Brentano (Clemens), hervorragender deutscher Dichter der jüngern romantischen Schule, Bruder der Elisabeth (Bettina) von Arnim, geb. zu Frankfurt a. M. 8. Sept. 1778, studierte zu Jena und hielt sich nachher abwechselnd zu Dien Frankfurt a. M., Marburg, Heidelberg, Wien, Kassel, Landshut und Berlin auf. Später, 1818, entsagte er aus Unzufriedenheit mit sich und den Menschen der Welt Oalalch ward ascetisch fromm und wählte bis 1824 Dülmen im Münsterschen zu seinem Aufent-Nonn um die Visionen der dortigen stigmatisierten Nonne Katharina Emmerich aufzuzeichnen. Hierauf lebte er in verschiedenen Städten am Rhein, endlich in Regensburg, München, Frankfurt a. M. und Aschasfenburg, wo er 28. Juli 1842 starb. Anfangs schrieb er seine Gedichte unter dem Namen Maria, so die »Satiren und poetischen Spiele (Bd. 1, Lpz. 1800) und (Godwi, oder das steinerne Bild der Muttery (2 Bde., Brem. 1801—2), den er selbst auf dem Titel einen verwilderten Roman nannte. Gleich originell und bizarr, zum Teil mit gelungenem Witz und schönen lyrischen Klängen ausgestattet, sind B.s dramatische Produktionen: „Die lustigen Musikanteno, ein Singspiel (Frankf. 1803), „Ponce de Leonv (Gött. 1804), ein Lustspiel: «Viktoria und ihre Geschwister mit fliegenden Fahnen und brennender Lunte, ein klingendes Spielo (Berl. 1817). Ein hoher poetischer Geist spricht sich in der umfassenden dramatischen Komposition „Die Gründung ragsy lein 1815) aus. Am gelungensten erschichte seine kleinern Novellen, besonders die Geichte vom braven Kaspar und dem schönen Annerly (zuerst in Gubitz' (Gaben der Mildev, Bd. 2, Berl. 1817, dann einzeln, Berl. 1838; neue Aufl. 1873), nach einer Ballade im Wunderhornv. Ein vortreffliches Fragment einer Novelle: Chronika eines fahrenden Schülerso (Gesammelte — tenv, Bd. 4) wurde von A. von der Elbe geschickt bas Mäte und vollendet. Sein letztes Werk war das Märchen «Gockel, Hinkel und 1Oricbach. Ber 1838; neue Aufl., herausg. von Grisebach, Berl. 1872). Anerkennung verdient B. durch die Erneuerung von I Wickrams „Goldfaden v (Keidelb. 1809), sowie durch die mit seinem Schwa-Ar Achim von Arnim (s. d.) unter dem Titel «Des Knaben Wunderhorno (3 Bde., Heidelb. 1806—8; 2. Aufl. 1819) herausgegebene berühmte Sammlung deutscher Volkslieder, obschon manche willkürliche Underungen die Treue des Textes verletzen. Nach seinem Tode erschienen noch B.5 «Märcheno»(herausg. von Guido Görres, 2 Bde., Stuttg. 1847; 2. Aufl. 1879, mit Gockelo in seiner urs ½½ Gestalt), Leben der heil. uchetre Maria. Nach der Anna Katharina Emmerich Betrachtungen»(Münch. 18⁵²: 2. Aufl. 1854) und eine Auswahl der Gedichter Harsaab 1854 u. 1861 und Paderborn 1882). Eine usgabe der «Gesammelten Schriften» (9 Bde., 1852—55) wurde von seinem Bruder Christian B. (geb. 24. Jan. 1784, gest. 27. Okt. 1851) besorgt. Letzterer hat mehrere mystisch-spekulative Werke veröffentlicht. B.s «Ausgewählte Schriftend gab Diel (2 Bde., Freiburg 1873) H l. (Bettina) Clemens B.s Frühlingskranz, aus Jugendbriefen ihm geflochten» (Bd. 1, Charlottenburg 1844); Diel und Kreiten, «Clemens B. Ein Lebensbilde (2 Bde., Freiburg i. Br. 1877—78). Auch Clemens B.s Gattin, Sophie, geborene Schubart (geb. 27. März 1761 zu Altenburg, gest. 31. Okt. 1806 zu Heidelberg), hat sich durch Ge-Wi und Romane bekannt gemacht. deutscher philos. Schriftsteller, geb. 16. Jan. 1838 zu Marienberg bei Boppart, wurde nach vielseitigen theol. und philos. Studien und nach einem vorübergehenden Aufenthalte bei den Dominikanern in Gratz 1864 zum Priester geweiht, habilitierte sich 1866 als Privatdocent der Philosophie in Würzburg, wurde 1873 daselbst zum Professor ernannt, legte aber unmittelbar darauf dies Amt nieder. Ebenso verzichtete er aus persönlichen Gründen 1880 auf die seit 1874 von ihm bekleidete ordentliche Professur der Philosophie an der wiener Universität und lehrt an derselben seitdem als Privatdocent. Seine philos. Ansichten sind teils durch den Aristotelismus und seine mittelalterlichen Interpretationen, teils durch die neuere engl. Associationspsychologie bedingt; von seinen Schriften sind hervorzuheben: Die Psychologie des Aristoteleso (Mainz 1867), «Psychologie vom empirischen Standpunkter (Bd. 1, Lpz. 1874).