Brahmänen, im Indischen Brahmana, d. h. Söhne des Brahma, nach franz. Schreibart oft auch Braminen genannt, heißen die Gottesgelehrten der Aanten Sie bilden die oberste der vier erblichen Kasten Indiens. ührs Bestimmung ist, die Religion Brahmas rein zu bewahren; daher müssen sie die Vedas studieren und die Opfer und den Tempeldienst besorgen. Auch sollen sie den Fürsten als Ratgeber und Aunde des Gerichts dienen und als Arzte die leidende Menschheit trösten. Die alten ind. Gesetze heben ihre Heiligkeit und Unverletzlichkeit auf das eindringlichste hervor, und die ind. Sage bezeichnet die Würde derselben durch den Bericht, daß dieser Stand aus dem Haupte des Gottes Brahmä hervorgegangen, während die drei andern Stände, der Krieger, Bürger und Diener, aus den untern Teilen seines Leibes entsprossen seien. Das Leben des B. zerfällt den Gesetzen gemäß in vier Stufen. Nachdem der junge B. durch die feierliche Anlegung einer Schnur als wirkliches Mitglied seiner Kaste aufgenommen worden, beginnt er das Studium der heiligen Bücher und wird Brahmatschärin. Im Beginn des Mannesalters soll er sich vermählen und als Grihastha einen Hausstand gründen. Hat er einen Sohn erzeugt und diesen bis zum Jüngling unter seinen Augen für den heiligen Beruf gebildet, so soll er die Welt meiden und als Vanaprastha in der Einsamkeit eines Waldes sich der Betrachtung der Gottheit hingeben, dann als Bhikschu (religiöser Bettler) herumwandeln und von Almosen leben. So gelangt er, von allem Irdischen gereinigt, zum Anschauen der Gottheit und kehrt als — rein zu dem Urquell alles Daseins zurück. Noch jetzt Deneden die B. in Indien großes Ansehen und bekleiden an den Höfen ind. Fursten wichtige Stellen. Doch gibt es unter ihnen auch viele, welche in Dürftigkeit leben und gezwungen sind, Erwerbszweige zu ergreifen, die ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht entsprechen. (S. Ka ste.)