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GeschichteBrockhaus 1882

Caen, Hauptstadt des franz. Depart. Calvados und der ehemaligen Niedernormandie und Kriegsplatz dritter Klasse, 12 Kmevom Meere (wohin eine Lokalbahn führt), an der Französischen Westbahn (Paris-Cherbourg) und am Einfluß des Odon in die hier schiffbar werdende Orne, welche nebst einem 5 m tiefen und 50 m breiten Seitenkanal das geräumige Hafenbassin (in welchem kleinere Seeschiffe bis zu 300 t Gehalt ihre Ladung löschen können) mit dem Vorhafen bei dem Dünendorf Quistreham in Verbindung setzt. Die Stadt liegt 5 it archütck lichen Wiesen⸗ und Blumengärten und ist architektonisch eine der interessantesten Städte des nördl. Frankreich. Unter den öffentlichen Plätzen zeichnen sich die große Place Royale mit dem Rathaus und der Bronzestatue Ludwigs XIV., die Promenaden am Ufer der von vier Brücken überspannten Orne, die belebten Quais am Hafen und der neue Fischmarkt aus; unter den Gebäuden die Universität, vor welcher die Statuen von Malherbe (1555 in C. geboren) und Laplace stehen, die Präfektur, der Justipalast aus dem 13. eld mit einer Kolonnade, die Börse (ehemals Hötel de Valois, ein stattlicher Bau des 16. Bade das Theater, die 1863 vollendete öffentliche Badeanstalt, sowie unter den 15 Kirchen (worunter eine protestantische) als istor. Monumente die Schloßkirche (die älteste), die Kirche St. Stephan, eine der schönsten der Normandie, mit Cur über 80 m hohen im 12. Jahrh. errichteten ürmen, 1066—77 von Wilhelm dem Eroberer erbaut, dessen Überreste sie birgt, die Dreifaltigkeitsmißt, sind unter K aufzusuchen. kirche him roman. Stil) der gleichnamigen Frauenabtei, mit drei Türmen, 1066 von Wilhelms Gemahlin, Mathilde, gegründet, deren 1819 restauriertes Grab sie in der Krypta enthält, die got. St. Peterskirche (nur die reich ornamentierte Apsis im Renaissancestil), deren 1308 aufgeführter got., 70 m hoher Turm ein Meisterstück von Leichtigkeit ist; die Kirche St.⸗Jean, ein schöner spätgot. Bau mit sehr elegantem, aber unvollendetem Turm; St.⸗Sauveur mit sehenswerter Ben aus dem 16. Jahrh. und schönem Turm; die enediktinerkirche mit prachtvollem Glockenturm. Die Befestigungen des alten Schlosses (jetzt Artilleriekaserne) stammen ursprünglich von Wilhelm dem Eroberer, sind aber nachher fortgesetzt von Heinrich I. von England, umgebaut von Ludwig XII., Franz I. und später. Von den alten Stadtmauern mit 20 ürmen ist fast nichts mehr zu sehen. Auf dem rechten Ufer der Orne befindet sich die Kirche von Vaucelles aus dem 15. und 16. . Pfer mit einem Turm aus dem 11. und 12. Jahrh.; ferner 1 kKm östlich von C., unweit des Kanals, liegen die Ruinen der Maison des Gendarmes, einer Burg aus dem Beginn des 16. Jahrh. C. — der Sitz des Präfekten und der Departementsbehörden, eines Appellhofs mit Assisen für drei Departements, eines Tribunals erster Instanz, zweier Friedensgerichte, eines Handelsgerichts, einer Handelskammer, eines Gewerberats, mehrerer Konsulate u. s. w. Wegen seiner zahlreichen wissenschaftlichen Anstalten und Gesellschaften hat C. den Ruf einer gelehrten Stadt. Obenan steht die Universitätsakademie für sechs Departements, welche an die Stelle der 1431 von den Engländern ö gegründeten, in der Revolutionszeit eingegangenen ö Universität getreten ist. Dieselbe begreift eine Rechtsschule (10 Lehrstühle) „die Fakultäten des Sciences und des Lettres (je 6 Lehrstühle), und außerdem bestehen hier ein Lyceum in der ehemaligen Abtei St. Stephan, eine WMedsuarpischd Schule, eine Präparandenschule für? ediziner und Pharmaceuten, eine Spezialschule für Handel und Gewerbe, eine höhere Primärschule, die Normalschule des Departements für Lehrer, eine Ackerbau⸗, eine Zeichen⸗, Bau⸗ und Bildhauerschule, eine Taubstummenlehranstalt, ferner eine Akademié der Wissenschaften und Künste, ein Konservatorium für Musik, die Gesellschaft der normann. Altertumsforscher mit reichem Museum und viele andere wissenschaftliche und gemeinnützige Vereine. Auch „ C. eine öffentliche Bibliothek (50000 Bände), eine beträchtliche Universitätsbibliothek, eine reichhaltige Gemäldegalerie, ein Naturalienkabinett mit den Sammlungen von Dumont d Urville und Deslongchamps, einen botan. Garten und ein Hippodrom. Die Stadt besitzt eine Börse und eine Bank, ein Korrektionshaus, eine Irrenanstalt und verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten. Sie zählt (1881) 41322 C., die sich mit Getreidehandel, Pferdezucht, bedeutender Obst⸗ und Blumenzucht, Verfertigung berühmter Blonden und Spitzen beschäftigen und Sägemühlen, Eisen⸗ und ahmheen ö aumwoll⸗ und Wollspinnereien, Fabriken für Watte, Passementerien, Stickereien, damasziertes Leinen, Kalikos, Strumpfwaren und buntem Papier unterhalten. Beträchtlich ist auch der Land. und Seehandel, den die jährliche Messe, die Werfte für Kauffahrteischiffe, der Fluß⸗ und Seehafen so- wie die Eisenbahn unterstützen. Mit Havre und London findet tägliche Dampfbootverbindung statt. Die Einfuhr besteht hauptsächlich in * aus Norwegen, Steinkohlen aus England, Mastvieh, Getreide, Mehl, Salz, Gußwaren, Eisen⸗ und Stahlwaren, Wein, Branntwein und Kolonialwaren die Ausfuhr in Materialien für den Schiffbau, Olsaat, Ol und Olkuchen, Granit⸗ und Bausteinen Pierres de C. bis nach Amerika), Cerealien und Maschinen, nach England besonders in Kleesamen, Kartoffeln, Geflügel, Butter, Ciern, Früchten u. s. w. Außerst beträchtlich sind die Pferde- und andere Viehmärkte. C. (ein kelt. Name, irrtümlich in Cadomus, d. i. Caesaris domus, entstellt) ist unbekannten Ursprungs, scheint aber im 4. Jahrh. von den Sachsen angelegt zu sein; 1203 wurde es zur Kommune. Es war ehemals befestigt und ist noch durch das als Citadelle dienende Schloß gedeckt. C. hat mehrfache Belagerungen erfahren, besonders in den engl. Kriegen des 14. und 15. Jahrh. und zur Zeit der Hugenottenkriege, wo es bald im Besitz der Katholiken, bald in dem der Reformierten sich befand. Die Engländer besaßen die Stadt 33 Jahre lang und gründeten innerhalb dieser Zeit die Universität. Zur Zeit der Französischen Revolution, nach dem Sturze der Girondisten (1793), wurde durch letztere von C. aus ein Aufstand gegen die Jakobiner versucht, der jedoch für die Unternehmer sehr unglücklich endete. Charlotte Corday wohnte längere Zeit in C. und begab sich von da zur Ermordung Marats nach Paris. Caerdiff, Municipalstadt in Wales, s. Card iff.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 814Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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