Bozen, Botzen, ital. Bolzäno, Hauptstadt des ehemaligen Etschkreises, jetzt einer Bezirkshauptmannschaft in Tirol, 260 m über dem Meere, an dem Einfluß der Talfer in den Eisak und an der südtiroler Eisenbahn (Brennerbahn) und der Zweiglinie nach Meran, besonders schön in einem Kesselthale gelegen, mit (1880) 10641 C., ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, eines Hauptzollamts, eines Militärstationskommandos und eines Kollegiats. Auch befinden sich hier eine Handels⸗ und Gewerbekammer, ein Obergymnasium, ein Privatgymnasium, eine Lehrerbildungsanstalt und Übungsschule, eine städtische Knaben⸗ und Mädchenschule, eine Staatsunterrealschule, eine Sparkasse, eine Kleinkinderbewahranstalt, ein Erziehungsinstitut für arme Knaben (Raibethinum), drei Klöster und ein neuerbautes Spital. Die Stadt, welche durch einen großen, zugleich als Spaziergang dienenden Steindamm gegen die Überschwemmungen der Talfer geschützt wird, zeigt in ihrem innern Teile, der Altstadt, vielfach ital. Bauart, mit engen, aber reinlichen Gassen und ge9½ Laubengängen. Außer dem Musterplatz, dem Obstplatz mit einem schönen Brunnen, verdient Erwähnung der Dih stanmnen mit dem herrlichen, aus dem 14. Jahrh. stammenden Bau der großen got. Hauptkirche, welche, in drei Schiffe geteilt, einen prachtvollen Hauptaltar und einen künstlichen, 1591 Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. von Johann Lutz erbauten Turm besitzt. Hinter der Kirche befindet sich der schöne Friedhof mit Arkaden, welche gute Fresken und Bildhauerarbeiten von Rainalter zieren. Sonst sind noch das Merkantil12111848 der Palast des B. we 8 Rainer, der eit 1848 seinen Wohnsitz zu B. wählte und in der genannten Hauptkirche begraben liegt, der graslich zur Kaiserkrone mit kleinem Theater, das gräfli Sarntheinsche Palais und das Deutschordenshaus ansehnliche Gebäude. Am südwestl. Ende der Stadt ist neuerdings ein neues Viertel mit schönen Anlagen entstanden. Obgleich die Messen der Stadt von ihrer frühern Bedeutung viel verloren haben, so ist B. doch noch immer der Mittelpunkt des Gechäftsverkehrs im deutschen Südtirol. Hauptartikel es Handels sind Wein und Obst. Auf industriellem Gebiete ist eine Baumwollfabrik hervorzuheben, die 200 Arbeiter beschäftigt. Besondere Sorgfalt wird auf die Kultur des Obstes und Weins verwendet, welche, vom milden Klima außerordentlich begünstigt, die Haupteinnahmequelle der Umgegend bildet. Der Export der Südfrüchte, nach Norddeutschland und Rußland gerichtet, hat seit der Cröffnung der Brennerbahn (1866) einen außerordentlichen Aufschwung gewonnen. Für konservierte Früchte und Gemüse bestehen in B. zwei +1r7 mit ansehnlichem Export nach der Schweiz, eutschland, Rußland und Amerika. Die Geschichte erwähnt B. schon unter den Römern (378), dann unter den Longobarden (680) und den Franken (740). Später war es der Sitz bayr. Grenzgrafen welfischen Geblüts, kam 1027 durch Schenkung Konrads II. an die Bischöfe von Trient, wodurch es Gegenstand des Streites zwischen letztern und den Wenster von Tirol wurde, bis es endlich 1363 unter österr. Hoheit fiel. In der Umgebung von B. liegen: Schloß Sigmundskron, jetzt Pulverdepot, mit schöner Aussicht über das Etschthal; die einst gefeierte Feste Runglstein mit altdeutschen Fresken; die Abtei Gries mit einer schönen Kirche, durch Fresken und Bilder von Knoller geiert; endlich die Burgen Maultasche und Greifensiein auf fast unersteiglichem Felsen und viele andere Schlösser und Burgruinen. Auf den Gehängen des Rittnerhorns bei Lengmoos finden sich natürliche Erdpyramiden von 20—32 m Höhe. Vgl. Trentinaglia, B. mit seiner Umgebunge (Briren 1868); 184955 „(B. und Umgebungo (Gera 1872; 2. Aufl. 1879); Noé, „Bozener Führer (Bozen 1880).