FeedBrandes (Joh. Christian)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Brandes (Joh. Christian), dramatischer Dichter, geb. 15. Nov. 1735 zu Stettin als Sohn eines Kaufmanns, hatte, da sein Vater Bankrott machte, schon als Knabe viel Not auszustehen. Nachdem er als Handlungslehrling einer entdeckten Veruntreuung wegen flüchtig geworden und dann erst in Berlin und nachher bei einem holstein. Edelmanne Bedienter gewesen, trat er 1756 in Lübeck in die Schönemannsche Schauspielergesellschaft und ging mit ihr nach Hamburg. Als Schönemann seine Geber aft auflösen mußte, wurde B. Schreiber in er Zeitungsexpedition des Dichters Dreyer, der sein Freund wurde, dann Bedienter und Schreider bei einem dän. General und endlich wieder Schauspieler. Er war nacheinander Mitglied bei mehrern der damals angesehensten Schauspielergesellschaften und führte kurze Zeit die Direktion des neuerrichteten Hoftheaters in Dresden und des unter Schro-Theaters, bei welchem er auch nachher unter Schröders Direktion blieb. Nachdem er seine Gattin und seine Tochter durch den Tod verloren, 300 er sich von der Bühne zurück und ging anfänglich nach Stettin, zuletzt nach Berlin, wo er 10. Nov. 1799 starb. Er war als Schauspieler nur mittelmäßig, aber ein fruchtbarer und beliebter Bühnendichter. Seine Trauerspiele sind unbedeutend, dagegen haben seine Lustspiele Wert, die sich durch Bühnenkenntnis, lebendige Haldlno⸗ gelungene Charakteristik und fließenden Dialog vor den meisten andern ihrer Zeit auszeichnen. Zu den besten gehören: »Der cdelte oder Trau, schau, wem» (1767), «Der 6. adelte Kaufmanno (1769) und der 4Graf von Olsbachs (1768). Sein Melodrama «Ariadne auf Naxoso, eine Bearbeitung der Gerstenbergschen „Ariadnev, machte mit den Musiken von Benda (1778) und Reichardt (1780) großes Glück. Er selbst veranstaltete eine Ausgabe seiner Sämtlichen dramatischen Schrifteno (8 Bde., Hamb. und Lpz. 1790 —91). Kurz vor seinem Tode schrieb er mit anziehender Naivetät und Aufrichtigkeit seine interessante und belehrende Selbstbiographie (3 Bde., Berl. 1799 — 1800; 2. Aufl. 1802—5). — Seine Frau, Esther Charlotte, geb. Koch, 1742 zu Großrosinsko in Ostpreußen geboren, war eine ausgezeichnete Schauspielerin, die besonders in dem von ihrem Gatten für sie geschriebenen Melodrama „Ariadne auf Naxoso ihre Triumphe feierte, aber schon 13. Mai 1786 zu Hamburg starb. — Seine Tochter Charlotte Wilhelmine 5 1 iska B., Rai 1165,“ Minna B. genannt, geb. zu Berlin 21. Mai 1765, entwickelte ein bedeutendes Gesangstalent und versuchte sich auch in eigenen Kompositionen, welche nach ihrem Tode erschienen. Sie trat zuerst 1782 zu Weimar auf und starb 13. Juni 1788 als erste Sängerin zu Hamburg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 443Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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