Biron (Ernst Joh. von), Herzog von Kurland, geb. 12. (22.) Nov. 1690 zu Kalnzeem, stammte aus der kleinen kurländ. Gutsbesitzerfamilie Bühren, welche einem alten Adelsgeschlechte Westfalens an⸗ —4 Er studierte in Königsberg und wurde Seetär und Kammerjunker der Witwe des kurländ. ——— Friedrich Wilhelm (gest. 1711), Anna wanowna (s. d.), einer Nichte Peters d. Gr., welche in Mitau lebte, und deren Hoffräulein Benigna von Trotta, genannt Treyden, B. 1722 heiratete. Anna, an B.s Rat in allen Dingen gewöhnt, nahm ihn, als sie 1730 Kaiserin von Rußland wurde, dorthin mit, machte ihn zum Oberkammerherrn, beschenkte ihn mit Gütern und Geldern, mit denen er z. B. die noch jetzt im Besitze seiner Familie befindliche freie Standesherrschaft Polnisch-Wartenberg in Niederschlesien ankaufte, und überließ ihm im Grunde die ganze Regierung. Was unter Anna für die Ordnung der Staatsverwaltung, für die Hebung der Flotte und des Heeres geschah, ist zum großen Teil auf die Rechnung Bis zu setzen und anderer Deutschen (Ostermann, Münnich u. s. w.), welche im wesentlichen die Ideen Peters d. Gr. fortsetzten. Die Rücksichtslosigkeit ihres Verfahrens, die Härte, ja Grausamkeit gegen die Hachmut B Partei und vor allem der persönliche Hochmut B.s, der 1730 durch Kaiser Karl VI. deutscher Reichsgraf und nach dem Aussterben der Herzöge von Kurland selbst dort im Can 1737 Herzog wurde, schafften jenem edeutschen ystemo viele Feinde, denen gegenüber B. sich auch für die Zukunft dadurch zu sichern suchte, daß die Kaiserin ihn auf dem Sterbebette (gest. 28. Okt. 174⁴4⁰0) dere Regenten für den von ihr zum Nachoger estimmten Prinzen Iwan ernennen mußte, er erst wenige Monate alt war. Darüber spaltete sich aber jene deutsche Partei selbst, und Münnich ließ sich von der beiseitegeschobenen Mutter Iwans, der Ren dib Anna von Braunschweig, so weit gewinnen, daß er mit Gardetruppen in der Nacht vom 19. zum 20. Nov. 1740 den Regenten in seinem Palais überfiel und mit seiner Familie auf die Roteh Schlüsselburg schaffte. Man gab ihm schuld, eine Thronveränderung beabsichtigt u haben, und ein Gerichtshof, dessen Vor itzende ünnich und Ostermann waren, verurteilte ihn zum Verluste aller Amter und Würden, zur Konfiskation seines Vermögens und zum Tode, aber die Regentin Anna verwandelte diese Strafe 13. Jan. 1741 in lebenslängliche Verbannung nach Sibirien. Am 6. Nov. 1741 langte B. in dem ihm zum Aufenthalte bestimmten Gen f (Gouvernement Tobolsk) an. Wenige Wochen später aber wurde er durch die inzwischen zum Throne an Ma wich ei Elisabeth aus Pelim, wo nun Münnich einzog, entlassen und nach Jaroslaw interniert. Hier lebte er in bescheidenen, aber erträglichen Ver-Ginabeth⸗ während der ganzen Regierungszeit Kterdeer in seinem Wesen völlig verändert, 965 Kai en und demütig. Die Thronbesteigung es Kaisers Peter III. 5. Jan. 1762 gab ihm 9a5 5 die Freiheit, die der Kaiserin Katharina II. das Herzogtum Kurland wieder, aus welchem russ. Truppen den von Polen unterstützten Herzog Karl von Sachsen, einen Sohn Augusts III., vertrieben. Am 10. Febr. 1763 kam B. so zum ersten mal als Herzog nach Mitau, dankte jedoch schon 24. Nov. 1769 zu Gunsten seines altesten Sohnes Peter ab und starb 28. Dez. 1772 nach so vielen Glückswechseln im vollen Glanze fürstlichen Ansehens und Reichtums. — Peter B. Gerzog von Kurland und Sagan, Reichsgraf von), geb. zu Mitau 15. Febr. 1724, der ältere S˙ n des vorigen, wurde 1762 mit ihm zurückgerufen und zum Generalmajor in der russ. Armee ernannt. Seine Regierung (vom 24. Nov. 1769 bis 28. März 1795). war stürmisch durch die Streitigkeiten mit der Ritterschaft, welche bald den polnischen, bald den russischen Hof zu Einmischungen veranlaßten und endlich dazu r daß B., als das Schicksal Polens, dessen Vasall er war, sich entschied, am 28. März 1795 zu Gunsten Katharinas II. abdankte, sich selbst aber und seinem Hause alle Ehrenrechte souveräner Herren 9 in Ber Nach seiner Entsagung lebte er bald in Berlin, bald auf seinen Herrschaften, dem 1786 vom Fürsten Lobkowitz erkauften Fürstentum Sagan und der 1792 erworbenen Herrschaft Nachod, und starb 13. Jan. 1800 zu Gellenau in Schlesien. Von seinen beiden ersten Gemahlinnen erhielt er keine Nachkommen-Doro aus seiner dritten Ehe mit Anna Charlotte 3 Fehr 176 geb. Reichsgräfin von Medem (geb. 95 rebr. 9321 est. 30. Aug. 1821 ute bichau im Altenburgischen), einer durch Schönheit, Geist, Anmut ebenso wie durch Adel der Ge½½ ausgezeichneten Frau, mit der er sich 3 ov. 1779 vermählte, entsprangen vier Töchter. ie jungste Dorothea, geb. 21. Aug. 1793, ver-Taller 23. April 1809 mit Edmund, He V von Talleyrand-Perigord und Herzog v ino i Calabrien, seit 6 durch könial In vestitur Herzogin von Sagan, starb 19. Sept. 1862 worauf ihr ältester Sohn, Napoleon Ludwig Herzog von Valencay, geb. 12. März 1811, ihr in dem preuß. Lehnsfürstentum Sagan, der zweite Alerander Edmund, geb: 15. Dez. 1813, durch Cession seines Vaters Herzog von Dino, in der Herrschaft Deutsch-Wartenberg folgte. Vgl. Tiedge, Anna Charlotte Dorothea, letzte Herzogin von Kurland⸗ (Lpz. 1823). — Durch den Bruder des letzten Herzogs von Kurland, Karl Ernst von B., geb. 30. Sept. 1728, den zweiten Sohn des Herzogs Ernst Johann, wurde der Mannsstamm des Hauses leß awei E Er starb 16. Okt. 1801 und hinterließ zwei Söhne. Der älteste derselben, Prinz Gustav Calirxt von B., geb. 29. Jan. 1780, wurde nach der Vereini + Kurlands mit dem Russischen Reiche zum russ. Gardeoffizier und Kamienne u ernannt, trat später in preuß. Kriegsdienste und erwarb 1802 die schles. Standesherrschaft Polnisch-Wartenberg. Nachdem er an den Feldzügen der franz-Henin en Kriege teilgenommen, sarb er als preuß. Generallieutenant und Gouverneur der Festung Glatz 20. Juni 1821. Aus seiner Ehe mit Franziska, Tochter des Grafen von Maltzan, stammten drei Söhne: Karl N. März 1848, welcher ein Werk über „Die neuen Gefangnissystemer (Bresl. 1847) veröffentlichte; Calixt Gustav Hermann, geb. 3. Jan. 1817, der seinem Bruder in den errschaften Polnisch-Wartenberg und ½½ folgte und 8. März 1882 in Polnisch-Wartenberg starb: Peter Gustav Hermann, geb. 12. April 1818, der als Offizier in preuß. iensten 29. April 1852 starb. Chef des 9. 19 ist jetzt der Sohn Calixts, Gustav, geb. 17. Okt. 1859, Lieutenant im 2. Garde-Ulanen-Regiment.