Anna Iwanowna, Kaiserin von Rußland, 1730—40, geb. 25. Jan. 1693, die zweite Tochter Iwans III. (V.), des ältern Halbbruders Peters d. Gr., vermählte sich 1710 mit dem Herzoge von Kurland, ward aber schon 1711 Witwe und lebte seitdem in Mitau, wo ihr Stallmeister Biron (s. d.) sich ihre besondere Gunst erwarb. Als Peter II. 19. Jan. 1730 starb, beschlossen die mächtigen Fürsten Dolgorukij, die Herzogin von Kurland mit Umeheben der Töchter Peters d. Gr. zur Kaiserin zu erheben. Sie bewogen den Senat und die in Moskau versammelten Großen, ihr die Krone Rußlands unter der Bedingung anzubieten, daß sie der absoluten Gewalt der Zaren entsage und nichts ohne die Mitwirkung des aus den vornehmsten Mitgliedern der russ. Aristokratie bestehenden Reichsrats unternehme. A. erklärte sich dazu bereit, hatte aber kaum den Thron bestiegen, als sie, von der Geistlichkeit, dem kleinen Adel und den Garden unterstützt, die von ihr unterzeichnete Urkunde vernichtete und sich als Selbstherrscherin aller Reußen ankündigte. Unter ihrem Namen regierte jetzt Biron mit furchtbarer Grausamkeit. Die Häupter der Bojarenpartei wurden hingerichtet und viele tausend Menschen nach Sibirien verbannt. Die auswärtigen Angelegenheiten leitete Biron mit Kraft und Umsicht, zwang 1733 die Polen, August III. an Stelle Stanislaw Leszezynskis zum König zu wählen, und führte 1736 —39 durch Münnich einen siegreichen Krieg mit den Türken. Den Kurländern drang sich Biron 1737 zum Herzog auf, und sterbend ernannte ihn A. zum Regenten für ihren minderjährigen Großneffen, den Prinzen Iwan (s. d.). Sie starb 28. Okt. 1740. Vgl. Manstein, Mé.- moireso (Lyon 1772), Barthold in Raumers Histor. Taschenbuch (Bd. 7, Lpz. 1836) und Schtschebalskij, „Wstuplenie na prestol Imp. Annys (Mosk. 1859). Aunna Leopoldowna oder Anna Karlowna (Elisabeth Katharina Christina), Großfürstin und Regentin von Rußland 1740 — 41, geb. 18. Dez. 1718 als die Tochter des Herzogs Karl Leopold von Mecklenburg und Katharinas, der Schwester der vorigen, vermählte sich 1739 mit Anton Ulrich (s. d.), Herzog von Braunschweig-⸗Wolfenbüttel, dem sie 1740 den Sohn Iwan (s. d.) gebar, welchen die Kaiserin Anna Iwanowna zu ihrem Nachfolger bestimmte. Es geschah dies namentlich auf Betrieb des ehrgeizigen Biron (s. d.), der sich hierdurch die Regentschaft zu sichern suchte, die er auch wirklich erlangte, nachdem die Kaiserin 28. Okt. 1740 gestorben war. Allein schon 19. Nov. wurde er durch den Feldmarschall Münnich, im Einverständnis mit der Mutter des jungen Kaisers, gestürzt. A. erklärte sich nun zur Großfürstin von Rußland und Regentin während der Minderjährigkeit ihres Sohnes. Eine nicht unbedeutende Rolle während ihrer Re-Maneden spielte eine ihrer Damen, Julie von Nengden, welche die unbegrenzte Gunst der Regentin besaß. Letztere verstand es jedoch nicht, die maßgebenden Kreise für sich zu gewinnen. Dazu beging sie die Thorheit, Münnich zu entfernen, der sie allein hätte halten können. Eine Palastverschwörung, der niemand wehrte, machte ihrer Regentschaft schon in der Nacht vom 5. zum 6. Dez. 1741 ein Ende und brachte Elisabeth (s. d.), die Tochter Peters d. Gr., auf den Thron. Während man sich des jungen Iwan bemächtigte, der später (1764) in Schlüsselburg ermordet wurde, erhielt A. nebst ihrem Gemahl die kleine Stadt Cholmogory auf einer Dwina-Insel am Weißen Meere zum lebenslänglichen Aufenthaltsort angewiesen. Sie starb hier 18. März 1746 an den Folgen einer Niederkunft.