FeedBockschnitt
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Bockschnitt, auch Bilmesschnitt, ist der Aberglaube an einen Zaubergebrauch, der vom Böhmerwald bis an die Alpen gefürchtet wird und darin besteht, daß der Teufel auf einem Bock reitend, oder der mit ihm im Bunde stehende Mensch nackt mit einer Sichel an der großen Zehe quer durch des Nachbars Feld schreitet und die reifenden Halme im ganzen Strich anschneidet. Dadurch entgeht dem Besitzer die Ernte aus dem durchschnittenen Teile des Ackers — stets dem besten — und fällt beim Dreschen in die Scheuer des Bock- oder Bilmesschneiders. Der Teufel auf dem Bocke ist Donar, diese Identität wird durch sein Sichel tier, den Bock, bewiesen; Bilmann ist der Sichelmann, d. h. der Priester des Feldgottes Donar, welcher den Segen der Gottheit herabfleht, aber auch dafür die gebührende Abgabe einfordert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 227Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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