Brassica L., lat. Name der Kohlarten, welcher von Linné einer Pflanzengattung aus der 15.Klasse, 1.Ordnung, seines Systems und aus der natürlichen Familie der in nrri⸗ gegeben wurde, zu der nicht allein die Kohlarten (mit Ausnahme des Meerkohls, s. Crambe), sondern auch verschiedene Rüben und alle unsere Olgewächse, sowie albie wildwachsende Kräuter, Stauden und Halbsträucher Europas und der Mittelmeerländer Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. ehören. Von der ihr zunächst verwandten Gattun inapis, Senf, unterscheidet sie sich durch die blo mit einem Mittelnerv versehenen Klappen und den kurzen samenlosen Schnabel der Schote, sowie durch die ßzen Aee Kelchblätter, von andern schotenfrüchtigen Kreuzblütlern durch die geschnäbelte, wal-Reibe kuae Schote, deren breite Fächer nur eine eihe kugeliger Samen enthalten. Die wichtigsten Arten sind: 1) Brassica oleracea L., vorzugsweise die Kohlpflanze genannt; diefelbe ist zweijährig, hat fleischige, kahle, bald grün, bald anders gefärbte Blätter, und lange, schlaffe Blütentrauben mit gelben Blumen und 5 aneinanderliegenden Kelchblättern. Zu dieser, seit den ältesten Zeiten kultivierten Art, welche sich wild Rordseen richtiger verwildert) hier und da an den ordseeküsten als über und über seegrün bereiftes, kleinblätteriges Kraut mit ästigem, holzigem Sten190 findet, gehören: Blattkohl, mit flachen, eine ockere Rosette bildenden, großen Blättern von grüner, blaugrüner oder purpurblauer Farbe; der Grünkohl, Braunkohl, Blaukohl oder —17 derkohl, mit fiederspaltigen, leierförmigen oder erschlitten, krausen Blättern von verschiedener Farbe, welche ebenfalls eine offene, lockere Rosette bilden; der Savoyerkohl, Welschkohl, Herzkohl oder Wirsing, mit grünen, blasig-unebenen, am Rande krausen, in einem nur im Centrum dichten, sonst lockern Kopf zusammenschließenden Blättern; der Kopfkohl oder das Kopfkraut, auch schlechtwbeg Kraut (Weißkraut, Rotkraut, Blaukraut), mit glatten, ebenen, einen 96 geschlossenen Kopf bildenden Blättern; der Rosenkohl, mit flachen, lockern Blättern, in deren Winkeln Knospen entstehen, welche im Alehne Brat zweiten Jahres (am Strunke) sich in kleine Blattrosetten Rosen) verwandeln, die sich später zu blütentragenden Asten ausdehnen; der Blumenkohl oder Carviol und der Broccoli oder Spargelkohl, die eigentümlichste Abart, mit fleischig-saftig gewordenen Blüten und Blütenstielen, und der Kohlrabi, mit flachen Blättern in lockerer Rosette und rüben- oder knollenförmig angeschwollenem, fleischig-saftigem Stengel, u. a. m. Der Kultur ist es auch gelungen, einzelne Kohlsorten zu perennierenden Pflanzen zu machen. Die interessanteste Sorte ist der Baumkohl, eine Abart des Braunkohls, welcher in gutem Boden mannshoch werden und ein Alter von 10 J. erreichen soll. Die zahllosen Kohlsorten mit ihrenstärkemehlreichen und zuckerhaltigen Blättern bilden ein wichtiges Nahrungsmittel für Menschen und Vieh in allen Zonen, mit Ausnahme der Aquatorial⸗ und Tropenzone, weshalb ihre Kultur über die größere Hälfte der Erdoberfläche verbreitet ist. 2) Brassica campestris L. Kulturpflanze, welche von der auf den Inseln des Mittelländischen Meers (z. B. auf Corsica und den Balearen) heimischen B. asperifolia Lam. abzustammen scheint und deren verschiedene Abarten teils nur als Sommergewächse, teils gleichzeitig als Sommer⸗ und Winterfrucht (ein- und zweijährige Pflanze) angebaut werden. Die untern Blätter sind Deobernt⸗ gestielt, anfangs zerstreut steifhaarig, die obern stengelumfassend, ganzrandig, alle blau beduftet, die Blüten von Anfang an in eine Traube gestellt, die sich später stark verlängert, die Kelchblätter zuletzt abstehend, die Blumenblätter groß, goldgelb, die Staubgefäße um ein Drittel länger als die Kelchblätter. Die Schoten haben einen Duubeß langen, sich allmählich verschmälernden Schnabel. Hierher Wurel die Kohlrübe, mit dicker fleischigsaftiger Wurzel von sehr verschiedener Größe, Gestalt und Farbe (weiße und gelbe mohlrabt! Steckrübe, Rutabage, Unter-oder Bodenkohlrabi u. s. w.), und der Raps, Reps, Kohlraps, Kohlreps, mit dünner, holziger Wurzel und ölreichen Samen, unser 308. desde und am häufigsten angebautes Olgewächs, dessen Blätter (diejenigen des Winterraps im ersten ihlinge) auch bisweilen als Ge-Rüf und Salat genossen werden (Schnittkohl, Rübsen⸗, Rapssalat). 3). Brassica Rapa L., Kulturpflanze von unbekannter Herkunft und einjähriger oder auch zweijähriger Dauer, mit Gattern un Wurzelblättern, blauduftigen Stengelblättern, mit anfangs in eine ebene Doldentraube, welche sich später in eine lange Traube verwandelt, gestellten Blüten, kleinern, sattgelben Blüten und dünnem, IrEgnpich migem Schnabel, sonst der vorigen Art sehr ähnlich. u ihr gehören der Rübsen, Rübsame oder übenraps, mit ölreichen Samen und schmächtiger Wurzel, unsere zweitwichtigste, vielfach angebaute Olpflanze, und eine Abart mit fleischig-saftiger Wurzel (Rübe), deren zahllose Sorten sehr verschiedene Namen führen (weiße Rübe, Tellerrübe, Mairübe, Wasserrübe, Stoppelrübe, Steckrübe, märkische Rübe, teltower Rübe, bayr. Rübe, braunschw. Rübe, Turnips u. a. m.). 4) Brassica Napus L., Kulturpflanze, die wild im nordöstl. Deutschland vorkommt, nur als Olfrucht gebaut wird und wohl ein Bastard von Raps und Rübsen ist. Sie gleicht bezüglich der Anordnung, Größe und Farbe der Blüten sowie des Fruchtschnabels dem Rübsen, hinsichtlich der Blätter dem Raps und ist bei den Landwirten unter dem Namen Awöl oder Awehl bekannt. Eine neuere Sorte davon ist der Biewitz. 5) Brassica nigra Koch, der schwarze Senf, eine einjährige, in Süd⸗ und Westdeutschland wildwachsende und hier und da ihrer Samen halber kultivierte Pflanze mit lauter gestielten Blättern, von denen die untern leierförmig, grasgrün, ämealle steifhaarig oder kahl, die obern länglich bis ineallanzettförmig und bläulich beduftet sind, mit langen Blütentrauben, abstehendem Kelch, hellgelben Blumenblättern und kurzgeschnäbelten, samt ihrem Stiel dem Stengel angedrückten Schoten.