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ErdkundeBrockhaus 1882

Brindisi, das alte Brundusium oder Brundisium, ist eine sehr alte, von Kretern, nach andern von GÄoliern gegründete Stadt im alten Calabrien, am Adriatif en Meere, zwischen zwei Vorgebirgen und den Flüßchen Patrico und Masina gelegen, die ursprünglich eigene Fürsten hatte, dann aber von den Römern genommen und 245 v. Chr. zur Kolonie gemacht wurde. Seit dieser Zeit hob sich die Stadt außerordentlich, wozu besonders der treffliche Hafen und der Umstand beitrug, daß man von da, wie noch jetzt geschieht, gewöhnlich nach Griechenland überfuhr, weshalb auch die Appische, Trajanische und Tarentinische Heerstraße bis Hier her ausgedehnt wurden. Als Pompejus d. Gr. im Hafen zu B. eine n hie zu sammeln im Begriff war, suchte Cäsar ihn hier einzuschließen; allein jener entkam mit der beilten nach Griechenland. Im J. 40 v. Chr. vertheilten hier Octavian und Nntonius die Verwaltung des röm. Reichs unter sich. Zu B. ward der Trauerspieldichter acuvius eboren (220 v. Chr.); Virgil starb daselbst. Im eittelalter der Hafen noch lange diene edeutung; seit Justinian I. dem oström. eiche gehörig, wurde die Stadt 675 vom longobard. Herzoge Romuald von Benevent erobert; im 9. Jahrh. wurde B. ein Waffenplatz der Sarazenen, denen es 868 Kaiser Ludwig II. entriß; wieder unter die Herrschaft der Byzantiner gelangt, wurde B. 1071 durch Robert Guiscard genommen und teilte von nun ab alle Schicksale des sicil. beziehungsweise neapolit. Königreichs. Kaiser Friedrich II. ließ die Stadt 1233 neu befestigen. Seit der Erstür115 5 durch die Ungarn unter König Ludwig 1352 und em Erdbeben von 1456 Heit Hafen und Stadt, bis beide in der neuesten Zeit wieder aufzublühen begannen. Das jetzige B. gehört zur ital. des ah Lecce Terra d' Otranto), ist der Hauptort des gleichnamigen Kreises und Sitz eines Erzbischofs. Die Stadt ist altertümlich und schlecht gebaut, mit Wällen und Bastionen um eben; die Kathedrale wurde 1089 durch Papst Urban II. geweiht, stürzte aber bei einem Erdbeben 1743 ein und wurde fast völlig neu aufgebaut; auch 1858 litt 7 durch Erdbeben. Das von Kaiser . I. angelegte Kastell am Hafen ließ Kark V. umbauen; Murat ließ es als Gefängnis einrichten, wozu es noch jetzt dient. B. zählt (1881) 16 719 E., während es im 12. n.5 60000 hatte. B. liegt an der Linie Otranto der Italienischen Südbahn, ist letzt nach den neuester Zeit vorgenommenen Verbesserungen im Besitze eines vortrefflichen Hafens und eignet sich durch seine Lage am Adriatischen Meere am besten zur Vermittelung zwischen dem d europ. Eisenbahnnetze und dem Suezkanal. Seit Vollendung dieses Kanals und seit Herstellung der Brenner⸗ und Mont-Cenisbahn hat daher der Ort ungemein an Bedeutung gewonnen. Von dem geräumigen äußern, durch vorliegende Inselchen eschützten Hafen geht ein schmaler Arm südwestich nach dem Binnenhafen, der aus zwei Hörnern, dem nach Westen einschneidenden westlichen und dem nach Süden gerichteten östl. Innerhafen besteht. Beide Hörner, von den Alten mit einem Hirschgeweih verglichen, umfassen die halbinselartige Landzunge, auf welcher die Stadt liegt. Der westl. Innerhafen ist 600, der östliche 450 m lang, während die Länge des Verbindungsarms um äußern Hafen nur etwa 100 m beträgt. Dieser Verbindungsarm war durch Cäsar 49 v. Chr. mittels Pfahlwerk teilweise verschlossen worden und dadurch im Laufe der Zeit verfandet. Der Fürst Giovanni Antonio Orsini von Taranto ließ ihn durch en Hahte von steinbeladenen Schiffen in der ersten Hälfte des 15. ddeh vollends versperren, um seinen Besitz gegen den König Alfons zu verteidigen. Unter dem Hause Anjou war der innere ase bereits ein vom Meere getrenntes Binnenwasser. Es bildeten sich Sümpfe und machten B. zu einem so f½ Aufenthalte, daß die Bevölkerung am Ende des 17. Jahrh. auf 3000 herabsank. König Ferdinand IV. ließ 1775 wieder eine Verbindung mit dem äußern Hafen Ren und die Sümpfe entwässern. Die Luft esserte sich seitdem, die Bevölkerung hob sich wieder. Indes hatte der Kanal nur eine —5 von 2,5 m, war also für den großen Seeverkehr unbrauchbar. Seit 1866 hat die ital. Regierung die Tiefe des Kanals sowie eines Teils des Innerhafens auf 4—11 m bringen lassen, sodaß die rößten Dampfer der Peninsular and Orientalompany bis an die Stadt herankommen können. Gemauerte Quais sind errichtet, die Eisenbahn bis bert Landeplatze der ägypt. Dampfer Lartgefahrt er 525 mlange und 50 mbreite Verbindungskanal Pigonati ebenfalls mit Mauerwerk eingefa t, der äußere Hafen durch Dämme vor Einschwemmungen esichert, Docks und deiner Bede er angelegt worden. L. Andree, B. in seiner Bedeutung für die Über⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 548Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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