FeedBoerh.
HeilkundeBrockhaus 1882

Boerh., bei botan. Bezeichnungen Abkürzung für Boerhaave (Herm.). Boerhaave 80. geb einer der berühmtesten Arzte des 18. Jahrh., Kr 31. Dez. 1668 zu Voorout bei Leiden, erhielt von seinem Vater, einem rediger, den ersten Unterricht und acde nach Leiden, um Theologie zu studieren. Nachdem er 1689 Doktor der Philos 227 geworden, begann er 1690 das Studium der Medizin, und erwarb sich, obgleich in der Medizin sowie in der Chemie und Botanik in der Hauptsache Autodidakt, 1693 zu Harderwyck die mediz. Doktorwürde. ach Leiden der Theorie u ward er 1701 Lektor und Repetent der Theorie der Medizin daselbst. Damals hielt er seine erste mediz. Rede, De commendando studio Hippocraticor, worin er die Richtigkeit der von Hippokrates der died Methode zu beweisen suchte. Doch schon in der Rede De usu ratiocinii mechanici in medicinas (Leid. 1703) begann er sich von Hippokrates zu entfernen und wandte sich mehr den Lehren der Jatromathematiker zu, aber unter Beimischung der Ansichten des Sylvius. An Hottons Stelle ward er 1709 zum Professor der Medizin und Botanik ernannt. Behufs seiner Vorträge 90 er die beiden Werke heraus, auf welche sich sein iuhm vorzugsweise gründet, die eInstitutiones medicae in usus annuae exercitationiso (Leid. 1708 u. öfter) und die cAphorismi de cognoscendis et curandis morbis in usum doctrinàe medicinae (Leid. 1709 u. öfter), welche an van Swieten einen ausgezeichneten Erklärer fanden. In dem erstern Werke, einem Muster von umfassender Gelehrsamkeit und Methode, entwickelte er sein System in seinem ganzen 0 der Kre in letzterm unternahm er eine Einteilung der Krankheiten und setzte ihre Ursachen, ihre Natur und ihre Behandlung auseinander. Der Botanik hat B. durch mehrere Schriften rder n Dienste geleistet. Er wurde 1714 Rektor der Universität; bei Niederlegung seines Amts hielt er die Rede De comparando certo in physicisv, die zu seinen vorzüglichsten Reden gehört. Hierauf wurde ihm Ende 1714 an Bidloos Stelle auch der praktische Unterricht übertragen, womit er sich schon seit länger als 10 Jahren beber buat hatte. Um die theoretische Anweisung mit er praktischen zu verbinden, ließ er ein Hospital eröffnen, wo er zweimal wöchentlich, die Krankheiten vor Augen, deren Geschichte seinen Schülern vortrug, ohne etwas anderm als allein der Beobachtung zu folgen. Im J. 1718 erhielt B. auch noch den Khrstuhl der Chemie, welche Wissenschaft er schon seit 1703 gelehrt hatte. Seine Elementa chemiaes (2 Bde., Par. 1724 u. öfter) sind vielleicht sein vorzüglichstes Werk. Ein Anfall des Podagras, von einem Schlagflusse n uerst 1722 seine Thätigkeit zu unterbrechen. deue ückfälle in den J. 1727 und 1729 veranlaßten ihn, das Lehramt der Botanik und Chemie aufzugeben. verwaltete 1730 das Rektorat zum zweiten mal und hielt bei dessen Niederlegung die Rede De honore medici, servitutep, vielleicht die beste unter allen seinen Reden, worin er den Arzt als Diener der Natur darstellte, deren Bewegungen er zu erwecken und zu leiten +. Er war auch der erste, der in den Niederlanden Vorträge über Augenheilkunde hielt (Praelectiones de morbis oculorumy, herausg. von Haller, Gött. 1750, deutsch Nürnb. 1771). B. starb 23. Sept. 1738. Sein bester Schüler war A. von Haller. Die Stadt Leiden ließ ihm in der eeounaß ein Denkmal errichten. Vgl. Burton, Account ot the life and writings of B.v (2 Bde., Lond. 1743); Johnson, Life of H. B.o (Lond. 1834 holländ., Amsterd. 1837).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 239Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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