FeedBruck(Karl Ludw., Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Bruck(Karl Ludw., Freiherr von), österr.Staatsmann, geb. 18. Okt. 1798 zu Elberfeld von bürgerlichen Eltern, lernte als Kaufmann und konditionierte zu Bonn, wo er nebenbei staatswirtschaftliche Vorlesungen an der dortigen Universität besuchte. Um am griech. Befreiungskriege teilzunehmen, wollte er 1821 über Triest nach Griechenland, wandte sich aber in Triest wiederum dem Kaufmannsstande zu, gründete ein eigenes Geschäft und heiratete 1827 die Tochter des angesehenen Kaufmanns Buschek. Einer der Hau n Klond und zugleich Direktor des Stterveichischen loyd (s. d.), trug er durch Geschick und Energie viel zur Entwickelung dieser Handelsschöpfung bei. 11— J. 1848 wurde er vom deutschgesinnten Teile seiner Mitbürger als Abeordneter in die Nationalversammlung nach Frankrt gesandt, wo ihn die österr. Regierung zu ihrem Bevollmächtigten beim Reichsverweser, dem Erzherzog Johann, ernannte. Nach der wiener Oktoberrevolution von 1848 übernahm er im Ministerium Schwarzenberg-Stadion das Portefeuille des Handels, in welcher Stellung er auch den Frieden mit Sardinien verhandelte und sein Verwaltungsdepartement 1 einem großartigen Plane organisierte, der im Okt. 1849 die Bestätigung des Kaisers erhielt. Am 19. Dez. desselben Jahres er-Is seine Erhebung in den Freiherrnstand. Durch as, was er binnen wenigen enbe für das Postwesen, die Telegraphie, die Eisenbahnen, für Erweckung der Industrie und Eröffnung der Handelswege, überhaupt für die Entwickelung einer gesunden Handelspolitik geleistet hat, ist er in Duche un der Begründer einer neuen gewerblichen Epoche im Kaiserstaate geworden. Die Statthaltereien erhielten neue Agenden für Straßen⸗ und Wasserbauten, Handelsgerichte wurden eingeführt, Handels⸗ und Gewerbekammern, die Wiener Börsenkammer, die Elbzollgerichte in Böhmen, die Central-Seebehörde in Triest, die Centraldirektion der onder Honn wurden errichtet. Die Generaldirektion der Kommunikationsanstalten öffnete dem Handel und Verkehr neue Wege; der Deutsch-Osterreichische Postverein (Vertrag vom 5. Dez. 1851), der Deutsch-Osterreichische Telegraphenverein, en; und Handelsverträge (1853) wurden geschlossen; die Allgemeine Wechselordnung (1852) war B.s Werk. Kaufmännische Lehranstalten (die Handelsakademien von Wien, Prag, Gratz und Pest) wurden unter B.s Schutze geschaffen, für den Wechselverkehr die Niederösterreichische Eskomptegesellschaft (1853), die Kreditanstalt (1856) ins Leben gerufen. Das System B.s vertrug sich jedoch mit der polit. Reaktion so wenig, daß er Ende Mai 1851 seine Entlassung erbat und auch rellon Er übernahm nun wieder zu Triest die Direktion des Lloyd und 0 sich 1853 mit den Unterhandlungen betraut, welche die Zollverträge Folge hr mit Preußen und dem Zollverein zur Folge hatten; hiermit geschah ein erster Schritt zur Verwirklichung des von B. gehegten Plans, ganz Mitteleuropa zu einem Zoll⸗ und Handelsbunde zu einigen. Im Juni 1853 ward er als österr. Internuntius nach Konstantinopel gesandt, wo er das Interesse des Kaiserstaats angesichts der orient. Verwickelung wahrzunehmen hatte. Noch während des Orientkriegs, im März 1855, erfolgte indes schon seine Zurückberufung nach Wien, um hier das Finanzministerium zu übernehmen. Trotz seiner energischen, schöpferischen, zum Teil äußerst kühnen Thätigkeit, die namentlich auf die Erschließung neuer Hilfsquellen und die Hebung des Kredits hinauslief, konnte es ihm jedoch schon gegenüber dem polit. System, welches den Staat biherrschte, nicht gelingen, die Re not gründlich zu heben; ja manche seiner Maßregeln mußten bei der Lage der Dinge gerade in das Gegenteil dessen umschlagen, was er beabsichtigt hatte. Die finanziellen Opfer, welche 1859 der Krieg in Italien auferlegte, erschütterten vollends die Pläne und Berechnungen des Ministers und nötigten ihn zu Schritten, welche dem österr. Staatskredit die härtesten Schläge beibrachten. Er sah sich genötigt, ein neues 00 wur 70 Ni auszuschreiben, bei welchem statt 200 nur 70 Mill. gezeichnet wurden; ferner forderte er einen vollständigen polit. Systemwechsel und die Verleihung einer Reichsverfassung, während seine Gegner auf den en der Zustand der Finanzen hinwiesen und diesen der Verwaltung des Ministers zur Lastlegten. Dazu kamen die Enthüllungen in dem Unterschlei dorhinnen die scheinbar einen Schatten auf den Minister warfen und wenigstens seine gerichtliche Zeugenschaft nach sich zogen. Unter solchen Verhältnissen sah sich B. veranlaßt, beim Kaiser um seine Entlassung nachzusuchen, die er auch 22. April 1860 in ungnädiger Weise erhielt. B. faßte in dieser Lage, sei es aus verletztem Ehrgeiz oder aus Verzweistung über den Ausgang seiner Laufbahn, plötzlich den Entschluß, selbst Hand an sich zu legen. Man fand ihn am Morgen des 23. April im Bett mit tiefer Schnittwunden am Halse und den beiden Vorderarmen; er verschied am pätern Ni Auf Veranlassung seines Freundes, des spätern Ministers von Plener, fand eine genaue Untersuchung der B.schen Verwaltung statt, die mit einer vollständigen und offiziellen Rehabilitierung seines Namens und Andenkens endete. 91e Weroffen Tode erfolgte zu seiner Rechtferti ung die Veröffentlichung seiner anonymen Denkschrift. „Die Aufgaben Osterreichso (Epz. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 599Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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