FeedBrahmaputra
ErdkundeBrockhaus 1882

Brahmaputra ist der Name des dritten Hauptstroms von Indien. Der Lauf desselben zerfällt in drei verschieden genannte Teile oder Abschnitte, einen obern, mittlern und untern. Nur diesem letztern, innerhalb Indiens gelegenen Teil kommt eigentlich der von den europ. Geographen auf den anzen Strom übertragene Name B. zu. Derselbe entspringt im westl. Tibet, unter 30° 25˙ nördl. Br. und 82˙ 5 östl. L. (von Greenwich), am nördl. Fuße des Himalaja, östlich von den heiligen Seen Manasa-Sarowara, an deren Westseite die Quellen des Indus und Sadlads. 9 gelegen sind, und durchströmt, Varry, Naru-San-Bo-tsiu, Machang-Sangpo oder bloß Sangpo genannt, genau in der Richtung von W. nach O., parallel mit der Kette des Himalaja, das südl. Tibet in der Länge von 1650 km. Seine beträchtlichsten Nebenflüsse in diesem obern Teile seines Laufs, sämtlich auf seinem linken oder nördl. Ufer Slun sind, von W. nach O. gezählt, der Charta-Sangpo, der Raka-Sangpo und der Kiho oder Kischo, an welchem Llassa, die Hauptstadt von Tibet, gelegen ist. Hierauf macht der B. im südöstl. Teile von Tibet eine Krümmung gegen O. und durchbricht alsdann, seinen Lauf von N. nach S. nehmend, unter dem Namen Dihong, das hochgelegene, sich an das östl. Ende des Himalaja anschließende, unzugängliche und wenig bekannte Alpenland, teilt dasselbe in einen 1 Dill en, von den wilden Slo oder Abor, und einen östlichen, von den Mischmis oder Nahongs bewohnten Teil und tritt hierauf als B. in die ind. Landschaft Assam. Daß der Dihong wirklich eine Fortsetzung des Sangpo und die mittlere Strecke des B. sei, ist erst durch die Reisen ind. Pandits und die von T. T. Cooper (The Mischmeée Hills: an account of a journey made in an attempt to penetrate Thibet from Assam ete.v, Lond. 1873) zur Evidenz gebracht. Nach seinem Eintritt in Assam vereinigen sich mit ihm, von Norden herkommend, der Sansiri und der Dibong, sowie von O. sich in ihn ergießend der Brahmakand, den man früher für den obern Lauf des B. hielt. Diese Vereinigungsstelle liegt unter 27² 50 nördl. Br. und 95 20 östl. L. (von Greenwich). Hier nimmt der B. die Richtung von O. nach SW. an, durchströmt ganz Assam in der Länge von 570 km, umzieht hieramj unterhalb der Stadt Goalpara in einem gegen SW. gerichteten Bogen das Garugebirge, bildet die Grenze zwischen dem Distrikt Goalpara von Assam und dem Distrikt Rangpur von Bengalen, tritt alsdann in die Ebene von Bengalen ein und durchströmt diese zuerst in südl., später in südöstl. Richtung. Nach einem Laufe von 386 km erhält er den Namen Meghna, empfängt 40 km weiter unten durch den Kanal von Kirtynassa einen Teil des Ganges und tritt nach einem Laufe von m 144 km mit drei, zur Bildung des östlichsten Teils der Sunderbunds mitwirkenden Hauptmündungen in das Meer. Der B. ist durch einen großen Reichtum an Inseln ausgezeichnet. Seine ganze Länge beträgt 2888 Kkm, also enau soviel wie die des Indus, der Flächeninhalt ne Thals 395435 qlem. H. Schlagintweit fand en B. bei Gowahatti, 26* 9 nördl. Br. und 91r 45 östl. L. (von Greenwich) 1509 m breit und 23,930 m tief. Er berechnete, daß in einer Sekunde 25330 cbm Wasser vorbeiflossen. Wie der Ganges als weibliche Gottheit, wird der B. als männliche, als Sohn des Brahma, von den Hindu für heilig gehalten und verehrt. ö der Name einer religiösen Sekte Indiens, welche 1830 von dem Brahmanen Rammohun Rony (geb. 1774 zu Radhnagar, gest. 1833 zu Bristol) ½ wurde zu dem Zwecke, sich ohne besonere Kultusformen zu erbauen und unter Annäherung der verschiedenen Religionen Menschenglück zu befördern, Tendenzen, welche in Indien nicht neu waren und bereits Kaiser Akbar beschäftigt atten. Rammohun Roys Nachfolger wurde 18⁰⁴ ebendra Nath Tagor, welcher einem reinen Deismus huldigte, während der später hinzugetretene Keschub Chunder Sen sich zu einem geoffenbarten Deismus bekannte, wie er mehr dem religiösen als dem spekulativen Bedürfnis des Menschen entspricht. Keschub brach entschieden mit dem Hinduismus; aber die von ihm angestrebten weitgehenden Reformen (Aufhebung der Kasten, obligatorische Ablegung der Brahmanenschnur, namentlich aber eine größere Freiheit auf dem Gebiete der Cheschließung) bewirkten eine Spaltung der Gemeinde in eine konservative Partei unter Debendra und eine Fortschrittspartei unter n Letzterer trat nun an die Spitze der Reformbewegung, welche durch Missionare in verschiedene Gegenden Indiens Diefer & wurde, sodaß es 1876 bereits 128 zu ieser Sekte gehörige Gemeinden gab. Die Andachten derselben bestehen darin, daß an den Sonntagen Abschnitte aus dem Veda, dem Avesta, der Bibel oder dem Koran vorgelesen und daran Disputationen geschlossen werden. Auch hatte Keschub 1870 die Reform-Association zu Kalkutta gegründet zur Beförderung eines anDesitter⸗ moralischen Lebens, zur Verbreitung der Litteratur und *r Hebung des Loses der Frauen, zu welchem etztern Zwecke die 1871 durch Petition von der Regierung erlangte Native Marriage Act (Anerkennung der Cidilehe in gewissen Fällen) besonders beitragen sollte. Iudessen führte der immer aus-Die von iln Hang Keschubs zum Mystizismus sowie ie von ihm zum Ärger der Gemäßigten vollzogene Verheiratung seiner Tochter mit einem bdete ich abermals eine Spaltung herbei, und es bildete si 1877 eine neue nach rein rationalistischen rinzipien, welche Keschub ganz und gar aus der eitung verdrängte, sich dagegen der gemäßigten Sekte unter Debendra näherte und mit dieser gemeinschaftlich das 50jährige 27 der Stiftung des Somadsch feierte. Als Versuch europäisch ebildeter Hindus, zwischen den verschiedenen Re igionen zu vermitteln und dem religiösen Rationalismus eine bestimmte Form zu geben, verdient der Brahmaismus auch in Europa Beachtung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 431Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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