FeedBornholm
ErdkundeBrockhaus 1882

Bornholm, eine Ostsee-Insel, welche ein Amt des dän. Stifts Seeland bildet, liegt 144 km eöstlich von Stevensklint auf Seeland, 45 km im SO. der ½ Provinz Schonen und 98km im NO. von ügen. Die Insel ist 40km lang, 28 km breit und bin ein Areal von 583,67 ꝗqkm. Kern der Insel ildet ein Felsenplateau aus Granit und Gneis, das sich bis 80 m erhebt und zwei Dritteile des Areals einnimmt. Auf demselben ragt die Rytterknegten bis 150m empor. An vielen Stellen wird das Plateau von langen, schmalen und tiefen Thälern durchschnitten, deren Boden mit fruchtbarem, schwarzem Erdreich bedeckt ist und einen üppigen Pflanzenwuchs nährt. Wo diese Thäler fehlen, ist die Oberfläche eine wellige, nur spärlich mit Erde bedeckte, fast nur mit Heidekraut und einzelnen Eichenpflanzungen bewachsene Ebene, Höilyngen (die hohe Heide) genannt. Nach den Küsten zu senkt sich die Felsplatte in schroffen Terrassen zu den jäh in ein tiefes Meer hinabstürzenden Gestaden. An der Westküste tritt eine Kohlenformation auf, die außer Steinkohlen auch gute Lehmarten birgt. Südlich derselben erhebt sich an der Südwestküste der Insel in der Nähe des Strandes der Kalkstein als graue Kreide. Die Einwohner, welche achet Abstammung nach Dänen sind, treiben starke Fischerei, bedeutende Rindvieh⸗, Pferde⸗ und Schafzucht, etwas Ackerbau und Bienenzucht, Vogelfang und Wollweberei. Sie verfertigen auch Töpfergeschirr und Uhren, sind durch Handel und Schiffahrt meist wohlhabend und dabei mutige, genügsame und tüchtige Seeleute. Das Amt B. gerfallt in vier nach den Weltgegenden benannte Herreder mit 7 Städten und 21 Kirchspielen und zählt (1880) 35 400 E. Dörfer gibt es nicht, sondern nur einzelne Güter und Höfe, von welchen die zu einem und demselben Kirchspiel gehörigen eine Kommune in kirchlicher und administrativer Hinsicht bilden. Jeder Landbesitz ist Selbsteigentum; adelige Güter und Herrenhöfe fehlen. Die Hauptstadt Rönne, an der Westküste gelegen, hat einen seit 1778 durch Kunst vertieften Hafen, Schiffswerfte, 80 eigene Schiffe von 6470 t Tragfähigkeit, eine höhere Realschule und (1880) 6472 CE. Von der Nordostküste 18 Km entfernt liegt die Inselgruppe Christiansde (s. d.). B. führt altnordisch die Namen Burgundarholm, Burgendas, Burgendaland, und später, im Mittelalter, wurde es orringholm genannt. Von 870—900 war es ein eigenes Königreich. Dann gehörte es der Krone Dänemark, kam aber 1149 bis auf das königl. Viertel, dann 1299 ganz als Lehn an das Erzbistum Lund, bis es 1520 durch Christian II. wieder königlich ward. Nachdem die Insel 1510 von den Hanseaten verheert worden, eroberten 15²² die Lũbecker; 1526 wurde sie auf 50 Jahre an dieselben verpfändet. Die Schweden eroberten B. unter Wrangel 9. Juni 1645 und erhielten es im Roeslilder Frieden 1658 förmlich abgetreten. Noch im Dezember desselben Jahres befreite sich jedoch die Bevölkerung selbst von der schwed. Herrschaft durch den Aufstand unter Jens — und 1660 wurde darauf B. im Kopenhagener rieben an Dänemark zurückgegeben. Vgl. Hauberg, «B. i Billeder og Texte (Kopenh. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 348Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6