Brocken, in der Volkssprache auch Blocksberg L d.), heißt der in der standesherrlichen Grafschaft tolberg-Wernigerode im Regierungsbezirk Magdeburg der preuß. Provinz Sachsen gelegene 5 ste Gipfel des Harzgebirges (51“ 48, 29“ nördl. Br., 28 1620“ östl. L. von Ferro), welcher 1141 müber dem Meere, 850—880 meüber der nur 8 km entfernten Ebene von Rateau u und nur etwa 500 m über dem südöstl. Plateau liegt. Der Berg bildet den Mittelpunkt einer ungefähr 110 qkm bedeckenden Granitmasse, die das Thonschiefer⸗ und Grauwackengebirge durchbrochen hat und das Brockengebirge genannt wird. Auf der sanft gewölbten und mit Torferde bedeckten Kuppel sind viele große Granitblöcke zerstreut, die als Iudten einer einapfels er einst 53 pyramidalen Spitze des ipfels erscheinen. Die bedeutendsten Erhebungen des nordwärts jäh abfallenden und auf den andern Seiten mit den Plateaumassen des Harzes mehr verwachsenen Brockengebirges sind in der nächsten Umgebung der höchsten Kuppel folgende: nördlich die Brandklippen, östlich die Zeterklippen (935 m), der Kleine B. (909,5 m), * die Heinrichshöhe (1044,3 m) und die die Er ippen (909,5 m), südlich die Wurmberg und die Schnarcherklippen (682 m), der Wurmberg (971, m) und die Achtermannshöhe (928,7 m), der Königsberg (1029,4 m) mit den Hirschhörnern und westlich das Brockenfeld und die Abbensteiner Klippe. Die zahlreichen Bäche und Abflüsse der Bergmoore senden ihre Wasser entweder dem Elb- oder Wesergebiete zu und sammeln sich in den Hauptadern der Radau, Ecker, Ilse, Holzemme, der Kalten und Warmen Bode und Oder. Von Wernigerode (über Hasserode), Elbingerode (über Elend und Schierke) und Ilsenburg aus Sesen Chausseen bis auf den Gipfel des Bergs. iese wie noch mehrere andere Fuß⸗ und Saumwege führen den Wanderer schon 120—150 m unter dem Gipfel aus den kräftigsten Nadelholzwaldungen in die Region des Krummholzes, bis endlich auch die Zwerggestalten der Fichte verschwinden. Puutte erstirbt die Pflanzenwelt bis zum höchsten unkte nicht. In botan. Hinsicht interessant sind dort außer verschiedenen Orchisarten das Lichen Islandicum oder Brockenmoos, welches arme Leute hier zum Sradendt sammeln, die Anemone alpina oder Brockenblume, Empetrum nigrum oder Krähenbeere, auch Brockenmyrte genannt, die Linnaea borealis oder nordische Linnäa, Geum montanum oder Bergnelkenwurz, auch Berggaraffel genannt, u. s. w., und besonders die jetzt seltene Betula nana, welche in einzelnen Exemplaren am B. unweit des Torfhauses auf dem Lerchenfelde wächst; in neuester Zeit ist auch die Anpflanzung des Leontopodium alpinum oder Edelweiß gelungen. Die Atmosphäre umhüllt den Berg ziemlich häufig mit Nebel⸗ und Wolkenschichten, die ein fast beständiger Luftzug hin⸗ und herpeitscht. Golts Lufterscheinungen haben von alters her die Volksphantasie beschäftigt und mit unheimlichen Bildern er-Ult, wie sich dies ausspricht in den verschiedensten olkssagen vom Hexentanze in der Walpurgisnacht, in den den verschiedenen Granitmassen beigelegten Namen „Hexenbrunnen », 4«Hexenaltaro, (Teufelskanzelo u. s. w. Einen seltsamen Eindruck macht das sog. Brockengespenst, das beim Auf- oder Untergang der Sonne durch Schattenbilder Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. von Haus und Menschen auf einer Nebelwand sich bildet, die auf der der Sonne entgegengesetzten Seite unweit des Brockengipfels steht. Bei heiterm Himmel gewährt der B. eine weitumfassende Aussicht; man überschaut eine Gegend von 120 —130km im Umkreise: nördlich bis Celle und Lüneburg, östlich bis in die Gegend von Brandenburg, südlich bis zum Thüringerwalde, ichten bis in die Gegend von Kassel. Auf dem höchsten Gipfel hat Graf Chr. Fr. zu Stolberg-Wernigerode 1800 an Stelle eines kleinen unbequemen Hauses ein großes einstöckiges Gebäude aufführen lassen, welches 1859 abgebrannt, 1860 jedoch als Brockenhotel halbmassiv wiederaufgebaut worden ist. Dasselbe wird von dem Pächter bewohnt, bietet den Fremden alle Bequemlichkeit dar und enthält auch eine Postagentur und Telegraphenstation sowie ein Meteorologisches Observatorium. Auch befindet sich vor dem Hause ein massiv gemauerter, 20 m hoher Turm um bequemern Genuß der Aussicht. Der B. wird jährlich von ungefähr 24 25000 Fremden besucht. Während der Sommermonate besteht zwischen dem Brockenhotel einerseits und Ilsenburg und Hasserode-Wernigerode andererseits eine tägliche Omnibusverbindung. Die mittlere Jahrestemperatur ist auf dem B. 2,5 C. über dem Gefrierpunkt, d. h. 5,6 C. niedriger als in der 900 m — gelegenen Stadt Wernigerode. Das Brockenfeld ist eine ungefähr 877 m hoch südwestlich vom Gipfel gelegene, mehrere Kilometer breite, sumpfige, mit Moos und Heide bedeckte und mit Felstrümmern übersäete Torffläche, von welcher die Bode, Ocker, adau und Oder gespeist werden. Der lat. Name Mons Bructérus stammt nicht aus dem Altertum und ob der Name Meliböcus bei Ptolemäus sich auf den Harz oder einen Teil des Thüringerwaldes bezieht, ist ungewiß. Litteratur: Nehse, «Der B. und seine Merkwürdigkeiten »(Sondershausen 1840); Gude, «Der B. und seine Wälder» (Magdeb. 1855); Herter, Hanzgehsrehs, (ernie Beiträge zur Kenntnis des Harzgebirgeso (Wernigerode 1856); Leibrock, «Der B. (Goslar 1864); G. 5.N0 „Beiträge zur Kenntnis des Harzeso (2. Aufl., Aschersl. 1874); derselbe, KZur Geschichte der Brockenreisen» (4. Aufl., Aschersl. 1875, enthält auch eine vollständige Übersicht der Brockenlitteratur); Jacobs, «Der B. in Geschichte und Sagey (Halle 1879).