FeedHerh.
PflanzenreichBrockhaus 1882

Herh., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Herbert (William). Herba (lat.), Kraut; herbarisieren, Kräuter, Pflanzen sammeln; auch von den Bienen: Blütenstaub einsammeln; Herbarist, Kräuter⸗, Pflanzensammler. [ter Astragalus. Herba Glycyrrhizae sylvestris, s. un-Herbarium nennt man eine Sammlung getrockneter Pflanzen. Unter den Begriff H. fallen jedoch nicht diejenigen Botanischen Sammlungen (.. d.), welche bloß bestimmte Pflanzenteile enthalten, wie Samen⸗, Frucht⸗, Holzsammlungen u. s. w. Allerdings ist es nur in wenigen Fällen möglich, ganze Pflanzen getrocknet aufzubewahren, aber immerhin müssen doch in einem H. die charakteristischen Teile der Pflanzen sämtlich vorhanden sein, wenigstens soweit es die Art der Aufbewahrung, die damit notwendig verbunden ist, zuläßt. Ein nach wissenschaftlichen Prinzipien gesammeltes und geordnetes H. ist deshalb gewiß der wichtigste Teil aller botan. Sammlungen, denn keine Abbildung und auch keine Beschreibung kann bei vergleichenden systematischen und morphyolog. Studien das natürliche getrocknete Material ersetzen. Die Anforderungen, die an ein H. gestellt werden müssen, sind vor allem: möglichste Vollständigkeit sowohl in der Artenzahl als auch in der einzelnen Pflanze, und zweitens genaue Angaben über Standort, Zeit des Hammelns und den Namen des Sammlers. Ferner ist eine leichte libersichtlichkeit dringend notwendig; diese wird am besten dadurch erreicht, daß das H. nach einem größern Kompendium der Systematik wie etwa, Endlichers „Genera plantarumo, oder auch die einzelnen Familien nach bestimmten Monographien geordnet werden. Beim Einsammeln der Pflanzen für die Herbarien muß zunächst darauf Rücksicht genommen werden, die zum Trocknen bestimmten Individuen in gesunden, kräftigen Exemplaren und möglichst vollständig zu erhalten. Läßt sich, wie es oft der Fall ist, nicht die ganze Pflanze für das H. verwenden, so muß man wenigstens darauf achten, von allen Organen derselben charakteristische Teile zu sammeln. Ist die Möglichkeit vorhanden, von einem Standort 4 Exemplare derselben Pflanze mitzunehmen, so ist es am empfehlenswertesten, solche zu sammeln, die in der Größe des Stengels, der Blätter, überhaupt in allen Merkmalen am meisten voneinander abweichen, was bei der großen Variabilität mancher Pflanzen von größter Wichtigkeit ist. Der Transport der gesammelten Pflanzen geschieht am besten in einer sog. Botanisiertrommel oder in einer Mappe, die einige Buch Fließpapier enthält. Über das Einlegen und Trocknen der gesammelten Pflanzen lassen sich kaum allgemeine Vorschriften geben, weil die einzelnen Pflanzen je nach ihrer holzigen, fleischigen, zarten Beschaffenheit verschieden behandelt werden müssen. Da es nicht darauf ankommt, die Pflanzen nach ästhetischen Rücksichten zu präparieren, sondern vielmehr darauf, daß die charakteristischen Merkmale auch an den getrockneten Exemplaren deutlich hervortreten, so wird man stets beim Zurichten für das H. die Lage der einzelnen Teile so treffen, daß dieselben ein möglichst treues Bild des natürlichen Zustandes geben und eine nachträgliche genauere Untersuchung noch zulassen. Man legt am besten die zu trocknenden Pflanzen zwischen Stöße von Fließpapier, nachdem man sie vorher sorgfältig daß einem Bogen ausgebreitet hat und zwar so, da die einzelnen Teile möglichst wenig aufeinander zu liegen kommen, bringt sodann die so vorbereiteten Pakete in eine Presse und beschwert dieselben mit größern oder geringern Gewichten, je nach der derben oder zarten Beschaffenheit der Pflanzen. Um ein schnelles Trocknen zu erzielen, was zur Erhaltung der natürlichen Farbe viel beiträgt, muß man die gepreßten Pflanzen häufig zwischen andere trockene Stöße von sigen üa einlegen; hauptsächlich ist dies bei saftigen Pflanzenteilen notwendig, da bei diesen sonst leicht ein Verschimmeln eintritt. Für schnelles Trocknen, vorzugsweise auf längern Reisen, wo man nicht immer die nötige Menge frischen Fließpapiers zur Hand hat, eignen sich ganz besonders gut die sog. Drahtgitterpressen, die aus zwei rechteckigen, von einem Rahmen aus starkem Eisenblech umgebenen Drahtgittern bestehen und mit GÖsen versehen sind. Zwischen diese beiden Drahtgitter, die das Format des zu verwendenden Fließpapiers besitzen müssen, legt man die Pakete und schnürt dann mittels einer durch die Osen laufenden Schnur die beiden Rahmen fest zusammen. Der Vorteil, den diese Art von Pressen bieten, liegt darin, daß die Luft von allen Seiten her auf das Fließpapier und die darin liegenden Pflanzen einwirken kann, wodurch ein schnelleres Trocknen derselben erreicht wird. Die fertig getrockneten Pflanzen werden sodann unter genauer Angabe des Standorts, der Bodenverhältnisse an demselben, der Zeit des Sammelns u. s. w. in das H. eingereiht, am besten in der Weise, daß man jedes Exemplar lose in einen Bogen starken Papiers legt. Da viele Pflanzenteile im H. sehr leicht durch Insektenfraß zerstört werden können und somit unbrauchbar werden, so ist es notwendig, insektenvertilgende Mittel anzuwenden; es gibt deren mehrere, hauptsächlich starkriechende Substanzen, wi Kampfer u. dgl. Doch alle diese wirken nicht so sicher als ein vollständiges am Peen der Pflanzen selbst. Man nimmt hierzu am besten die alkoholische Quecksilberchloridlösung, taucht in diese die aufzubewahrenden Pflanzen lantere Zeit ein und läßt sie dann an der Luft wieder trocknen. Das im Vorstehenden Gesagte gilt zwar im allgemeinen für sämtliche pflanzliche Erganismen, doch sind für die niedern Kryptogamen, hauptsächlich Algen und Pihß, noch besondere Vorsichtsmaßregeln notwendig. Manche Pilze, hauptsächlich die parasitisch auf bem Pflanzen lebenden, lassen sich leicht mit den betreffenden Wirtspflanzen selbst aufbewahren, dagegen bieten andere, wie die Hutpilze, dem Präparieren große Schwierigkeiten dar; man thut am besten, wenn man ein paar Längslamellen durch Hut und Stiel macht und diese wie andere Pflanzen behandelt. Die meisten niedern Rufle wie Mysomyceten, Schiromyceten, Schimmelpilze u. s. w., eignen sich überhaupt nicht fürs H., sondern sie müssen in Alkohol oder in einer andern konservierenden Flüssigkeit aufbewahrt werden. Dasselbe gilt auch von den Algen, nur die größern iöntent derselben, wie die Florideen, Phaeosporeen, önnen in ähnlicher Weise wie die höhern Pflanzen präpariert werden. Um dieselben in möglichst natürlicher Lage auf einem Bogen ausbreiten zu können, legt man sie in ein flaches Gefäß mit Wasser, in dem sie aber immerhin noch herumschwimmen können, sodann fährt man mit einem Bogen festen Papiers unter die Alge und hebt sie allmählich so aus dem Wasser heraus, daß ihre Lage unverändert bleibt und das Wasser langsam abfließen kann. Man kann auf diese Weise — gute und auch zierlich aussehende Präparate erhalten. Das Herbeischaffen des Materials für große Herbarien läßt sich natürlich nur durch ausgedehnte botan. Reisen oder durch Vermittelung fremder Sammler bewirken. Früh schon wurden zu diesem Behuf vielfach wissenschaftliche Reisen in fremde Weltteile unternommen, schon im 17. Jahrh. waren botan. Reisende in Ostasien und auch in Amerika thätig, im 18. Jahrh. nahmen diese Reisen noch größern Aufschwung, sodaß am Schlusse des vorigen ahrhunderts schon eine ganz bedeutende Menge flanzen aus den außereurop. Floren zusammengetragen und an die einzelnen Herbarien verteilt worden waren. Im Anfange dieses Jahrhunderts trug hauptsächlich der von Hochstetter in Eßlingen gegründete Reiseverein, welcher Reisende in die verschiedensten Länder sandte, zur Bereicherung der Herbarien bei. In den letzten Jahrzehnten haben fast an allen wissenschaftlichen Expeditionen, gleichviel ob sie geogr., astron. oder andere Zwecke verfolgten, Botaniker teilgenommen, und so ist denn jetzt in den bedeutendern Herbarien bereits eine dent het vollständige Sammlung der sämtlichen bis jetzt bekannten Pflanzenarten vorhanden. Die größten zur Zeit existierenden Herbarien sind im Kewer Garten und im Britischen Museum in London (wo sich auch das H. Linnés befindet), in Wien, Berlin, Leipzig, Paris, Petersburg, Genf (wo sich das H. De Candolles befindet). Die Herstellung von Herbarien läßt sich bis in das 16. Jahrh. verfolgen; die ersten, welche getrocknete Pflanzen in Sammlungen aufbewahrten, sind wahrscheinlich ital. Botaniker in der Mitte des 16. Jahrh. gewesen. Jedenfalls eine der ersten Sammlungen getrockneter Pflanzen, die in Deutschland existierten, ist die im kasseler Museum sich besindende von Ratzenberger ums Jahr 1559 angelegte. übrigens verstand man in jener Zeit unter H. nicht eine Sammlung von Pflanzen, sondern ein Kräuterbuch mit vielen Abbildungen. ö Litteratur. Unter den Werken über Herbarien ist hervorzuheben: Kreutzer, Das Herbariumo (Wien 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 122Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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