FeedHelgoland (engl. Heligoland)
ErdkundeBrockhaus 1882

Helgoland (engl. Heligoland), ein kleines, jetzt Großbritannien zugehörendes Felseneiland der Nordsee, welches, 56 Em von dem nächsten Punkte Schleswigs (Eiderstedt) und 58 Em im NW. von Cuxhaven gelegen, die Mündungen der Elbe, Weser und Eider beherrscht und von einigen andern Sandinseln oder Dünen und verschiedenen Klippen und Riffen, unter denen der sog. Mönch die vorzüglichste, umgeben ist. Die Insel, nur 0,55 akm groß, wird in das Ober- und Unterland eingeteilt. Jenes hat bei 1792 m Länge und 600 m Breite 3978 m im Umfang und ist 60 m, im höchsten Punkte 66 müber der Meeresfläche erhaben; dieses, ein flaches Vorland aus rötlichem Thon und Rollsteinen, hat jetzt kaum noch einen Umfang von 900 m, weil die Fluten des Meers heilen rotn größere oder kleinere Massen von den steilen roten Keuperfelswänden abspülen. Die vor den Wänden isoliert aus dem Meere sich erhebenden und die Insel gegen die Wut der Wellen schützenden Cand. heißen die Brünne, d. i. der Panzer. Die Sandinseln haben nur zwei Fünfteile des Botlande von H. Etwa 1200 möstlich von dem Vorlande liegt eine 300 m lange und 100 mebreite, 6 müber der Meeresfläche erhabene Sanddüne, an deren westl. Strande das Seebad liegt. Dieselbe hing bis 1720 durch einen Landstreif mit der Insel zusammen. Der obere Teil der Insel ist zwar Felsengrund, aber mit einer fruchtbaren Erde bedeckt, welche Gras und Klee, Gerste, Kartoffeln, auch niedrige Sträucher trägt. Auf diesem Teile der Insel steht der Leuchtturm von 80 m Seehöhe und Regenwasser. Ein submariner Telegraph führt zur deutschen Küste. Auf H. war in ältester Zeit ein Heiligtum des Gottes Fosite, der bei allen Friesen in hohem Ansehen stand, bis der heil. Willebrod 785 dasselbe zerstörte. Mit Nordfriesland kam die Insel an das Herzogtum Schleswig, war bis 1712, wo Dänemark sie unterwarf, ein Besitztum der Herzöge von Gottorp, wurde aber 1807 von den Engländern besetzt, welche sie während der Kontinentalsperre Napoleons I. zur Hauptniederlage ihres Iu iehn handels mit dem Festlande machten. Im Kieler Frieden trat Dänemark 1814 H. förmlich an England ab. Die brit. Regierung bezieht von der Insel eine geringe Getränk⸗ und Hausburch nebst Kurtaxe, und läßt die Verwaltung urch einen Gouverneur, der gewöhnlich Stabsoffizier ist, besorgen. Ihm steht ein Rat zur Seite. Die alten fries. Gesetze bilden das helgoländer Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. Landrecht, das nur aus 14 Artikeln besteht. Die Einwohner sind im allgemeinen von einfachen und strengen Sitten, und zu keiner Zeit war ein Gefängnis auf H. vorhanden. Die Helgoländer bekennen n luth.⸗evang. Kirche und wählen ihre Prediger selbst, von denen der jüngere zugleich den Unterricht in der obern Klasse der Schule besorgt. her Wob der Geistlichen liegt dem Landeserrn ob. Vgl. Oetker, «&H., Schilderungen und Erörterungeno (Berl. 1853); Wallace und Parkinson, „Der unentbehrliche Begleiter nach H. » (5. Aufl., hven 1882); Seelig, «Führer durch H. und Curzage von Helgoland. Das Seebad zu H. entstand 1826 durch den Vorschlag von der Deckens und I namentlich seit der regelmäßigen Dampfbootverbindung mit Hamburg, Cuxhaven und Geestemünde, eins der besuchtesten der Nordsee. Der Hauptplatz für die Bäder ist die Düne. Auch an der Ostseite der Insel besteht eine Badeanstalt sowie ein vorzüglich eingerichtetes Schwimmbassin.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 80Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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