Benedix (Jul. Roderich), beliebter deutscher Lustspieldichter, geb. 21. Jan. 1811 zu Leipzig, erhielt seine Bildung auf der Fürstenschule zu Grimma dann auf der Thomasschule zu Leipzig, wandte sich aber 1831 nach Vollendung des Gymnasialkursus der Bühne zu. Er fand zuerst eine Anstellung bei der Bethmannschen Truppe, die in Dessau, Köthen, Bernburg, Meiningen und Rudolstadt spielte, war dann * 1833 als Tenorist an verschiedenen Theatern Westfalens und des Rheinlandes thätig und lernte — alle Leiden und Freuden eines künstleri⸗ * anderlebens kennen. Später kam er nach ainz und Wiesbaden, dann als Regisseur an das Wintertheater in Wesel. Hier brachte er sein Lustspiel Das bemooste Haupte (1841) auf die Bühne, das mit dem entschiedensten Beifall die Runde über alle Theater Deutschlands machte und für B. Leben entscheidend wurde. Hierauf entsagte er der Bühne als ausübender Künstler und übernahm ner Wl zu Wesel die Redaction des Sprechero, einer Volkszeitschrift. Von dort siedelte er 1842 nach Köln über, wo er sich teils mit litterarischen Arbeiten, teils mit Vorlesungen vor größern Kreisen beschäftigte. Nachdem er im Winter 1844—45 die Leitung des neuen Theaters in Elberfeld geführt, wirkte er 1847 —48 als Oberregisseur des kölner Stadttheaters und erhielt 1849 eine Lehrerstelle an der von Hiller eingerichteten Rheinischen Musikschule. Im J. 1855 ing er als Intendant des Stadttheaters nach Frank4 a. M., legte jedoch Ende 1858 diese Stelle nieer und wandte sich wieder nach Köln, 1861 nach Leipzig, wo er die litterarische Thätigkeit wieder aufnahm und nach längerm Leiden 26. Sept. 1873 baner Als Lustspieldichter hat B. glänzende und auernde Erfolge geerntet, und viele seiner dramatischen Arbeiten sind Lieblingsstücke des deutschen Volts geworden. Außer dem „Bemoosten Lentlich olgende vorzüglichen Beifall gefunden: Doktor „Der Vetterv, Eigensinno, Der Kaufmannv, Die Hochzeitsreisen, Die Eifersüchtigene, „Der Prozeßo, wandtend, Das Stiftungsfestꝰ. Auch sein Schaupiel Mathildes ward mit Beifall gegeben. Manche seiner Stücke sind auch ins Französische, Englische, ht worben⸗ Russische, Ungarische, Böhmis eübersetzt worden. B. Lustspiele, die sich mit Vorliebe in der Sphäre des höhern Bürgerstandes bewegen, charakterisieren s durch geschickte Anlage sowie durch gewandte, spannende Durchführung und erheiternde Wirkung. Die Sprache in denselben ist uweilen trivial, aber rein und ungesucht. Die schin Mehrzahl seiner dramatischen Arbeiten findet sich in „Gesammelte dramatische Werker (27 Bde., Lpz. 1846—74). Eine Sammlung kleiner Lustspiele für gesellige Kreise stellte er im Haustheatero (Lpz. 1862; 8. Aufl. 1880) zusammen. Außer zahlreichen, in Zeitschriften zerstreuten Erzählungen veröffentlichte er Deutsche Volkssagend (6 Bde., Wesel 1839 —40) und eine Geschichte der Freiheitskriege unter dem Titel 41813, 1814, 1815. Ein Volksbuchv (6 Hefte, Wesel 1841). Auch gab er den „Niederrheinischen Volkskalender» von 1836—42 mit vielen eigenen Beiträgen heraus. Voll Frische und Leben, weil auf eigener Erfahrung beruhend, ist sein Roman «Bilder aus dem Schauspielerleben (2 Bde., Lpz. 1847; 2. Aufl. 1851). Bierzu kamen die Gedichtsammlung: „Die Mutter. Bilder aus dem Leben» (Lpz. 1867), und einige wertvolle didaltische Werke, wie Die Lehre vom mündlichen Vortrag (Köln 1852), „Der mündliche Vortrage (3 Bde., Lpz. 1860; 3. Aufl. 1872 —76), „Das Wesen des der Redekunste (3. Aufl., Lpz. 1881) und «Katechismus der deutschen . . (Lpz. 1872). Nach seinem Tode erschien die S rift: Die Shakspearomanie. Zur Abwehr» (Stuttg. 1874), in der B. gegen die übertriebene Bewunderung des brit. Dichters auftritt. Eine Auswahl seiner Lustspiele erschien im Volkstheater (20 Bde., Lpz. 1882).