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ErdkundeBrockhaus 1882

Bogos, ein erst durch die Lazaristen-Missionare Stella und — — namentlich aber durch den Schweizer W. Munzinger (1855—61) und die dunch die Reise da unter Heuglin (1861) sowie durch die Reise des Pamear Ernst von Coburg-Gotha (1862) näher bekannt gewordenes Hirtenvolk, das einen Teil des Abessinien im N. vorgelagerten, 1600—2200 m hohen, durch großartige und pittoreske Landschaften ausgezeichneten Plateau⸗ und Berglandes bewohnt. Letzteres reicht bis 16½t nördl. Br. und 4. sich hier in Terrassen ab, im O. steil in die heiße Küstenebene (Samhara) abfallend, im W. zur wälder⸗ und wildreichen Ebene Baraka oder Barka sich hinabsenkend. Die B. grenzen südlich an Hamasen, östlich an die Mensa, nördlich an die Beit Takue, westlich an die Beni-⸗Amer. Geb Land liegt zu beiden Seiten des prachtvollen ebirgsthals des Ansebaflusses. In Mannigfaltigkeit der Tier⸗ und Pflanzenwelt sucht das Land der B. seinesgleichen in Afrika. Die Bevölkerungg ählt etwa 10000 Köpfe. Davon besteht nur ein rittel aus eigentlichen B., welche das Belen sprechen. Den Rest bilden die ihnen unterthanen Leute, welche, wie die Mensa und Habäb, das Tigrs (s. d.) sprechen. Die B., den Lasta-Agäus (s. Agaw) in Hochabessinien verwandt und im 16. Jahrh. in ihre jetzigen Wohnsitze eingewandert, nennen sich auch nach ihrem, sonst unbekannten Stammvater Boasgor (d. h. Söhne des Boas) oder nach ihrer Sprache Belen. Der B. ist schön gebaut, hat angenehme Gesichtszüge, kluge Augen, eine vom Gelb bis ins Dunkelbraune nuancierende Hautfarbe, rei⸗⸗ ches, etwas krauses und grobes Haar, das in Locken ast bis auf die Schultern fällt. Die Frauen altern rüh und sind nicht schön. Die B. bezeichnen sich als Christen, haben aber nur noch wenige Reste vom Christentum. Sie sind vorwiegend Hirten und hndu 20 Dörfer und Weiler. Fast das ganze Jahr indurch zieht etwa ein Dritteil der Bevölkerung mit den Herden in den Bergen umher. Der Feldbau beschränkt sich eigentlich auf Durra. Auch baut man starken und wohlriechenden Tabak, und das Rauchen ist unter Männern, Weibern und Kindern allgemein. Die Häuser sind halbkugelförmige Strohhütten von ungefähr 5m Durchmesser. Die B. bilden eine haben in patriarchalich, die Staatseinrichtung derselben ist patriarchalisch, wobei aber zu bemerken ist, daß nur die eigentlichen B., d. i. die Nachkommen Gebre Terkes, Herren oder Freie (Schmagilli genannt) sind, alle andern als Hörige (Tigre oder Gulfare genannt) einen Schutzherrn unter den B. sich wählen und zum Zei-Rit dessen ihm einige Abgaben steuern müsen. Alle Nitglieder eines Stammes, d. i. die Nachkommen eines gemeinsamen Stammvaters für sieben Generationen, machen eine . Kn Re Verbrüderung, eine Blutsverwandtschaft, ein Rechtsganzes aus. Kein B. heiratet in einen andern Stamm. Alle hät. Die Mor garantieren sich Leben und Sichereit. Die Mordthat des einen belastet alle mit lutschuld; wird einer ermordet, so haben alle das Recht und die Pflicht der Blutrache. Die Würde des Stammhäuptlings (Sim), ein Ehrenamt ohne Macht, vererbt sich nach der Erstgeburt. Die Frau ist gesetzlich rechtlos; Scheidung ist leicht, aber selten; Polygamie erlaubt, aber nicht häufig. Bis 1844 fast unabhängig, wurden die B. später teils die e ie westlichen mohammed. Völker, teils durch die Emporkömmlinge in Tigre und Abessinien hart mitgenommen und unterjocht. . Juli 1872 kamen sie unter ägypt. Oberherrschaft. Das Klima ist mild und angenehm. Die Regenzeit ist von Juni bis September. Hauptort des Landes ist das Borf Keren mit etwa 300 Strohhütten und einer Kirche der Lazaristen-Mission. Keren ist der Transitplatz der Karawanen vom Gash nach dem Meere.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 243Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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