FeedHeinrich Condé längst die Waffen ergriffen
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich Condé längst die Waffen ergriffen, entwich auch H. vom Hofe, trat zum Protestantismus zurück und half mit bewaffneter Hand den vorteilhaften Religionsfrieden vom 6. Mai herbeiführen. Diese Stellung behielt er der Liga und dem Hofe gegenüber, so oft ihn die Königin-Mutter auch durch Unterhandlung, Verführung und Friedensschlüsse zu gewinnen suchte. Nach dem Tode des Herzogs von Anjou (Alengon) überkam H. als erster Prinz von Geblüt die Anwartschaft auf den franz. Thron, was die ehrgeizigen Pläne der Guisen durchkreuzte. Die Liga erklärte daher auf Anstiften des Herzogs Heinrich von Guise den Kardinal von Bourbon zum rechtmäßigen Thronerben und griff zu den Waffen. Zugleich aber zwang man dem Könige das Edikt von Nemours (7. Juli 1585) ab, welches H. seines Rechts beraubte und die Hugenotten aufs neue mit Vernichtung bedrohte. H., überdies vom Papste Sixtus V. im Sept. 1585 geächtet, stellte sich wie— der an die Spitze der Hugenotten und erfocht 20. Okt. 1587 den Sieg bei Coutras. Schon längst hatte Heinrich III., durch den Herzog von Guise bedroht, eine feste Verbindung mit dem Navarrer im Auge gehabt. Die schlimme Lage, in welche Heinrich III. durch die Ermordung der Guisen geriet brachte endlich die Vereinigung 3. April 1589 zu Tours zu Stande. H. führte nun sein durch den königl. Anhang verstärktes Heer vor Paris, wo ihm plötzlich, inmitten der Belagerung, 2. Aug. 1589, durch den Tod des Königs, kraft des Salischen Gesetzes und der Verordnung des Sterbenden, die franz. Krone zufiel. Ungeachtet des Treueides fielen bald die kath. Truppen und Anführer von H. ab. Da der Herzog von Mayenne (Guise) mit einem starken Heere anrückte, verschanzte sich H. mit 6000 Mann hinter dem Flusse Bethune bei Dieppe und schlug in dieser Stellung 21. Sept. 1589 das an 30000 Mann starke Heer des Herzogs. Schon 1. Nov. erschien er wieder vor Paris, zog sich aber noch einmal zu-U rück und begann, von England durch Geld und 61 Mannschaft unterstützt, die Eroberung der Provinen. Die Sache der Ligisten befand sich in großer zerwirrung. Der König von Spanien hatte sich um Bundeshaupt erklärt und hegte den Plan, seine Tochter Isabella, die Nichte Heinrichs III., durch Umgehung des Salischen Gefetzes auf den franz. Thron zu setzen. Um die span. Ränke zu hindern, ließ der Herzog von Mayenne 21. Nov. den alten Kardinal von Bourbon, trotzdem derselbe Gefangener H.s war, als Karl X. zu Paris zum König ausrufen und erteilte sich selbst die Würde eines Generalstatthalters. So bildeten sich mehrere Faktionen, welche einander lähmten und dem König H. in die Hände arbeiteten. Durch ein span. Hilfskorps unter dem Grafen Egmond verstärkt, griff Mayenne den König 14. März 1590 bei dem Flecken Ivry an der Eure an, verlor aber dabei 10000 Mann und sein Geschütz. H. belagerte nun nochmals Paris, eroberte 27. Juli die Vorstädte und stand schon wegen der Übergabe in Unterhandlung, als er sich vor Alexander von Parma, welcher der Liga 15000 auserlesene Spanier aus den Niederlanden zuführte, zurückziehen mußte. Auch der Papst Gregor XIV. schickte Geld und ein Hilfskorps von 10000 Mann, und der Herzog von Savoyen eröffnete in der Dauphine und Provence den Krieg. H., obschon durch engl. und deutsche Hilfsvölker allmählich auf 30000 Mann verstärkt, beschränkte sich jetzt auf die Einnahme fester Plätze. Der Umstand, daß auf der am 26. Jan. 1593 zu Paris eröffneten Ständeversammlung die Anträge Spaniens zu Gunsten Isabellas verworfen wurden, stimmte die Gemüter der Katholiken für ihn allmählich milder und trug dazu bei, daß Mayenne endlich in einen Waffenstillstand willigte. Vollends gewann H. die öffentliche Stimmung, als er 25. Juli 1593 in St.⸗Denis zum Katholizismus übertrat. Nachdem er sich 27. Febr. 1594 zu Chartres hatte krönen lassen, öffnete ihm auch 22. März Paris die Thore. Trotzdem zog sich der Krieg gegen die von Spanien aufrecht erhaltene Liga noch jahrelang hin; erst der Friede von Vervins (2. Mai 1598) brachte allgemeine Ruhe. Auch den Hugenotten gewährte H. Sicherheit durch das Edikt von Nantes (13. April 1598). Nach der Scheidung von seiner ersten Gemahlin heiratete der König 1600 Maria von Medici, die Tochter des Großherzogs Ferdinand von Toscana. Einen kurzen Krieg mit Savoyen um Saluzzo, die Verschwörung Birons (s. d.) und eine Rebellion des Herzogs von Bouillon abgerechnet, hatte H. seit dem Frieden von Vervins Ruhe, um, von Sully (s. d.) unterstützt, an der Hebung seines tiefzerrütteten Reichs zu arbeiten. Zur neuen Begründung des bürgerlichen Wohlstandes reformierte er den Staatshaushalt, Administration und Rechtswesen, ließ Kanäle und Straßen bauen, unterstützte HDandel und Gewerbe und veranlaßte sogar die Gründung franz. Kolonien in Amerika. Auch der Ackerbau hob sich aus tiefem Verfall. Nach den der 4Geschichte Heinrichs d. Gr. » (168½) von Hardouin de Pêrefixe angehängten Denkwürdigen Worteno sprach H. einst dem Herzog von Savoyen die Hoffnung aus, daß er es so weit bringen werde, daß jeder Bauer in seinem Königreiche im Stande sei, ein Huhn in seinem Topfe zu haben. Dabei ließ er jedoch die allgemeine polit. Lage keinen Augenblick aus dem Auge. Wenn auch der aus Sullys Memoiren bekannte Plan einer

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 52Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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