis 1874 gab er eine Monatsschrift, (Georgikay, zuletzt unter dem Titel Deutsche Monatsschrift für Landwirter (Leipzig) heraus. Mit H. Vogel redigierte er Thiels »Landwirtschaftliches Konversations-Lerikon⸗ (7 Bde., Lpz. 1876—81). Birne, Birnbaum. Der Birnbaum, der nächst demApfelbaum der verbreitetste und ntzlichsteeurop. Obstbaum ist, gehört der Gattung Pirus (s. d.) an. Diejenige Art dieser Gattung, welche die Stammpflanze der jetzt durch die langjährige Kultur in den mannigfaltigsten Gestalten vorhandenen Birnbäume ist, kann nicht mit Sicherheit angegeben werden. Am wahrscheinlichsten ist es, daß mehrere Arten als Stammpflanzen anzusehen sind. Diejenige, welche zunächst dabei in Betracht kommt, wenigstens für die große Mehrzahl der in uide Dirn kultivierten Birnbäume, ist der sog. wilde Birnbaum oder Holzbirnbaum, von Linne Pirus communis, von Gaertner P. Achras genannt. Er tritt in Europa in vielen Gegenden wild oder doch wenigstens verwildert auf, bald als niedriger ns, beh bald als hoher Baum mit pyramidaler Krone, besitzt aber immer dornspitzige Zweige. Diese Dornen verlieren sich erst durch die Kultur. Der Birnbaum hat eine dunkle, — —— sich nicht abstoßende Rinde, ziemshrrf, aber kleingesägte, beiderseits kahle, oberseits Tocdentrauber Blätter und große weiße Bluten in oldentrauben, . im April oder Mai den Baum oft über und über dicht wie Schnee bedecken. Die Griffel sind bis zum Grunde Eu⸗ die Staubbeutel rot, die Früchte beim wilden Birnbaum klein, länglich, holzig und sauer, beim kultivierten von sehr verschiedener Größe, Gestalt, Farbe und sehr verschiedenartigem Gewebe und Geschmack, am Grunde aber meist in den Stil verschmälert und nicht, wenigstens niemals tief genabelt, wie beim Apfel. Eine Eigentümlichkeit der Birnen sind die steinartigen Konkremente oder Steinchen, d. inarte, griesliche Stellen in der Umgebung des Kernauses. Sie bestehen aus Haufen von Zellen mit tarkverdickten, 6¹ zierlich gestalteten Wänden. Eine andere Grundart ist vielleicht der herzblätterige Birnbaum, P. cordata, zuerst von Desvaux in Laubwäldern in der Umgegend von Angers gefunden und 1812 beschrieben. Eine seiner Formen ist die noch in alten Obstgärten erhaltene, für den Rohgenuß noch ziemlich annehmbare Blutbirne (Sanguine). Eine wichtige Rolle bei der och dem Suunreicher Kulturbirnen schreibt K. Koch dem Sinai-Birngehölz, P. Sinal Desf., zu; es ist in Syrien, vielleicht aber auch im nördl. Babylonien und Assyrien zu Hause, kam vielleicht schon zu Homers zeiten nach Unteritalien und Sicilien und scheint bien einen bedeutenden Einfluß auf die Kulturirnen der frühesten Zeit geübt zu sune Noch einflußreicher wurde nach Koch (Vorlesungen über die zumplatz D00 Wootde Stuttg. 1876) das wildölbaumblätterige Bi 11 0 P. eleagrifolia Pall., dessen Verbreitungsbezirk sich auf das nördl. und östl. Kleinasien, auf die nördl. Terrassen zum armen. Hochlande östlich bis zur heutigen Grenze Persiens und auf das östl., aber mehr Lebingiee Transkaukasien beschränkt. Andere halten auch das weidenblätterige Birngehölz, P. salicifolia L., für eine der Grundarten unserer Kulturbirnen. Nach der Zeit der Fruchtreife teilt man die Birnen ein in: Sommerbirnen (Margaretenbirne, Stuttgarter Geishirtel, Leipziger Rettichbirne), frühe Herbstbirne (Weiße Herbstbutterbirne, Efperens Herrenbirne, Rote Dechantsbirne), späte Herbstbirnen (Napoleons Butterbirne, Grumkower Butterbirne, Diels Butterbirne), und Winterbirnen (Hardenponts Butterbirne, Winter-Dechantsbirne, Herrenbirne). Nach ihrem Nutzwerte teilt man sie in Tafel-und in Wirtschaftsbirnen, welche letztere teils zur Bereitung von Most (Champagnerweinbirne), teils zum Einmachen (Sommer-Cierbirne), zum Dörren (Glockenbirne) und zum Kochen (Großer und Kleiner Katzenkopf) geeignet sind. Zu verschiedenen 35. 5 hat man mit mehr oder weniger Glück versucht, die große Menge der Birnfrüchte r Beie zr und äußern Merkmalen in übersichtlicher Weise zu ordnen. Trotz mancher Mängel verdient das von dem belg. Botaniker Du Mortier 1869 entworfene System, für das er ausschließlich die äußere deuteß estalt als Einteilungsgrund benutzte, noch heute Beachtung. ase teilte die Birnen nach der Form der Blätter in Klassen, nach der Reife50 der cht in Ordnungen und nach der innern eschaffenheit derselben in Gruppen. Die meiste Anerkennung hat das Lucassche System gefunden. Seinen Klassen liegt teils die Fruchtgestalt, teils die Beschaffenheit des Fleisches zu Grunde; für die Ordnungen benutzt Lucas die Färbung der Früchte, für die Unterordnungen die Bildung des Kelchs. Die Klassen des Lucasschen Systems sind folgende: 1) Butterbirnen, von echter Birngestalt, +1 den Stiel verjüngt, oder von abgestutzter Kegelorm, dann am Stielende stark abgeplattet; Fleisch schmelzend. 2) Halbbutterbirnen, in Form und nsehen der vorigen Klasse gleich, aber das Fleisch halbschmelzend. 3) Bergamotten, Früchte von platter oder rundlicher Gestalt; der Stiel liegt oft in einer dei den ut Fleisch vollkommen schmelzend, wie bei den Butterbirnen. 4) Halbbergamotten, nach Gestalt und Ansehen mit der dritten Klasse übereinstimmend, aber mit nur halbschmelzendem Fleische. 5) Grüne Langbirnen, Frucht stark in die änge gezogen, sodaß sie mindestens um ein Viertel Scaal ist als breit, nach dem Stiele zu verdunnt. Schale grün oder grünlich-gelb, selten mit einigem Rost. Fleisch mehr oder weniger schmeldm 6) Flaschenbirnen, Früchte in der Gestalt en vorigen ähnlich, aber gelb und mit zimtbraunem oder ufchmetlen Rost. Das Fleisch ist bald vollkommen schmelzend, bald bloß halbschmelzend. 7) Apothekerbirnen, Frucht ebenso hoch wie • oder nur wenig höher, mit durch Höcker und Beulen unregelmäßiger Oberfläche. Das bald schmelzende, bald uraften Heh Fleisch hat einen eigentümlich gewürzhaften Geschmack, von dem der Name ergenommen 1 8) Rostbirnen, Rousseletten, rucht kürzer als bei den Flaschenbirnen und ebenso erostet, aber braunrot, besonders auf der Sonnen-Fiei Das bald mehr, bald weniger schmelzende leisch hat einen eigentümlichen Zimtgeschmack. 9) Muskatellerbirnen, inder Regel von mehr thekerbirnen und Rostbirnen der Fall ist, mit stets Da5 Oberfläche und von verschiedener Färbung. das Fleisch ist weich, nicht schmelzend, und hat einen eigentümlichen Ruskatge chmack, der an die Muskattraube erinnert. 10) Schmalzbirnen; in ihrer in die Länge gezogenen estalt haben sie die meiste Ahnlichkeit mit den Butter⸗ und Halbbutterbirnen und keinen Rost. Das Fleisch ist mehr oder weniger schmelzend und besitzt nur wenig Gewürz. 11) Gewürzbirnen, kleine und meistens rundliche, im ganzen den Schmalzbirnen ähnliche Früchte mit meist zuckerigem und gewürztem Fleische; eine der am zänglich bestimmt charakterisierten Klassen. 12) Längliche Kochbirnen, wegen 5* brüchien, rübenartigen, fade schmeckenden Fleisches zum ohgenusse nicht geeignet, desto besser zum Kochen und Dämpfen, wodurch ihr Fleisch einen angenehmen, süßen Geschmack und meistens auch eine rote Farbe erhält. Der Längendurchmesser ist meistens Kocht als ihre größte Breite. 13) Rundliche ochbirnen, sie unterscheiden sich von den voriic nur durch ihre rundliche Gestalt. 14) Längiche Weinbirnen; die Beschaffenheit des Fleisches ist die der Kochbirnen, aber sein Geschmack herbe und zusammenziehend, weshalb sie zur Bereitung von Obstwein benutzt werden. 15) Rundliche Weinbirnen, von rundlicher Gestalt, in allem übrigen den länglichen Weinbirnen gleich. ö Zu den bestempfohlenen Früchten aller dieser Klassen gehören folgende unter den Nummern der betreffenden Klassen aufgeführte Sorten: 1) Madame Treyve, Amanlis Butterbirne, Gellerts Butterbirne, Holzfarbige Butterbirne, Esperine, Weiße Herbstbutterbirne, Colomas Herbstbutterbirne, Köstliche von Charneu, Philippe Goes, Blumenbachs Butterbirne, Kiegels Winterbutterbirne, Diels Butterbirne, Winter-Relis, Winter-Dechantsbirne, Josephine von Mecheln. 2) Runde Mundnetzbirne (Sommer-Mouille-bouche), Grüne Hoyerswerder, Hardenponts frühe Colmar, Grüne Magdalene, Rapoleons Schmalzbirne, Jaminette. 3) Esperens Herrenbirne, Rote Dechantsbirne, Hellmanns Melonenbirne, Rote Bergamotte. 4) Frühe Schweizerbergamotte, Große Sommerbergamotte, Mayers Rote Bergamotte, Donauers Bergamotte, Lübecker Sommerbergamotte. 5) Grüne Tafelbirne, Punktierter Sommerdorn, Hofratsbirne, Schwesternbirne, Reue Luie Leon Grégoire. 6) Capiaumont, Marie Luise, Clairgeaus Butterbirne. 7) Williams Christbirne, Vereins-Dechantsbirne, Herzogin von Angoulème, Napoleons Butterbirne, Grumkower Butterbirne, Bacheliers Butterbirne, Six' Butterbirne. 8) Stuttgarter Geishirtel, Gute Graue, Gute 999 von Avranches, Seckelsbirne, Forellenbirne. 9 Kleine Muskatellerbirne, Aurate, Kleine Blankette, Frühe braunrote Sommer-Muskateller, Kleine lange Sommer-Muskateller, Sommer-Robine. 10) Regentin, Windsorbirne, Römische Schmalzbirne (fürstl. Tafelbirne), Gelbe Sommer-Herrenbirne, Souvenir du Congrês. 11) Hannobirne), Leipziger Rettichbirne. 12) Kampervenus, „Baronsbirne, Queenbirne. 13) Kuhfuß. 14) Frühe Wasserbirne, Knausbirne Ibnne, Ge Späte Grunbirne, Hohenheimer Mostbirne Gelbe Langbirne, Traäublesbirne, Weilersche Mostbirne, Wildling von Einsiedeln, Harigelsbirne, Langstielerbirne, Sullbirne, Pomeranzenbirne vom Zabergäu. 15) Palmischbirne, Großer Katzenkopf, Kleiner Katzenkopf, Welsche Bratbirne, Champagner Bratbirne, Schwei⸗ — Wasserbirne, Normännische Ciderbirne, Welsche tBerglerbirne, Große Rummelterbirne, Kleine Rumemelterbirne. Der Birnbaum erfordert zu seinem Gedeihen eine freie und sonnige Lage und einen mehr leichten als schweren und dabei, da seine Wurzeln senkrecht nach unten gehen, tiefgrundigen Boden. Auf die Beschassenheit des Untergrundes kommt weniger an, wenn er nur nicht aus schwerem, zähem Thon besteht. Feinere Sorten eignen sich besser zur Anpflanzung in Gärten, wo sie etwas Schutz und nahrhaften Boden finden, viele von ihnen sogar nur für die Pyramidenform. Zur Bepflanzung von Landstraßen und Ackern wählt man härtere Wirtschaftsbirnen lieber als Apfel, da sie wegen ihres mehr pyramidalen Wuchses keinen so massgen Schatten werfen, mithin den Kulturen weniger nachteilig werden als diese. Fur das hohe Alter der Kultur des Birnbaums * t unter anderm das aus Birnholz geschnitzte da der Hera in Tiryns, sowie die homerische Schilderung (Odyss. VII, 112—131) des Gartens des Antinous, Königs der Phäaken. Cato, welcher im J. 149 v. Chr. starb, kannte bereits fünf Sorten, von denen er eine die tarentinische nennt. Schon ziemlich reich war das Sortiment der Kulturbirnen zu Virgils Zeiten; die beliebteste derselben war die crustumische. Nach Lindley in „& guide to the orchard and kitchen gardens soll die Herbstbergamotte auf Veranlassung Julius Cäsars in Britannien angepflanzt worden sein. Valerius Cordus, der erste beschreibende Pomolog Deutschlands, lernte in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. in Thüringen, Meißen und Hessen mehr als 50 Birnsorten kennen, von denen zwar einige sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben, aber höchstens noch als Wirtschaftsobst gelten können. Einen enormen Zuwachs erhielt das Birnsortiment in neuerer Zeit durch belg. Obstzüchter. Hervorragendes leisteten unter diesen der Demt 5 Nikolaus Bumerairne dem man unter andern Hardenponts utterbirne verdankt, und der Apotheker Capiaumont, beide in Mons, von wo überhaupt viele sehr wertvolle Sorten ausgegangen sind, wie Napoleons Butterbirne. Auch in Brabant und Flandern entstanden viele wertgehaltene Früchte, wie die Winter-Dechantsbirne und Boschpéer (Fondante de bois), die der deutsche Pomolog Diel ganz unpassenderweise holzfarbige Butterbirne genannt hat. In Mecheln war es der Major Esperen, welcher die Birnsaat mit Erfolg betrieb und unter andern die Fondante de Malines (Mechelner Schmelzbirne) erzog, und in neuester Zeit hat sich Gregoire in Crirn ei durch Erziehung neuer und vortrefflicher orten ein Verdienst erworben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 81Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6