FeedBodden
ErdkundeBrockhaus 1882

Bodden (wahrscheinlich vom altdeutschen Worte Bodan, d. h. Vertiefung) heißen mehrere Buchten und Meereseinschnitte der Ostsee an der vorpommerschen Küste und der Insel Rügen. So liegt auf der Südseite dieser Insel der Rügener oder Rügensche B. und seine südl. Bortsehung, der Greifswalder B., zusammen 440 akm groß und in der Mitte 3—44 m tief, an vielen Stellen — kaum Zm und an dem östl. Eingang aus er Ostsee, dem Neuen Tief oder dem Landtief, in der Mitte zwischen dem Süd-Peerd (der südlichsten Spitze der rügenschen Halbinsel Mönkgut) und der vor der Peenemündung gelegenen Insel Ruden, nur 3,6 m tief. Von Greifswald größere Schiffe erhalten darum erst am Sud-Peerd ihre volle Ladung. Aus diesem Gewässer user der Strelasund oder das Stralsunder Fahrwasser gegen NW. und N. in den B. hchen weitere Bezeichnung), der auf der rügenschen Seite un Kubitzer B. und im W. (aber auch im ganzen Prohner Wiek genannt wird. Aus diesem ge-Im W. un gegen N. durch den Vierendehler Strom im W. und den Gellen im O. der langgestreckten Insel Hiddensöe in die offene See. Aber ehe man dieselbe erreicht, führt die Rassower Straße in den Wieker B., der gegen NO. hinter der schmalen Landzunge Bug tief in die Halbinsel Wittow, den nördlichsten Teil Rügens, einschneidet. Aus der Rassower Straße geht aber schon vorher ostwärts ein ausgedehnter Strich von Binnenwassern ab: der Breetzer B. und der Breeger B., der durch eine schmale, Wittow mit der Halbinsel Jasmund verbindende Landzunge, die Schaabe, von dem Tromper Wiek der offenen Ostsee gefchieden ist. Die südl. Erweiterung dieses Wasserzugs, jenseit eines nur 20m breiten und 1, m tiefen Fahrwassers, ist der Große Jasmunder B. und weiterhin, jenseit eines seichten Riffs, der Kleine asmunder B. Ategter trennt Jasmund vom Kern der Insel Rügen, letzterer ist durch die Schmale Heide vom Prorer Wiek (im O.) getrennt. Der Große Jasmunder B., ringsum von Land umschlossen und so gegen alle Winde geschützt, bedeckt eine Fläche von 55 akm und ist für die Anlage eines Hafens günstig. Alle diese Gewässer können von Mitte März bis Mitte Nov. mit Schiffen von 2,55 m Tiefgang und 600 Ctr. Last befahren werden. Im W. von Rügen und dem Prohner Wiel zieht sich ein seltsames Meeresgebilde hin, welches früher ein geschlossenes Binnenwasser bildete, seit 1625 aber durch eine durchbrechende Sturmflut mit der offenen See in Verbindung gesetzt worden ist. Es wird im ganzen zuweilen das Salzhaff oder Barther Binnenwasser (s. Barth) genannt. Zwischen dem sog. Bock und der für die Schiffahrt wichtigen Landmark Barhöft drängt es sich mit einem nur 170 m breiten und meist nur 2m tiefen Eingang in das Land, streicht, der Küste parallel erst gegen W., dann gegen SW. und zeigt, sich bald verengend, bald erweiternd, eine reiche Entfaltung von Seitenbuchten. Die einzelnen Teile heißen von O. gegen W.: die Grabow oder der Grabower B., der Barther B., der Bodstedter B., der Koppelstrom, er Saaler B. und endlich der Ribnitzer B., der innerste Winkel an der mecklenb. Grenze. Nur Schiffe von 2 m Tiefgang können sich in diesen Binnenwassern bewegen, und schon vielen ist die — auf denselben verhängnißvoll geworden. Der Landstreifen, der sie vom offenen Meere trennt, ist zuweilen nur wenige tausend Schritt breit. Der westlichste Teil, der gegen NNO. gerichtet ist, heißt das Fischland oder Fischerland; die Fortsetzung in östl. Richtung von der Landspitze Darser Ort reicht 33 Km weit bis + Bock. Das breite Stück Landes vom Saaler is zum Bodstedter B. ist die Halbinsel Dars. Diese ist durch eine schmale, stellenweise nur 660 m breite Landzunge mit dem Festlande verbunden und ihre 16 km lange Küste uschl steil, von einem Riff begleitet und dadurch geschützt. Im O. wird der Dars durch den schmalen Prerowstrom, der armierten Booten zugänglich ist, von der 22 km langen Insel Zingst geschieden, deren Ostende durch den Bock, ein an 8 km langes und fast trockenes Sandriff, vollständig gesichert ist, während die üshrecn offen liegt, doch so, daß größere Schiffe ihr kaum bis auf 3 km, Kanonenboote nur auf 530 m, und nur ganz flache Boote das von einem Riff und von Dünenketten geschützte Ufer erreichen können. — Kaminer B. heißt die über 3 km lange Erweiterung der Divenow, des östl. Mündungsarms des Oderhaffs, zwischen der Insel Wollin und dem Festlande, oberhalb des Fritzower Sees und unterhalb der Insel Gristow.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 228Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6