FeedBremen an der Weser
ErdkundeBrockhaus 1882

Bremen an der Weser, eine der drei Freien Städte des Deutschen Reichs, mit einem Gebiete von 255,5 qkm, dessen Hauptteil die Stadt B. mit etwa 24300 ha Landgebiet an beiden Weserufern umfaßt, während die Amter Vegesack und Bremerhaven mit den Orten gleichen amens, jenes 15, dieses 64 km unterhalb der Stadt, getrennte Hafenplätze bilden. Die Gesamtbevölkerung beträgt (nach der Zählung vom Ini. 1880) 155 831 E., die mit Ausnahme von 5322 Katholiken, 726 Israeliten, 16 Dissidenten, 1 Und Dav und 2 Mohammedanern, prot. Konfession sind. Davon . auf die Stadt selhst 111940, mit den unmittelbar dabei gelegenen Ortschaften Walle, Hastedt, Schwachhausen und Woltmershausen 122 757 E., die übrigen verteilen sich auf die beiden Hafenstädte Vegesack und Bremerhaven und 47 Dörfer. Die Stadt Brem en zerfällt in Alt⸗, Neu⸗ und Vorstadt, von denen die letzte, durch den vormaligen Festungsgraben von der Altstadt getrennt, mit dieser, als dem Kern, einen weiten Halbkreis am rechten Ufer der Weser beschreibt. Der Altstadt gegenüber am linken Ufer liegt die erst um 1620 anistanden Neustadt, zu welcher zwei Brücken über den Hauptstrom und einen an dieser Stelle mündenden Arm +0 die erücden, Weser, und weiter unterhalb zwei andere Brücken, davon eine Eisenbahnbrücke, führen. Die Festungswerke sind nach 1815 in öffentliche Spaziergänge umgewandelt, die namentlich zwischen Alt⸗ und Vorstadt von der Weser bis wieder zur Weser in voller Breite sich über Wall und Kontreskarpe ertrecken und an geschmackvoller Anlage in dieser Art Pil. Ende d suchen. Die Altmannshöhe, am südöstl. Ende dieser Anlagen, gewährt einen schönen Blick auf Weser und Neustadt. Während in den engen und krummen Straßen der Altstadt viele altertümliche Häuser mit schmalen Giebeln und hervorspringenden Erkern das Andenken der Hansa5200 erwecken, bekunden die zahlreichen freundlichen ohnungen, besonders der Vorstädte, den Wohlstand der Bevölkerung. Bemerkenswerte Bauwerke sind: der vom Erzbischof Adalbert gegründete Dom, ursprünglich eine Pfeilerbasilika aus den J. 1043 —1070, im 13. und 16 Jahrh. fast völlig umgestaltet, mit vortrefflicher Orgel (1848) und prächtiger Barockkanzel aus dem 17. Jahrh.; das 1405 —1409 erbaute Rathaus mit glänzender Südfagade, 1609 — 12 im Renaissancestil errichtet, dem' namentlich durch Hauffs «Phantasien im Bremer Ratskellervo berühmt gewordenen, mit Fresken von Arthur Fitger ½½½„ Weinkeller darunter und dem 1404 (an Stelle eines ältern bereits 1111 er-Rolandr errichteten, 558m hohen Steinbilde des Roland vor demselben; ferner der seit 1537 erbaute Schütting (das Gildehaus der Kaufleute); das 1619 erbaute Gewerbehaus, Gildehaus der Tuchhändler, mit Sandsteinfacade im Ranaissancestil und interessantem Treppenbau; die kath. Johanniskirche mit schönem Gewölbe und Glasgemälden, die Liebfrauenkirche aus dem 12. und 13. Jahrh., die 1229—43 erbaute Ansgariikirche mit Altarblatt von Tischbein, Glasmalereien und alten Fresken. Der Turm der letztern hat eine Höhe von 109m. Unter den neuern Gebäuden zeichnen sich aus das Junnllerver die Konzert⸗ und sanstigen Räume des Künstlervereins mit r reicher Naturaliensammlung u. s. w., die Kunsthalle (für Gemälde, mit reicher Sammlung Dürerscher Hand äudeder G. das Arbeitshaus, das luxuriöse Gebäude der Gesellschaft Museumv, die Bibliothek, das Schauspielhaus, die neue Börse, von Heinr. Müller w1861—64 als sranlen fige Basilika in got. Stile erbaut, das Krankenhaus, der Bahnhof, die Wasserkunst, die Hauptschule, das 1878 in herrlicher Wund di vollendete Gebäude der Oberpostdirektion und die drei Hauptbrücken, außerhalb der Stadt die neue Danbmiter t (Zellenh4 Von beachtenswerten Denkmälern besitzt B. as Olbers-Denkmal, die Statue des Bürgermeisters Joh. Smidt im großen Saale des Rothauses, die Statue des heil. Ansgar (alle drei von Steiner), das Erzstandbild Gustav Adolfs (von ogelberg) und das 1875 enthüllte Denkmal für die 1870—71 gefallenen Bremer (von Karl Keil). NO. der Stadt, jenseit der Hamburg-Venlooer ahn, wurde 1866 der Bürgerpark angelegt, ein aus ebehnter Waldpark (mit Konzertlokal, großem Bassin und Teichen) und Lieblingsaufenthalt der Bremer. B. ist reich an Bildungs⸗ und Schulanstalten aller Art. Es bestehen daselbst ein Gymundeine zwei Realschulen erster Klasse, eine Handels- und eine Schiffahrtsschule, ein Taubstummeninstitut, eine Irrenanstalt, eine Sternwarte, an der — Olbers wirkte, u. w. Die Stadtbibliothek zählt etwa 100 000 Bän milden Stiftungen sowie der und Schiffahrt, welche von jeher die Haupterwerbsquellen der thätigen Bewohnerschaft gebildet haben. B. ist durch Eisenbahnen direkt verbunden mit Hannover, Hamburg, Berlin, dem Rhein (Venloo), Oldenburg-Ostfriesland und den Weserhäfen (Bremerhaven, Brake, Nordenhamm). B. 1 der zweite Seehandelsplatz Deutschlands, obwohl es von der Seeküste 75 km entfernt und kaum noch im Bereich von Ebbe und Flut liegt. Seine eigentlichen Schiffahrtsanstalten hat es stromabwärts eingerichtet, und auch die preuß. und oldenb. Ankerplätze, Werften u. s. w. an der Unterweser dienen vorzugsweise dem bremer Handel. Die Stadt selbst hat einen Leuchtturm und zwei Leuchtschiffe in der Wesermündung und große Hafenbassins in Bremerhaven (s. d.), welche die größten Seeschiffe aufnehmen und vermittelst Leichterschiffe und Eisenbahn mit B. in Verbindung stehen. Dort und in dem an Bremerhavens Seite von Hannover an-Severt Geestemünde (s. d.) konzentriert sich der eeverkehr, während das eigentliche kaufmännische Geschäft in der Stadt seinen Sitz hat. Das Geschäft ist „und ähm Durchfuhrhandel (55 Proz., der Eigen⸗ und Kommissionshandel 45 Proz.) und stützt sich auf eine zahlreiche und an Tüchtigkeit nir-Antar übertroffene Handelsmarine. Dieselbe zählte nfang 1881: 324 Seeschiffe zu 270200 Registertonnen (765 400 cbm), darunter 38 Seedampfschiffe für den Packetdienst nach den Vereinigten Staaten, Westindien, London und Hull. Außerdem —— von der Weser noch 226 preuß. und oldenb. Seeschiffe (95 200 Registertonnen). Jährlich kommen und gehen 3000 —3500 Seeschiffe mit einem Gehalt von 1000000—1 200 000 Registertonnen. Der Gesamtwert der eingeführten Waren betrug 187780 Bremen (ohne Bremerhaven). durchschnittlich 479, der der ausgeführten 461 Mill. Mark. Nach dem deutschen Zollgebiet war die Einfuhr durchschnittlich 251, die Ausfuhr aus demselben 124 Mill. M. Die 1. chlossenen Seeversicherungen beliefen sich 1880 auf 401 Mill. M. Die Vereinigten Staaten sind das wichtigste Handelsgebiet, aber auch fast alle andern transatlant. Länder kommen mehr oder weniger in Betracht. Bedeutend ist auch der Verkehr mit den ständinav. und baltischen Plätzen. B. ist der erste Tabaksmarkt der Welt (Einfuhr 1878: 68,Mill. kg). Die Cigarrenfabrikation, früher sehr roßartig, ist jetzt mehr durch Qualität als Massenhaftigkeit ausgezeichnet, da der deutsche Zoll die geringern Sorten zu hor belastet, um sie außerhalb der Zollgrenze vortei 7 fabrizieren zu können. Dieser Industriezweig hat 98 daher in das benachbarte Zollgebiet nteils pon emelingen) übergesiedelt, wo er großenteils von Bremern betrieben wird. An sonstigen industriellen Etablissements besitzt B. Eisengießereien, Schiffswerfte, Maschinenfabriken, Bierbrauereien, Fabriken für Spirituosen und Ciarrenkisten und reihnsen, doch f B. ist nach der eichsverfassung Freihafen, doch sind die Hafenstadt Vegesack, einige Gren Rosten und eine der Vorstädte dem Zollgebiet angeschlossen. In der Stadt selbst ist ein Reichs-Hauptzollamt unter preuß. Verwaltung und eine zollfreie Niederlage. Unter den Einschiffungshäfen für deutsche Auswanderer nimmt B. eine der ersten Stellen ein. In den J. 1832—80 gingen 1 625 000 Passagiere von hier über See, in einzelnen Jahren 6000 — 80 400, seit 1871 durchschnittlich 43000, 1880 aber 80 300. Das Krößte Transportgeschäft betreibt der Norddeutsche Lloyd, eine Aktiengesellschaft, welche eine regelmäßige Neuorlant sow nach Neuyork, Baltimore und Neuorleans sowie nach brasil. Weit und Buenos-Ayres (bis 1874 auch na estindien) unterält und außerdem den ußverkehr in großem aßstabe ausbeutet. B. ist Sitz einer Reichsbanthauptstelle, einer Filiale der Niedersächsischen und der r Bank, der Bremer Bank, der Bremer Gewerbebank und der Bremer Hypothekenbank. Die 17 Hansestadt B. (so heißt der Staat offizielh ist souveränes Mitglied des Deutschen Reichs; sie führt im Bundesrat Eine Stimme und sendet einen Abgeordneten in den Reichstag. Ihr Kontingent ist durch Konvention vom 3. Juli 1867 der preuß. Armee einverleibt und bildet das 1.Bataillon des 1. Hanseatischen Infanterieregiments Nr. 75, welches zum 9. Armeekorps gehört. An der Spitze des Staats steht nach der Verfassung von 1854 ein Senat von 17 lebenslänglichen Mitgliedern, welche die (Bürgerschafto unter Edtor Einschränkungen wählt. Mindestens 10 der Senatoren müssen Rechtsgelehrte, 4 er Mitte sein. Der Senat wählt wieder aus seiner Mitte * Bürgermeister auf je vier Jahre. Derselbe teilt das Gesetzgebungsrecht mit der 4Bürgerschafto, einer Versammlung von 150 auf sechs Jahre 514, bere Vertretern, von denen der Gelehrtenstand 14, der Kaufmannsstand 42, der Gewerbestand 22, die übrigen Staatsbürger der Stadt 44, Vegesack 4, Bremerhaven 8, das Landgebiet 16 wählen. An der Spitze der meisten Verwaltungen stehen Deputationen von Senatoren und Bürgern; die Rechnungsführung ist immer in den Händen eines Bürgers. Die jährlichen Einnahmen und Ausgaben betragen (einschließlich des Kommunalhaushaltes der Stadt B.) ungefähr 12 Mill. Mark, die Staatsschuld Ende 1880 81 Mill. Mark. Eigentümlich ist, daß ein großer Teil der Abgaben fast ohne Kontrolle, Kauf Bürgereido, erhoben wird. Das Wappen von B. ist ein schrägliegender silberner Schine; in einem von zwei Löwen gehaltenen roten Schilde; die Landesfarben sind weid und rot. Geschichte. B.s urkundliche Geschichte beginnt mit dem J. 788, in welchem Karl d. Gr. daselbst ein Bistum stiftete, welches später mit dem 834 errichteten Erzbistum Hamburg vereinigt und, nachdem die Vorsteher des letztern ihren Sitz nach B. verlegt hatten, dann seinerseits zum Erzbistum erhoben wurde. Die Immunitäten des Bischofsitzes kamen dem sich bildenden städtischen Gemeinwesen früh zu statten, das unter der geistlichen Pflege zur Selb-Umfann de heranwuchs, welche die Stadt seit dem nfang des 13. 3 auch im Kampfe mit den Erzbischöfen erfolgreich geltend machte, sodaß sie zu Ende des 14. iefeih als Reichsstand dastand. Inzwischen war dieselbe, nachdem sie schon auf eigene Hand sich Privilegien im Bereiche ihrer Schiffahrt in Flandern, Norwegen, England, an den Küsten Livlands erworben (wie denn um 1185 Riga von B. aus gegründet wurde, das auch bei der Stiftung des Deutschen Ordens mitwirkte), ein Glied der ansa (1276) sofsen n (1285 — 1358 aus dem unde ausgeschlossen, averhansto), und nahm, zu Anfang läffig, nach und nach thätiger teil an dessen Unternehmungen. Aus den Bürger urhen und Fehden des Mittelalters mit den Fürsten und Herren der Umgegend, besonders mit den räuberischen Friesen, gekräftigt hervorgegangen, Herrin der Unterweser, sowie auf längere oder kürzere Zeit beträchtlicher Strecken an beiden Ufern, ergriff B. früh mit Wärme die Sache der Reformation. Unter den sächs. Seestädten die erste (1532) und eifrigste im Schmalkaldischen Bunde, trug sie durch männliches Ausharren nach der Schlacht bei Mühlberg nächst Magdeburg zur Rettung des Protestantismus nicht wenig bei. Doch von jetzt an begannen die Zeiten des polit. Verfalls und mit ihnen des kommerziellen Zurückbleibens. Wiederholte Religionsunruhen, in deren Folge die melauchthonisch gesinnte Stadt sich genötigt sah, um Calvinismus überzugehen, zerrütteten ihren Wohlstand und entfremdeten sie den streng luth. Nachbarn und Bundesgenossen. Hierzu kam, daß sie in der Periode ihrer faktischen Unabhängigkeit versäumt hatte, Rech Besuch der Reichstage und It aug u den Reichslasten sich die Reichsstandschaft auch sormell u brh. da Daher wurden, als zu Anfang des 17. Jahrh. das Shsiit zu B. in mächtigere Hände gelangte und B. durch den Westfälischen Frieden ein weltliches Herzogtum unter Schwedens Hoheit wurde, gleichzeitig die Freiheit der Stadt durch die Schweden und ihr Handel durch die Grafen von Oldenburg, namentlich durch den Elsflether Zoll u. s. w. bedroht. Schwedens Ansprüche vererbten sich auf Hannover, welches erst 1731 die Reichsstadt anerkannte und erst 1803 sie Herrin im eigenen, durch frühere Abtretungen sehr geschmälerten Gebiete werden ließ, während der Elsflether Zoll gar erst 1820 fiel. Nach den Blütejahren seines mit dem Versailler Frieden von 1783 beginnenden neuen Handelsaufschwungs hatte B. die Drangsale der Franzosenherrschaft und der schließlichen Einverleibung in das Französische Reich (1810—13 Hauptsche des Departements Wesermündungen) zu übertehen. Im Nov. 1813 wieder frei geworden, erwarb es sich durch rasche Teilnahme an dem Befreiungskriege schon im Dezember die Anerkennung seiner alten Selbständigkeit. Litteratur. Roller, Versuch einer Geschichte der Stadt B.v (4 Bde., Brem. 1709 — 1804); Miesegans, «Chronik der Freien Hansestadt B.y 3 Bde., Brem. 1828—32); Heineken, „Die Freie andelsstadt B. und ihr Gebiet» (2 Bde., Brem. 1836—37); Lappenberg, Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt B.y (Brem. 1841); Wagenfeld, „Die Kriegsfahrten der Bremer zu Lande und zu Wasser u. s. w. » (Brem. 1846); 4½½% Die Freie Hansestadt B. und ihr Gebiete (Brem. 1862); onandt, «Geschichte des brem. Stadtrechtso (Brem. 1830); Wiedemann, Geschichte des Herzogtums B. (2 Bde., Stade 1863 —66); Ehmck und Bippen, (Brem. Urkundenbucho (Bd. 1—3, Brem. 1873— 80); em Buren für brem. Statistiko, herausgegeben von dem Bureau für brem. Statistik, von dem jährlich zwei Hefte erscheinen; die Jahresberichte der Handelskammer; die Publikationen der histor. Abteilung des Künstlervereins: „Brem. Jahrbuchv (Bd. 1—7, Brem. 1864—75) und Denkmale der Geschichte und Kunst der Freien Hansestadt B. v (2 Bde., Brem. 1864—70); Müller, Der Dom zu B. und seine Kunstdenkmalen (Brem. 1861); Kohl, „Das Haus Seefahrt zu B.» (Brem. 1862); derselbe, Der Ratsweinkeller zu B.r (Brem. 1866); Post, Das Sammtgut. Systematische Darstellung des praktischen brem. ehelichen Güter⸗ und Erbrechts» (Brem. 1864); derselbe, Entwurf eines gemeinsamen deutschen und hansestadtbrem. Privatrechts auf Grundlage der modernen Volkswirtschafto (2 Bde., Brem. 1866—68); Böhmert, „Brem. Handels-Archivo (Bd. 1 die hanseat. und brem. Verträge, Bd. 2 die Verordnungen enthaltend; Brem. 1864—65); „(Die Freie Hansestadt B. und Umegend » (3. Aufl., Brem. 1879); Führer durch die Freie Hansestadt B.p (4. Aufl., Brem. 1879). Bremer (Fredrika), berühmte schwed. Romanschriftstellerin, geb. 17. Aug. 1801 zu Tuorla bei Abo in Finland, kam in ihrem dritten Jahre nach Schweden, wo ihre Eltern 1805 das Gut Arsta im Kirchspiel sterhaninge erkauften. Ihren Unterricht anlehr. sie teils auf dem väterlichen Gute durch Privatlehrer, teils zu Stockholm, wo ihre Familie den Winter zuzubringen pflegte. Die Lektüre der engl. und franz. Dichter, vor allem aber die der deutschen lasster, wurde bald ihre Lieblingsbeschäftigung. Seit etwa 1820 versuchte sie sich selbst in poetischen Arbeiten, aber erst 1828 erschien der erste Band der Teckningar ur Hvardagslifveto. Die reichen Erträge ihrer schriftstellerischen Thätigkeit gestatteten ihr später, ausgedehnte Reisen nach Deutschland, Frankreich, England, Nordamerika (1850—51) und dem Morgenlande (1853—56) zu unternehmen. Ihren Ruf als Schriftstellerin beründete sie mit den Romanen Die Familie H. 1830 —31) und „Die Töchter des Präsidentenv (1834), welchen «Nina (1835), «Die Nachbarnv (1837),Das Hauso (1839) und »Streit und Frieder (1840) folgten. Im Original erschienen diese Werke unter dem gemeinschaftlichen Titel Teckningar ur Hvardagslifveto (7 Bde., Stockh. 1835—43), denen sich bald darauf Nya Teckningaro anschlossen. Zu letztern gehören Ein Ta erlehe (1843), In Dale⸗ (1856) und Vater und Tochtero (1858). Alle diese Darstellungen zeigen eine Fülle von Naivetät, Anmut und munterer Laune, liebenswürdiger und Ien ner, teilweise auch ergreifender Züge aus dem Leben der mittlern Stände. Überall bekundet die Verfasserin eine tiefejKenntnis des menschlichen Herens. Den Mittelpunkt ihrer Romane bildet das amilienleben. Alles, was zur Familie, zu Haus und Hof, Wald und Flur gehört, beschreibt sie, wenn auch bisweilen zu umständlich, doch meist höchst anziehend. Weniger leistet sie in Bezug auf Erfindung und Charakteristik, wenigstens in ihren spätern tendenziösen Arbeiten, in denen sich überhaupt der Hang zur Reflexion mehr und mehr geltend macht. Die Schriften der Fredrika B. verbreiteten sich bald nach ihrem Erscheinen durch Übersetzungen über die achte —7 Welt und fanden besonders in Deutschland und Nordamerika eine weite Heimat. Eine deutsche übertragung aller ihrer Werke erschien unter dem Titel KGesammelte Schrifteno 50 Bde., Lpz. 1857— 70). In uh Sammlung sind außer ihren Romanen und Erzä lungen auch die Schrift Morgenwacheno (1842), in welcher die Dichterin ihr religiöses Glaubensbekenntnis niederlegt, sowie eine Reihe anziehender Reisebilder aufgenommen, wie Leben im Nordeno (1849), (Sommerreisep (1848), Die Heimat in der Neuen Welte (1853—54) und «Leben in der Alten Welto (1860—62). Letztere beiden Werke berichten über ihren Aufenthalt in Nordamerika und Cuba sowie im Süden Europas und dem Orient. Eine neue Ausgabe der Romane und Erzählungeno» erschien in 24 Bänden (Lpz. 1882). Die letzten Jahre verlebte sie größtenteils auf dem Gute Arsta unweit Stockholm an einer Bucht der Ostsee; sie starb 31. Dez. 1865 und wurde auf dem Kirchhofe zu sterhaninge begraben. Nach ihrem Tode erschienen zugleich in schwed., engl. und deutscher Sprache« Aafene B.s Lebensschilderung, Briefe und nachgelassene Schriften» (deutsch, 3 Bde., Lpz. 1868), die von ihrer Schwester Charlotte Quiding, geb. Bremer, herausgegeben wurden; letztere ist auch die Verfasserin der darin enthaltenen Lebensbeschreibung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 502Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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