FeedBolmen
ErdkundeBrockhaus 1882

Bolmen, der größte See der schwed. Landschaft Smäland, auf der Grenze zwischen Jönköpings- und Kronobergs-Län, und größtenteils, nebst der Insel Bolmsö, zu ersterm gehörig, ist 183½ ꝗqkm groß und liegt 141 Meter über dem Meere. B. gehört dem Wassersysteme der Laga-ä. Die Umgegend ist von uralter Kultur und an Altertümern sehr reich. Dicht an B. vorbei zog sich eine der wichtigsten Heerstraßen nach dem obern Lande, geschützt durch die jetzt zerstörte Feste Piksborg. BVologna, Provinz des Königreichs Italien, zur Emilia gehörig, 3601,26 àkm groß mit (1881) 457506 E., ist eine völlige, von vielen Gewässern, die von den Apenninen Derab dem Po zueilen und durch Kanäle miteinander verbunden sind, durchschnittene, überaus fruchtbare Ebene, in welcher neben Getreide namentlich Reis, Flachs 1 und Seidenzucht trefflich gedeihen. Das fe rwohlhabende Land gehörte bis zu seiner Annexion an Sardinien (18. März 1860) dem Kirchenstaate an. Die Hauptstadt der Provinz ist Bologna, eine der ältesten, größten und reichsten Städte in Italien, mit (1881) 115 957 E. Sie liegt am Fuße der Apenninen, zwischen den Flüssen Reno und Savena, bildet einen Knotenpunkt der Oberitalienischen * bahn zwischen Padua, Modena, Florenz und Ancona, ist schön gebaut und hat breite Straßen. Die Häuser, meist von drei Stockwerken, bilden im Untergeschosse nach der Straße zu Säulengänge, welche dem Fußgänger im Sommer Schutz gegen die Sonne gewähren. Sie ist der Sitz des Präfekten, eines Erzbischofs, eines Appellationshofs und eines Generalkommandos. Unter den öffentlichen Plätzen tritt besonders die Piazza Nettuno hervor, die mit einem hochberühmten Springbrunnen von Giovanni da Bologna geziert und von herrlichen Palästen umgeben ist, unter denen der Palazzo publico mit schönen Fresken und der Auhe del Podesta obenan ½½ Das äußere Ansehen der Stadt heben die Kirchen, deren sie 120 zählt, und unter denen, nächst der Domkirche San-Petronio, mit einem von Cassini auf einem Kupferstreifen des marmornen Fußbodens 1653 gezogenen, 57,8 m langen Meridian, besonders zu erwähnen sind die prächtige Dominikanerkirche mit den Grabmälern des Taddeo Pepoli und des Königs Enzio, San-Stefano, San-Martino-Maggiore, San-Giovanniin-Monte und San-Giacomo-Maggiore, die alle noch im Besitz reicher Kunstschätze sind. Die schönste Aussicht hat man auf dem schiefen Turme Asinelli, 1109 begonnen, der viereckig und in gefälliger Form sich bei einer Abweichung von 1,03 m bis zu einer Doh von 83,4 merhebt (447 Stufen). Ein zweiter, öchst merkwürdiger schiefer Turm ist der nur 42 m hohe Turm Garisenda oder Mozza, der, wie jener nach seinem Erbauer genannt, 0,5 m nach Osten und 2,14 m nach Süden überhängt. Beide Türme stehen einander sehr nahe und erscheinen gegeneinander geneigt. Den ausgebreitetsten Ruf verschaffte der Stadt, namentlich im Mittelalter, die Universität, die schon Theodosius der Jüngere 425 Rechtesc haben soll. Berühmt war vor allem ihre Rechtsschule, die besonders durch Irnerius, der um 1140 starb, gehoben wurde. Sie zählte früher oft mehrere tausend Studierende, jetzt freilich, obschon noch eine der bessern Hochschulen Italiens, nur noch gegen 600. Von den deutschen Kaisern, namentlich von Friedrich I., wie von den ital. Fürsten reich ausgestattet und mit Privilegien Len Bh war die Stadt auf sie so stolz, 4 deren Wahlspruch Bononia docety auf sen Unzen setzte. Ihre Bibliothek, bei welcher früher Mezzofanti angestellt war, zählt etwa 200 000 Bände und 6000 Handschriften. Der Graf Lodov. Fern. Marsigli (s. d.) stiftete hier 1690 das Instituto delle scienze, das 1714 eröffnet wurde, infolge der Wirren des 18. Jahrh. in R 1829. Verfall geriet, von Pius VIII. aber im Mai 1829, wie es schon von Leo XII. beschlossen war, wiederhergestellt ward, worauf es, wie rite früher von 1731—91, so wieder seit 1834 Schriften im Druck erscheinen ließ. Auch gab Marsigli die Mittel en Anlegung einer Sternwarte, eines Anatomischen Theaters, eines Botanischen Gartens und mehrerer wissenschaftlicher Sammlungen. Außer der Universität bestehen in B. noch mehrere andere höhere Lehranstalten, eine Medizinisch-Chirurgische, eine Philharmonische, eine Ackerbaugesellschaft und seit 1816 eine 2. Gesellschaft zur Förderung gesellschaftlichen Glücks, die 1821 in den Verdacht des Carbonarismus geriet. Papst Clemens XIII. stiftete die Accademia delle belle arti, auch Accademia Clementina genannt, die im Besitze der schönsten Werke der sog. Bolognesischen Schule ist, welche im 16. IWI von den Caracci, Guido Reni, Domenichino, Albano und andern Meistern begründet wurde, sowie auch der Altbyzantinischen Schule, und die mit einer Unterrichtsanstalt in Verbindung steht. Nächst der eigenen Sammlung Clemens' XIII. vereinigt sie namentlich auch die Kunstschätze, die, aus den Kirchen und Klöstern von B. durch die Auruchaere nach Paris und Mailand gebracht, 1815 urückgefordert wurden. Außerdem gibt es noch ie ausgezeichnete ..— (Rafaels Heilige Cäcilia), das Museo civico (seit 1871), eine Waffen-Bestandten und mehrere Kunstsammlungen, welche estandteile reicher Fideikommisse sind; so die Galerie von Marescalchi, Martinengo, Ercolani, Zambeccari, Lambertini Tanari, Caprara und des verstorbenen Prinzen Bacciocchi. Auch das alte ehrwürdige Gebäude, der Ratspalast, am Hauptplatze der Stadt, enthält treffliche Kunstschätze. Unter den drei Theatern ist das Theater Zaproni seiner Größe wegen bemerkenswert, das schönste aber ist das neue Theater an der Promenade am Walle. In Enamt Rufe stehen die bolognesischen Maccaroni, alami, Mortadelli, Liqueure, eingemachten rüchte, künstlichen Blumen, Seiden⸗, Leinen⸗ und an hgellech 2 eedr Stricke, Glas, Juwelierarbeit, tro Wleisch eder, Tabak, Nägel, an Molige Seine Flei „Mom Wurstwaren sind an Wohlgeschmack und Mannigfaltigkeit kaum zu übertreffen; ihretwegen könnte B. den Beinamen la grassa, die fette, tragen, bezieht man denselben auf das fruchtbare Erdreich bezieht. Ungefähr 3 km südwestlich von B. liegt einer Anhöhe der Apenninen das Nonnenkloster Madonna di San-Luca (von 1731), ein berühmter Wallfahrtsort, zu dem ein bedeckter Säulengang von 635 Bogen eine halbe Stunde weit führt. Ein anderer Säulengang führt, von dem ersten abzweigend, zu dem auf Napoleons I. Lele erbauten Campo:santo bei der Certosa, dessen — e, geräumige Bogenhallen mit den zahlreichen onumenten und frischgrünen + lätzen den roßartigsten Friedhof, ein unvergleichliches Musenn der neuern Skulptur bilden. Geschichtliches. Die Stadt B. wurde unter dem Namen Felsina von den Etruskern begründet und später von dem in Oberitalien eingewanderten Stamme der Bojer in Besitz genommen. Nach der Vernichtung der letztern in der Schlacht bei Mutina (193 v. Chr.) führten die Römer eine Militärkolonie hierher (189) und nannten die Stadt Bononia, welche in der röm. Kaiserzeit eine sehr wichtige Rolle spielte. Nachher kam sie zum Exarchat und wurde später von den Longobarden genommen. Ihre ersten Privilegien 77⁷ die während des 12. Jahrh. einen Bohen ufschwung nehmende Stadt von Kaiser Friedrich I. (1158); 1167 trat sie dem lombard. Städtebunde bei und war 1239 im Kampfe mit Kaiser Friedrich II. neben Mailand das Bollwerk der Guelfen in Oberitalien; der glänzende Sieg der raht an der Fossalta über die Ghibellinen (1249) brachte den Sohn des Kaisers, Enzio, in die Gewalt der Stadt, der bis an sein Ende (1272) in der Gefangenschaft zu B. schmachtete. Nachdem die innern Kämpfe zwischen den beiden Adelsfraktionen der Geremei (Guelfen) und der Lambertazzi (Ghibellinen) die Republik zerrüttet, kam letztere 1278 mit der ganzen Romagna unter die Oberhoheit des Papstes Nikolaus III. Um ihren Besitz stritten sich, während abwechselnd die Päpste sich in der Herrschaft über sie behaupteten, nacheinander die Familien Pepoli (1337— 1350), Bentivoglio (1401—1506 (1512]) und vorubergehend geboten hier die mailändischen Visconti 1350, 1402). Erst 1506 wurde die Stadt durch apst Julius II. dem Kirchenstaate als päpstl. Delegation völlig einverleibt, wobei sie jedoch noch immer viele die Wable (eigene Münzprägung und das ncht, die Wahlen der it, dier Beamten selbständig vorzunehmen) behielt, die erst —.— der franz. Occupation zum größten Teile verloren gingen. Im J. 1515 kam zu B. ein Konkordat wüschen apst Leo X. und König Franz I. von Han.0 zu Stande; am 24. Febr. 1530 fand im Dome San ⸗Petronio die letzte Kaiserkrönung auf ital. Boden statt, nämlich die Karls V. durch Papst Clemens VII.; von 1547—1551 tagte das Tridentiner Konzil hierselbst. Nachdem die Stadt 1796 von den Franzosen genommen worden war, wurde sie nebst ihrem Gebiete zunächst ein Bestandteil der Puatens uis Republik, später des Königreichs Italien, bis sie 1815 wieder an den Papst kam. Im J. 1831 war sie, als der Mittelpunkt des «Vereinigten Italien v, der Hauptherd des republikanischen Aufstandes, der hier den 4. Febr. ausbrach und schnell sich bis nach neona verbreitete, worauf der Kardinal-Legat flchten mußte und eine provisorische Regierung eingesetzt wurde. Zwar ward derselbe infolge des schnellen Einrückens der Ssterreicher unter dem General Frimont sehr bald unterdrückt und die päpstl. Regierung wieder eingesetzt; doch brachen die Unruhen schon 21. Dez. 1831 von neuem aus, sodaß die päpstl. Regierung nochmals gestürzt wurde. Allein auch diesmal 7%½• schon im Jan. 1832 die österr. Waffen die alte Ordnung wieder her. Als 1843 unerträgliche Plackereien und Willkurlichkeiten der Zollbeamten Murren und Unruhe in der Romagna verursacht hatten, wurde eine außerordentliche Militärkommission nach B. gesandt. Eine Menge Bolognesen wurden ins Gefängnis geworlich. andere, zum Teil aus den besten Familien, ohen aus Furcht in die nahen Gebirge. Die dadurch erregte uns R. den hatte ihren Gipfel erreicht, als Pius IX. den päpstl. Stuhl bestieg. An den Bewegungen und Demonstrationen der wonlvo Zeit nahm B. den lebhaftesten Anteil, obwohl von nun an Rom an die Spitze der polit. Bewegung im Kirchenstaate trat. In den ital. Unabhängigkeitskriegen lieferte die Stadt eine verhältnismäßig Auc Anza Durch enen Als ein österr. Korps 8. Aug. 1848 B. durch einen Handstreich beetzen wollte, wurde dasselbe von dem erbitterten olke durch einen Aufstand in Masse gezwungen, mit Verlust von Toten und Gefangenen die Stadt verlassen. Nach Abschluß des Friedens mit Sarinien kehrten jedoch im Einverständnisse mit dem Papste die Osterreicher 8. Mai 1849 zurück, und B. mußte sich nach achttägiger Gegenwehr und wiederholtem Bombardement 16. Mai ergeben und wurde von dem Korps des Generals Gorzkowssi besetzt. Seitdem behielt die Stadt österr. Garnison bis zum ital. Kriege von 1859, infolge dessen sie vom Kirchenstaate abfiel und im März 1860 mit der Romagna ihren Beitritt Sardinien erklärte. Vgl. Savioli, Annali della città di B. (3 Bde., Bassano 1788—95); Gatti, Guida delle più rare cose di B. (Bologna 1813); Guidicini, Cose notabili della città di B.5 (Bd. 1—5, Bologna 1869 —74); Muzzi, „Compendio della storia di B.5 (Bologna 1875⁵).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 291Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6