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ErdkundeBrockhaus 1882

Assam, zur Präsidentschaft Bengalen gehörendes Hauptkommissariat (Chiet-Commissionership) des indobrit. Reichs von 117327 qkm Flächeninhalt, nördlich von Bhotan und dem östlichsten Teile des Himalaja, nordöstlich von dem Nunlingebirge, östlich von Birma und Manipur, südlich und — von der Lieutenantgouverneurschaft der untern Provinzen begrenzt. Im N. des Brahmaputra reichen die Südabhänge des Himalaja in A. bintim, im S. von ihm erheben sich isoliert die Ketten der Garu⸗ und Khasia-Berge, während sich auch von der östl. Grenzkette gegen Birma, Nagat Patkoi, Ausläufer in das Tiefland hineinerstrecken. A. umfaßt das Thal des Brahmaputra, vom Eintritte dieses Flusses in Indien an bis dahin, wo er sich seiner Vereinigung mit dem Ganges zuwendet. Er nimmt, ++½ er A. durchströmt, 61 Nebenflüsse auf. Die letztern sind sehr reißend und verursachen oft Üüberschwemmungen, die im Mai gewöhnlich ihren höchsten Stand erreichen und schon in frühester Zeit die Anlage jetzt meist verfallener großer Bands oder Wegedämme veranlaßten. Das Thal des Brahmaputra Mßert größtenteils aus einem dem Pflanzenwuchse äußerst günstigen Alluvialboden, während seine zahlrei-Sei Inseln mehr sandiger Art sind. Zu beiden eiten dieses breiten Alluvialgebiets zieht sich ein üer liegendes, nur selten von den jährlichen berschwemmungen mit betroffenes, allmählich zu Beroßetten a aus Granit und Gneis bestehenden ergketten aufsteigendes Land hin. Das Klima ist gemäßigter als in Bengalen. Die Wärme beträgt in den vier heißesten Monaten 26 — 27 C., in den kühlern 13 —14 C. Die Regenzeit reicht vom März bis Mitte Oktober. Während der kühlen Jahreszeit herrschen, namentlich in den südlichern Strichen, dichte, ungesunde Nebel. Erdbeben sind sehr häufig. A. hat ausgedehnte Steinkohlenlager, daneben Steinölquellen, auch Salzquellen, Er ueit shwe und in den Flüssen Goldsand. Der meist schwere und schwarze Boden ist uüberaus 3. Dihang Weite Strecken sind mit Wäldern und Dschangels bedeckt. Die Flora von A. on viele Nutz⸗ und Farbehölzer, eine Menge von Textilpflanzen und andere nützliche Gewächse ervor. Verschiedene Ficus-Arten liefern Kautchuk und eine Terebinthineen-Art epnisen c. Vorzugsweise sind von Bodenerzeugnissen erwähnen Zuckerrohr, Tabak, Betelnüsse, Opium, feffer, Ingwer, Reis, Weizen, Gerste 221— Baumwolle und Thee. Letzterer ist hier einheimi ch ind in neuerer Zeit ein sehr wichtiger Gegen-2 tand der Kultur geworden. Die Assamthee-n lompagnie läßt das Produkt durch Chinesen in r zroßen Anpflanzungen im Gebiete der Mattack l oder Mumarja in Oberassam kultivieren. Diese l Kultur ist in raschem Zunehmen; 1861 waren 4850, 1872 bereits 12677 ha mit Thee bepflanzt. Die Dschangeln und Wälder wimmeln von wilden Clefanten; außerdem gibt es wilde Büffel, Wildschweine, Rhinocerosse, Tiger, Leoparden, Bären ö und vieles andere Raub⸗ und Jagdwild. Neben ezähmten Elefanten und Büffeln hält man OchTsen Schafe, Ziegen und Pferde. Von den Einwohnern, deren Zahl (1872) 4162019 beträgt, sind 65 Proz. Hindus, 27 Proz. Mohammedaner, die übrigen wilde Stämme des Berglandes, wie die Garu und Khasi in den südl. Grenzgebirgen, ferner die Khamti und die 4NHe in den nordöstlichen tibetan. Grenzgebirgen. Die Assamesen sind kleiner und stämmiger, weniger anmutig als die Pachenkuge Hindu und zeigen in hervortretenden Backenknochen und flachem Gesicht ein an die Chinesen einigermaßen erinnerndes Gepräge. Die Sprache ist der bengalischen —. verwandt, der Brahmanismus die verbreitetste Religion. Die Industrie hat nur Bedeutung rücksichtlich der Seidenzucht und der Verarbeitung der Seide. Auch der Handel ist nicht ausgedehnt und meist in den Händen der Keiahs, ursprünglich Einwanderer aus Marwar. Die Ausfuhr besteht hauptsã ** aus Stangenlack (Erzeugnis eines kleinen Insekts, Coccus ficus, welches die Zweige der Ficus religiosa und anderer Bäume damit überzieht), Baumwolle, Senfsamen, Seide, Elfenbein, Gold und Thee; die Einfuhr vor allem aus Wol Kupfer, Eisenwaren, Glas, Baumwoll- und Wollgeweben. Der Handelsverkehr mit dem asiat. Hochlande erscheint nicht ganz unbedeutend. A. besteht aus 13 bis jetzt 9 0 nicht zu Divisionen verbundenen Distrikten und hat vorwiegend zerstreute Ortschaften und nur einige wenige stadtchena Wohnstätten, von denen Gauhatti, der ehemalige Hauptort von ganz A., am Brahmaputra, mit 11 492 E., und Silhat im Süden, mit 16 846 E. die größten sind. Die Geschichte von A. ist wenig bekannt. Die Bevölkerung war kriegerisch und unabhängig gesinnt, sodaß selbst das Reich von Delhi, zur Zeit seiner größten Macht, A. nicht zu unterwerfen vermochte. Der Verfall der Selbständigkeit von A. datiert seit 1770, wo die Engländer zuerst mit demselben in Berührung kamen. Zu Anfang des 19. 00 hingen bereits einige Distrikte von der Britis Ottindischen Kompagnie, andere von den Birmanen ab. Die Eroberung des Landes durch die Birmanen 1823 Ra ten. Dir Brit dem Kriege zwischen beiden ächten. Die Briten nahmen das Land 1825 und machten es zu einer Provinz ihres Reichs; im Tewar zu Handabu von 1826 wurde es von den Birmanen förmlich abgetreten. Die nördlichsten Regionen des Landes, das Tarai, auch Katscha Whie genannt, entrissen die Briten 1865 dem Radscha von Bhotan. Vgl. Flex, «Kulturgeschichtliche Bilder aus A. » (Berl. 1873); Hunter, 4 statistical account of A.% (Bd. 1, Lond. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 74Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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