Boers (spr. Buhrs, d. i. Bauern) werden in der Kapkolonie die Grundbesitzer holländ. Ursprungs genannt. Nach den drei Haupterzeugnissen des Kaplandes unters Aterh man gewöhnlich: Weinboers, die bemitteltste Klasse, denen die iele Vornäe der Städte, namentlich der Kapstadt, viele Vorteile gewährt; ferner Kornboers; end1. Viehboers, die unkultiviertesten, welche inge des häufigen .— in den Einöden es innern Landes zum Teil in Roheit und Schmutz versunken sind. Das zähe, große Schwierigkeiten mit den Holt Energie überwindende Wesen, welches den Holländer charakterisiert, haben sich auch deren Nachkommen in Afrika bewahrt. Die Sprache der B. ist die holländische. Sie leben bei außerordentlicher heit und änglichkeit in patriarchalischer Einfachheit und beobachten genau ihre kirchlichen Gebräuche; Kenntnis des Lesens und Schreibens ist allgemein verbreitet. Eine hohe und kräftige Gestalt charakterisiert die B.; sie sind gute Reiter und sichere Schützen. Die B. waren nicht ohne Grund von jeher mit der brit. Verwaltung der Kapkolonie unzufrieden und begannen seit 1835 die Kolonie in Masse zu verlassen (etrecken'ꝰ) und jenseit des Oranjestroms neue und selbständige Gemeinwesen zu gründen. Sie gründeten den Oranjefreistaat und, nachdem auch dieser der brit. Macht unterworfen worden, den Transvaalfreibefa welcher nach zeitweiliger Einverleibung in ie 71881 Besitzungen des brit. Reichs schließlich im J. 1881 — Unabhängigkeit mit den Waffen erkämpfte. Näheres über den Befreiungskrieg der B. s. unter Kapkolonie und Transvaalstaat. Bothius (richtiger als Boetius, Anicius Manlius Torquatus Severinus), berühmter röm. Staatsmann und Philosoph, wurde um 475—480 zu Rom geboren, wo die Familie der Anicier in hohem Ansehen stand. Er gewann das Vertrauen des Königs der Ostgoten Theodorich und wurde schon früh zu den höchsten Ehrenstellen erhoben, aber ½. verräterischen Einverständnisses mit dem Hofe zu Konstantinopel angeklagt, zum Tode verurteilt, zu Pavig ins Gefängnis geworfen und 525 hingerichtet. B. übersetzte, bearbeitete und kommentierte namentlich die logischen Schriften des Aristoteles; ferner Übersetzte und bearbeitete er mathem. Werke des Nikomachus, Euklides, Archimedes und Ptolemäus. Durch diese und andere Schriften, insbesondere auch seine ** Bücher De musicab, hat B. einen tiefgreifenden Einfluß auf die gesamte Kultur des Mittelalters ausgeübt. Von ser ei Arbeiten zu Aristoteles hat neuerdings Meier eine kritische Übersetzung des Kommentars zu der Schrift anset Seumelasy veröffentlicht (2 Bde., Lpz. 1877 —80). Die Schrift De musicav ist zu-Frichlel mit mathem. Schriften herausgegeben von riedlein (Lpz. 1867), für 2 — die deulsche Sprache übertragen und erklärt von Paul (Lpz. 1872). Zwei 7* — gedruckte rhetorische Abhandlungen des hat Mai in den «Classici auctores e Vaticani codicibusd (Bd. 3, Rom 1831) als unediert aufs neue herausgegeben. Noch umfassender und bedeutender war aber die Einwirkung des B. auf seine Zeit und das ganze Mittelalter — 1s während seiner langen Gefangenschaft verfaßtes berühmtes Werk in fünf Büchern, De consolatione philosophiaen, worin er mit der Philosophie sich unterhält, die ihn uber das Wandelbare des menschlichen Glücks und über die einzig wahre und bleibende Glückseligkeit, die in der Tugend zu * den ist, belehrt. Das Ganze ist in einer den besten Mustern der klassischen Vorzeit glücklich nachgebildeten reinen Sprache verfaßt, und die darin häuft vorkommenden poetischen Stücke zeichnen sich dur natürlichen Fluß und ichrichen Genauigkeit aus. Daß die B. faßt wor enen theol Schriften nicht von ihm verfaßt worden, galt lange Zeit als erwiesen. B. Sinn erscheint namentlich in der „Consolatio philosophiaen mehr dem Altertum zugekehrt. Nach einem neuerdings gefundenen Auszug aus einer wahrscheinlich von Cassiodor verfaßten Schrift scheint aber doch der größere Teil der ihm beigelegten theol. Schriften echt zu sein, während B. in der «Consolatios von seiner antiken Vorlage sich abhängiger und weniger selbständig erweist, als man annahm. Gewiß ist dagegen, daß er unverdienterweise zu einem Märtyrer gemacht worden ist, der unter den arianischen Goten wegen hussch kath. Glaubens den Tod erlitten habe. Vgl. itzsch, Das System des B. und die ihm zugeschriebenen theol. Schriftens (Berl. 1860). Die „Consolatio philosophiaes ist oft gedruckt worden; außer der 15üd Ausgabe (Nürnb. 1473) sind die von Bertius id. 1623 u. öfter), Vulpius (Padua 1721 u. 1744), Helfrecht 1797), mit Anmerkungen und einer deutschen Übersetzung von Freytag (Riga 1794), von Obbarius (Jena 1843) und von Peiper (zusammen mit den theol. Schriften Lpz. 1871) zu erwähnen. Auch gibt es von der chrift eine angelsächs. Übersetzung, die man Alfred d. Gr. beilegt (am besten herausg. von For, Lond. 1864), eine althochdeutsche aus dem Anfange des 11. Jahrh., welche Graff zuerst bekannt gemacht hat (Berl. 1837), dann Hattemer lin «Denkmäler des Mittelalterso, Bd. 3) und eine griechische von Maximus Planudes (herausg. von Betaut, Genf 1871). Gesamtausgaben der Werke des B. erschienen Venedig 1491, 1492, Basel 1546, 1547, zuletzt in Mignes Patrologia (Bd. 63 u. 64, Par. 1847). Vgl. Baur, «B. und Dantey (Lpz. 1873); H. Usener, Anecdoton Holderio Eug 1877⁷.