Bojardo (Matteo Maria, Graf von Scandiano), ital. Dichter, geb. 1430 (1434) zu Scandiano, kam nach Vollendung seiner humanistischen und jurist. Studien auf der Universität Ferrara an den Hof des Herzogs Borso von Este, den er 1471 nach Rom begleitete. Dessen emen Kam Hercules I., ernannte ihn zu seinem Geheimen Kämmerer. Im J. 1478 wurde ihm das Gouvernement der Stadt Reggio, 1481 das der Stadt Modena übergeben, bis er 1488 wieder die Stadt⸗ und Burghauptmannschaft von Reggio übernahm, welches Amt er bis zu seinem 21. Dez. 1494 erfolgten Tode bekleidete. Sein ½ bildet das dem Karlssagenkreise zugeörige große romantische Rittergedicht „Orlando innamoratop, das der Dichter in drei Büchern oder 79 Gesängen unvollendet hinterließ. Während die frühern Dichtungen der Rolandssage ihren Helden nur als Vorkämpfer der Christenheit auffaßten, Votte B., vertraut mit der Romanwelt anderer ölker und besonders mit den Gedichten des Arthurkreises, der Sage durch Einführung der edeln Frauenminne einen neuen Reiz zu verleihen. Zudem gab er in seinem Gedicht nicht nur den vor ihm bekannten Helden der Sage scharf ausgeprägte und durchgeführte Charaktere, sondern dichtete mit wahrhaft schöpferischer Kraft noch mehrere selbst erfundene, aber 1 Wahrheit atmende Helden hinzu. So * er seinen Nachfolgern, selbst auch dem Ariosto, alle Personen geliefert und die Fäden geknüpft, an denen sie leicht fortzuspinnen vermochten. Sein Werk wurde bis 1544 (zuerst vollständig Scandiano 1495) 16mal gedruckt, schon im 16. Jahrh. in das Französische (von Vincent, Lyon 1544 u. öfter; später von de Rosset, Par. 1619; in freier Überarbeitung von Lesage, 2 Bde., Par. 1717 u. öfter; zuletzt von Tressau, Par. 1822) und neuerdings fast in alle lebende Diere Rr bert Deutsche % in Prosa, von Benedicte Naubert, 3 Bde., erl. 1820; am besten von Gries, 3 Bde., Stuttg. 1835—37, und Regis, Berl. 1840) übersetzt. Da B. in dem zu seiner Zeit am Hofe von Ferrara gesprochenen Italienisch schrieb, so erregte sein Werk bei den Florentinern Anstoß. Daher unternahm, nachdem man schon mehrfache Versuche zur Reinigung der Sprache gemacht, Lodovico Domenichi (gest. 1564), ohne etwas Wesentliches zu ändern, eine gründliche sprachliche Rikormazione des Gedichts, von der viele untereinander abweichende Drucke Zuerst Vened. 1545) vorhanden sind. Weiter ging Berni (s. d.) in seinem Rifacimento, welcher den ganzen Ton des Gedichts in das Burleske zog. Doch fand dessen Arbeit solchen Beifall, daß darüber der echte COrlando innamorato B.s fast ganz in Vergessenheit geriet und zuerst wieder mit Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. weitläufigen Untersuchungen über Dichter und Dichtung von Panizzi (Lond. 1830, in 8 Bdn., wovon der erste einen Essay on the romantic narrative oetry of the Italianso, die drei letzten den Orlando urioso v des Ariosto enthalten) und danach von Wagner im »Parnasso italiano continuatos (Lpz. 1833) herausgegeben ward. Unter B.s übrigen ital. und lat. Werken sind noch hervorzuheben: Sonetti e canzoni (uerst Gelabt 1499) in drei Büchern, die meist an seine Geliebte, Antonia Capraca, gerichtet sind; 4II Timones, ein fünfaktiges Schauspiel nach Lucian hut ;. B. Scandiano 1500; Ferrara 1809); ein at. Carmen bucolicume (Reggio 1500); die Cinque capitoli in terza riman (Vened. 1523 u. öfter) über Furcht, Eifersucht, Hoffnung, Liebe und Welt, und der Asino d'oron nach Appulejus (Vened. 1523) und derselbe nach Lucian (Vened. 1518). Auch übertrug er den Herodot (Vened. 1533 u. öfter) sowie Riccobaldi's &Chronicon Romanorum imperatorumv in die ital. Sprache. Eine Auswahl von B.s Poesies gab Venturi mit Erläuterungen (Modena 1820) heraus. Von den Fortsetzungen des „(Orlando findet sich die des Niccold degli Agostini in 2 Büchern oder 33 Gesängen) in mehrern alten usgaben des echten Werks und der Überarbeitung Domenichi's. ů