Johann (Nepomuk Maria Joseph), König von Sachsen, einer der gelehrtesten Fürsten der neuern Zeit, Bruder und Nachfolger König Friedrich Augusts II., wurde 12. Dez. 1801 geboren als jüngster Sohn des Prinzen Maximilian und dessen erster Gemahlin, einer Prinzessin von Parma. Der Prinz machte unter guter Anleitung umfassende Studien. Eine Reise nach Italien 1821—22 mit seinem ältern Bruder Clemens, der dort starb, befestigte seine Vorliebe für die ital. Litteratur. Im J. 1828 ließ er als eine Frucht seiner ital. Sprachstudien die ersten zehn Gesänge von Dantes (Höller und 1833 die übrigen Gesänge der Hölles, mit einem (Philaletheso unterzeichneten) Vorwort und An-Dies mahm zur Privatverteilung drucken. Überdies nahm er vielen Anteil an dem 1824 gestifteten Sächsischen Altertumsverein, in welchem er lange Zeit den Vorsitz führte. Nach Erwählung seines ältern Bruders zum Mitregenten bernahm er das Kommando der Kommunalgarden, das er viele Jahre hindurch führte. Ferner erhielt er Sitz und Stimme im Geheimen Rat und, als dieser aufgelöst wurde, den Vorsitz im Staatsrat. Einen Beweis seiner erfolgreichen Dante-Studien lieferte er in der metrischen übertragung der Divina commediao mit kritischen und histor. Erläuterungen (3 Bde., Lpz. 1839—49; 2. Aufl. 1865—66, sowie drei unveränderte Abdrücke 1868, 1871 u. 1877). Nachdem er infolge des plötzlichen Ablebens seines Bruders 9. Aug. 1854 den Thron bestiegen, führte er die Regierung in dessen Geiste fort. In der schlesw.⸗holstein. Angelegenheit nahm er eine durchaus bundesgemäße Stellung ein, der zufolge Sachsen im Verein mit Hannoveranern Ende Dezember 1863 Holstein besetzten, von dort aber, nachdem Osterreich und Preußen die Occupation in die Hand genommen hatten, auf Grund des Bundesbeschlusses vom 5. Dez. 1864 wieder zurückgezogen wurden. Als Preußen infolge der Bundestagssitzung vom 14. Juni 1866, in welcher Sachsen zu Gunsten des österr. Mobilisierungsantrags gegen Preußen gestimmt hatte, den Bundesvertrag für gebrochen erklärte und ein Heer in Sachsen einrücken ließ, zog sich J. mit der sachs. Armee nach Böhmen zurück und blieb bis nach dem am 21. Okt. abgeschlossenen Frieden in SÖsterreich. Am 3. Nov. 1866 kehrte er nach Dresden zurück. Gegenüber den neu sich bildenden staatlichen Verhältnissen des Norddeutschen Bundes, sowie beim Ausbruche des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871, nicht minder aber auch bei der Konstituierung des Deutschen Reichs bewährte er feste Bundestreue. (S. Sachsen.) J. starb nach längerer Krankheit 29. Okt. 1873 in Pillnitz. Vermählt war J. seit 10. Nov. 1822 mit Amalie Augusta (geb. 13. Nov. 1801, gest. 8. Nov. 1877), einer Tochter des Königs Maximilian Joseph von Bayern und Schwester der verwitweten Königin Maria von Sachsen. Von den drei Prinzen und sechs Prinzessinnen, welche dieser Ehe entsprossen, leben: sein Nachfolger, König Albert (s. d.); —— Georg (s. d.); Prinzessin Clisabeth, geb. 4. ebr. 1830, vermählt seit 1850 mit Ferdinand, Herzog von Genua, der 1855 starb. Vgl. von Falkenstein, „I., König von Sachfeno (Dresd. 1878).