Bordeaux, eine der größten und bevölkertsten, adt des und reichsten Städte Frankreichs, Hauptbusen von Biszorstadt La Ba. tide die schönste rücke Frankreichs, 500 m lang, 15 mbreit, von 17 Bogen, die 1811 — 21 von dem ältern Desmehr als 7½ . ufwande von * Mill. Frs. erbaut ist. Der Hafen, in welchem die 4.— ahrteischiffe ohne Schwierigkeit mit der Flut den Strom herauf1200 Schiffe auf⸗% nehmen und sieht deren oft so viele beisammen. Dennoch sind neuerlich auch Docks 46. baut, deren Ko-IIU, sten 15 Mill. Frs.. Altstadt schwindet 20po0r0 mehr und mehr durch Anlage moderner Straßen und Häuser. Die unter Ludwig XV. durch Thätigkeit des Intendanten von Guyenne, Aubert de Tourny, 1743—54 angelegten und die in neuester Zeit entstandenen neuen Stadtviertel und Vorstädte, besonders Le Pavé und Le Quai des Chartrons, sowie der Quai de Bacalan, Hauptsitze des Weinhandels, sind sehr regelmäßig und geschmackvoll, zum Teil prächtig gebaut, haben herrliche Straßen, darunter die Cours du Chapeau rouge und Cours de l' Intendance, mit die schönsten der Welt, belebte Quais, angenehme Promenaden und viele schöne Plätze, darunter die große, mit Bäumen bepflanzte und mit den Statuen von Montaigne und Montesquieu geschmückte Place des Quinconces, und der überaus schöne, mit engl. Garten⸗ und Parkanlagen versehene Jardin Public, ferner die Place derner neuerdings mit Gartenanlagen versehen, der Börsenplatz, der Ien Spriandie Allée de Tourny mit monumentalen Springbrunnen. Das auf letzterer aus Zult ewesene Reiterstandbild Napoleons III. aus Zinkguß wurde 4. Sept. 1870 von n ier umgerissen und in die Garonne geworfen. B. besitzt gegen 50 kath., mehrere prot., sowie seit 1867 eine deutsch-prot. — für den deutschen Teil der Bevölkerung und für die deutschen Seefahrer. Die 1873 niedergebrannte Synagoge (erbaut 1810) war sehenswert. Ausgezeichnete Gebäude sind unter andern: die Kathedrale St.⸗Andre, erbaut 13. bis 15. Jahrh., 1868—75 ausgebaut und isoliert, mit Lnierun8um hohen got. Türmen und seltenen Verzierunen, sowie mit isoliert stehendem, mächtigem lockenturm, Pey Berland genannt, der ebenfalls whische Lage von Bordeaux. in neuerer Zeit renoviert wurde; ferner die Kirchen St.⸗Michel (ebenfalls mit isoliertem und ausgebautem Glockenturm, 107 m hoch) und St.⸗Croix, in Basilikenform aus dem 10. Jahrh., der imposante alte erzbischöfl. Jahre der oft seine Bestimmung geändert und seit Jahren Stadthaus geworden, in einem Nebengebäude eine sehenswerte Gemäldegalerie mit alten Meisterwerken beherbergt, die schöne Börse mit großem Glaskuppeldach, in welcher Napoleon III. zuerst das Wort sprach: XL'Empire c'est la paixo (die darauf bezügliche, in der Börsenhalle aufgestellte marmorne Gedenktafel wurde Sept. 1870 entfernt), das Präfekturgebäude, das Marinehötel, das große Theater, letzteres 1775 —80 von Louis erbaut, eins der schönsten in Europa besonders 7* seiner äußern Architektur. Noch sind zu erwähnen: der Bazar, die Galerie Bordelaise, der Justizpalast (erbaut 1844), das großartige neue Hospital, das Proviantmagazin für die Marine, das Abattoir oder Schlachthaus (1831—32 erbaut), das große Zellengefängnis, der schöne Friedhof De la Chartreuse neben dem Botanischen Garten, reich an Marmor und Inschriften, die öffentlichen Bäder und die prächtige Centralhalle auf dem Marché des grands hommes, eine der schönsten und zweckmäßigsten Markthallen. Von alten Bauwerken sind noch besonders merkwürdig: das altertümliche Thor, der Große Cloche (das Wahrzeichen der Stadt), sowie die Porte du Palais, jetzt du Caillou. B. ist der Sitz eines Erzbischofs, dessen Diöcese das Depart. Gironde bildet, eines prot. Konsistoriums, eines Präfekten und der übrigen Departementsbehörden, sowie des Stabes des 18. Armeekorps, welches die 35. und 36. Militärdivision (B. und Bayonne) bildet. Das Deutsche Reich ist durch ein Generalkonsulat vertreten. B. hat einen Obergerichtshof, ein Tribunal erster Instanz, sechs Friedensgerichte, ein Handelsgericht, eine Handelsammer, einen Gewerberat und eine Hauptdouane, deren Zolleinnahme 1881 sich auf 28 Mill. Frs. belief. Die 1441 vom Papst Eugen IV. gegründete Universität bildet seit 1839 eine Académie-Universitaire. Außerdem befindet sich hier seit 1712 eine Akademie der Wissenschaften und Künste, eine öffentliche Bibliothek von 160000 Bänden, eine Gemäldegalerie, ein Lyceum, zwei theol. Seminare, besondere Schulen für Medizin und Pharmacie, für Hebammen, für Chemie, für Geometrie, eine Bildauer⸗, Zeichen⸗ und Malerschule, seit 1631 eine chiffahrts⸗ oder Hydrographische, seit 1833 eine Matrosen⸗, eine Gewerbe⸗, eine Handels⸗ und andere Schulen. Ferner befindet sich zu B. seit 1786 ein Taubstummeninstitut, eine Linne'sche, eine Philomatische und andere Anttamit und gemeinnützige Gesellschaften, ein Antiquitäten⸗ und Naturalienkabinett, die Baumschule und Sternwarte des Departements „ein Irren⸗, ein Waisen⸗, ein Boblthätih verschiedene Hospitäler, Kranken⸗ und ohlthätigkeitsanstalten. Zehn Freimaurerlogen arbeiten unter dem Grand Orient de ndatte zu Paris; die früher zahlreichen deutschen Mitglieder derselben wurden 1870 gestrichen. Außer dem Großen Ws Zoni, 200 noch das Theätre frangais, Theatre Louit. Theätre National und Les Fölies Zeigen K. Die Münze in B. prägt unter dem eichen K. Ein bedeutender die Tandr⸗ der Stadt ist der Schiffbau, und auch die e und Böttchereien beschäftigen zahlreiche Arbeiter. Außerdem bestehen mehrere Zuckerraffinerien, Woll⸗ und Baumwollspinnereien, Eisengießereien, Fabriken in Wachstuch, Decken, Teppichen artonnagen, Chemikalien, Porzellan, Fayence Glas. Bedeutend 6 auch die Erzeugung von Konferven, Chokolade, eife, Parfümerien, Weinessig und Liqueuren. Die Bordeauxliqueure gehören mit zu den feinsten und besten und einige Fabriken, besonders dielenige von Marie Brizard u. Roger, genießen Weltruf. Nächst Marseille und Havre ist B. der wichtigste Handelshafen Frankreichs, und nach Nantes und Havre hat es den größten Anteil an dem franz.amerik. Handel. Die Schiffe mit den größten Lasten finden 6, und bei der Flut 12 m Tiefe. 5n den Geschäften mit Cognakbranntwein und den derühmten westfranz. Weinen, die als Bordeaurweine (s. d.) in alle Welt gehen, nimmt es den ersten Rang ein. Daher ist denn der Weinhandel der Hauptindustriezweig der Stadt, welcher sich schon äußerlich auf Straßen, Plätzen, den Quais, auf dem Strome und in fast allen Lebensverhältnissen und Industrieerzeugnissen der Einwohner bemerklich macht. Mit Paris ist B. durch Eisenbahnen über Orleans und Limoges verbunden, deren Bahnhof durch die neue, prächtige Eisenbahnbrücke oberhalb der Stadt mit der Bahn nach Bayonne, Toulouse und Cette in direkter Verbindung steht. Andere Verbindungen gehen über Rochefort und La Rochelle nach Nantes, über Perigueux, Aurillac und St.⸗Etienne nach Lyon. Eine direkte Bahn führt ferner nach dem Médoc, dem berühmtesten Weindistrikte, und wurde 1875 bis zu ihrem Endpunkte Le Verdon vollendet. Zugleich ist B. auch durch den Canal du Midi mit dem Mittelmeer in Verbindung gesetzt. Ein regelmäßiger auswaite 5er Caropne findet mit den Städten aufwärts der Garonne, sowie mit Pauillac, dem Vorhafen von B. und Royan (an der Girondemündung), statt, ferner mit Nantes, Havre, Dünkirchen, Antwerpen, mit Amsterdam, Liverpool, Glasgow, Norwegen, Schweden, London, Hamburg, Stettin, Petersburg, mit sämtlichen Häfen des Mittelländischen Meers, Spaniens und Portugals, mit Nordamerika, Westindien und Mexiko, sowie über Lissabon mit Bahia, Rio de Janeiro, Montevideo und Buenos-Ayres, mit Peru und Bolivia u. s. w. B. rüstet jahrlich Hunderte von Schiffen zum überseeischen Handel aus, mehrere auch zum Kabeljaufang. Viele bordeauxer Handlungshäuser haben ere en in den Kolonien am Senegal und monopolisieren fast den ganzen dortigen Handel. B. hat bedeutende Entrepöts von Salz⸗, Handels⸗ und Ausrüstun Sgegenständen für Afita, Amerika, West⸗ und Ostindien, eine Bank, die bedeutende Umsätze aufweist, sowie Assekuranz⸗ und andere Gesellschaften dieser Art. Ausfuhrartikel sind, außer Wein, Branntwein und ewebten Stoffen, I¹πι¹π Getreide, Mehl, Taelwerk für die Marine, Weinessig, Walnüsse, Apfel, etrocknete Pflaumen (Katharinen⸗ und Anthonyflaumen genannt) und andere, besonders eingemachte und kandierte Früchte, Schinken, Brennholz, Terpentinöl, Harz und Harzprodukte, Weinstein, Glasflaschen, Kork, Honig u. s. w. Eingeführt werden besonders Kolonialwaren, desto inn, Blei, Kupfer, engl. Steinkohlen, Farbestoffe, Zimmer⸗ und Simos. Pech, Hanf, Leder, Heringe, Pökelfleisch, Schmalz, Petroleum, Senegal-Gummi, Vanille, Kakao u. s. w.; von Deutschland besonders Bau⸗, Schiffs⸗ und Stabholz, Spiritus und Runkelrübensirup. Im J. 1881 liefen im auswärtigen Handel 1286 Schiffe von 732 911 t ein und 1327 Schiffe von 751977 t aus. Besonders der Weinhandel beschäftigte ehedem eine große Anzahl von Deutschen, und verschiedene hervorragende Deukschen oder de befinden sich noch im Besitze von eutschen oder deutschen Abkömmlingen. Ansässige deutsche Familien gibt es seit dem Kriege von 1870/71 nur noch wenige. Die ganze deutsche Bevölkerung, vor 1870 weit über 1000 Seelen stark, bezifferte sich 1881 auf etwa 500 Seelen. Ungefähr 56 km von B. entfernt ist Frankreichs besuchtester und beliebtester Seebadeort Arcachon (1876 mit 4981 CE. und jährlich mit 100 000 Badegästen), reizend am Bassin gleichen Namens gelegen, mit großer Austernzucht in eigens angelegten Austern-I Die beiden 14tägigen B.s, im März und Oktober, früher von großer Wichtigkeit für Westfrankreich, sind zu bloßen Jahrmärkten herabgesunken. Im Altertum hieß B. Burdigala und galt als Hauptort der Bituriges Vivisci. Unter den Römern war sie die sehr begünstigte Hauptstadt der Provinz Aquitania II., und nach der Beschreibung des Dichters Ausonius, der hier geboren, eine schöne, feste Stadt mit betürmten Mauern, 14 Thoren, vielen Palästen, Tempeln u. s. w. Schon damals galt sie als das wichtigste Emporium im südwestl. Gallien und hatte auch eine der berühmtesten Hochschulen. Aus der Römerzeit stammen Überreste von Mauern, Thoren, Talats en Bädern, eines Amphitheaters (Palais gallien) und anderer großer Gebäude, sowie Grabsteine, Inschriften, Münzen, Statuen. Die christl. Kirche von B. hat ihren Ursprung vom J. 272. Die Vandalen, Alanen u. s. w. steckten die Stadt 407 in Brand, 412 kam sie in die Gewalt der Westgoten, 507 in die des Franken Chlodwig; 732 wurde sie von den span. Arabern unter Abd-ur-Rahmän erstürmt, eplündert und ausgemordet, und 735 von Karl Martel wiedererobert. Karl d. Gr. ernannte 778 einen Grafen von B. Von den Plünderungen durch die Normannen (845, 848) erholte sich B. erst im Anfang des 10. Jahrh. Aber erst als mit des letzten Herzogs (Wilhelms IX.) Erbtochter Eleonore das Land an Heinrich von Anjou und so 1154 an England kam, begann B. als Hauptstadt des Herzogtums sich zu heben. König Heinrich II. von 9 erweiterte die Stadt und gab ihr bedeutende Freiheiten und Privilegien, welche Heinrich III. 1236 bestätigte. Unter den drei Eduards, namentlich unter Eduard III. danah vieles für Erweiterung der Stadt und He ung ihres Handels. Als Eduards III. Sohn, der Schwarze Prinz, Guyenne als Fürstentum erhielt, ward B. Sitz eines glänzenden und chevaleresken Hofs. Unter Richard II. trat B. 1379 gegen die Angriffe der Franzosen mit Erfolg an die Spitze eines Bündnisses der Städte von Bourdelois, mußte aber 23. Juni 1451 mit Karl VII. kapitulieren und 1453, weil es im Okt. 1452 den Engländern die Thore wieder geöffnet, auf seine Privilegien verzichten, die es jedoch meist urückerhielt. Als sich w1548 die Stadt wegen Einmhrung der Salztaxe empörte und der Gouverneur de Morems ermordet wurde, nahm der Connétable Montmorency blutige Rache an den Bewohnern. Vom 3. bis 5. Okt. 1572 wiederholte hier der Gouverneur Montferrand die Greuel der Bartholomäusnacht, wobei 2500 Menschen umkamen. ährend der ersten Revolution war B. der Hauptsitz der Girondisten, welche sich hier konstituierten. Infolge dessen hatte es von den Schreckensmännern viel zu leiden. Unter Napoleon I. machte der Druck Rontinentalsystems, dem der Handel B.s unterlag, die Einwohner der Regierung abgeneigt, weshalb sie sich 15 12. März 1814 für die Bourbons erklärten. Als Anerkennung der allezeit getreuen Gesinnungen der aguteno Stadt legte Ludwig XVIII. dem Sohne des Herzogs von Berri, dem spätern Grafen von Chambord (s. d.), den Titel eines Herzogs von B. bei. Im J. 1845 verheerte eine große Feuersbrunst den nordwestl. Teil der Stadt. In neuester Zeit ist B. viel genannt worden als Sitz der Delegation der franz. Regierung, welche vor den vordringenden deutschen Heeren von Tours aus 10. Dez. 1870 nach B. übersiedelte. Am 12. Febr. 1871 trat in B. die 8. Febr. gewählte Nationalversammlung zusammen, welche 17. Febr. Thiers zum Chef der Exekutive wählte und 10. März ihre Verlegung nach Versailles beschloß. (S. Frankreich.) Vgl. O-Reilly, listoire complète de B.n (2. Aufl., 6 Bde., Bordeaur 1863); Michel, „Histoire du commerce et de la navigation à B. „ (2 Bde., Par. 1874); Joanne, B., Arcachon, Soulac-les-Bains (Par. 1881).