FeedBrettspiele
TechnikBrockhaus 1882

Brettspiele ist die allgemeine Benennung für mehrere verschiedene Unterhaltungsspiele, zu deren Apparat ein viereckiges, 12—20 em im Quadrat haltendes Brett (bei den Alten tabula, woher das altdeutsche Zabel) gehört. Je nach der Verschiedenheit des Spiels, dem das Brett dienen soll, ist es verschieden eingerichtet. So ist es zum Behuf des Schach⸗ oder Damenspiels in 64 abwechselnd weiße und schwarze quadratische Felder geteilt; oder es zeigt, sobald es für die Muhle bestimmt ist, drei konzentrische Quadrate, deren parallele Seiten in bestimmten Entfernungen durch Striche verbunden sind. Das Puffbrett, welches auch zu Triktrak und Toccadegli (Toccadille) dient, besteht aus zwei gleichen Quadraten, die zusammen ein Oblongum bilden, auf dessen Langseiten sich je 12 Pyramiden von abwechselnd heller und dunkler Färbung zeigen. Auf diesen Brettern wird teils mit Figuren wie beim Schachspiel (s. d.) und seinen Umbildungen (Kurier⸗ und Kriegsspiel), teils mit sog. Steinen (Brettsteinen), meist von flach-cylindrischer Form, gespielt. Während bei Schach, Dame, Wolf und Schaf, Mühle nichts dem Zufall, alles der Aufmerksamkeit und Vorsicht, dem berechnenden und kombinierenden Verstande des Spielers überlassen bleibt, erhält bei Puff, Toccadegli, Triktrak durch Anwendung zweier Würfel der Zufall seinen Anteil. Die allen B., welche übrigens stets nur von zwei Gegnern gespielt werden, zu Grunde liegende Idee ist die eines Wettkampfes. Beim Schach und, wenn auch o her bei der Dame, tritt diese Idee des Kampfes so hervor, daß der eine Gegner den andern zu fangen bestrebt ist. Puff, Toccadegli, Triktrak hingegen scheinen eher einen Wettlauf zu versinnlichen, bei dem es trotz der vom Zufall entgegengeworfenen Hindernisse auf deren klügste Umgehung oder Beseitigung sowie auf die möglichst baldige Erreichung des Ziels ankommt. Wal r· scheinlich ist der Ursprung der B. im Orient zu 26 chen. Wenn auch erodot erzahlt, daß die Lydier das B. zur Zeit einer großen Hungersnot erfunden und nur den einen Tag etwas genossen, den andern aber, um den Hunger zu vergessen, beim B. zugebracht, so hat diese Sage nicht mehr Bedeutung als das Zeugnis des Lactantius, welcher das B. für eine Erfindung des Palamedes erklärt. Diejenigen, welche in der Mühle eine Beziehung. auf das Labyrinth erblicken, halten dieses Spiel für ägypt. Ursprungs. übrigens waren den Grieschen und Römern, nur unter andern Namen, fast WNalle jetzt gebräuchlichen B. bekannt. So war das Latrunculorum ludus oder Calculorum ludus der Römer ähnlicher dem Schach als der Dame; der Diagrammismus der Griechen glich der letztern, während das Ludus duodecim scriptorum mit unserm Puff Ahnlichkeit hatte. Mit der Verbreitung röm. Kultur über das ganze westl. Europa kamen diese Spiele zu den roman. und german. Völkern, bei denen sie jedoch, namentlich in neuerer Zeit, gegen die Kartenspiele etwas in den Hintergrund getreten sind. Von der ältesten bis auf die neueste Zeit sind Apparate zum B. (namentlich zum Schach), aus den edelsten Stoffen und mit besonderer Kunst gearbeitet, vielbeliebte Meisterwerke der Drechsler und Goldschmiede gewesen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 528Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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