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NaturlehreBrockhaus 1882

Brom (Bromum; chem. Zeichen oder Symbol == Br; Atomgewicht = 80), ein von dem franz. Chemiker Balard 1826 entdecktes nichtmetallisches, dem Chlor und Jod nahe verwandtes Element, findet sich in geringer Menge im Meerwasser (1 1davon enthält 0,oerg B.). Dagegen kommt es in größerer Menge vor im Wasser des Toten Meers (11 ent2— g B.), in den Mutterlaugen mehrerer alinen, z. B. der von Schönebeck bei Magdeburg, Neusalzwerk bei Minden und von Kreuznach, ferner in der Mutterlauge von der Verarbeitung der staßfurter und leopoldshaller Kalisalze (insbesondere der Carnallits und Kainits). Endlich ist B. ein Bestandteil der Sole mehrerer nordamerik. Salinen, namentlich im County Onondaga des Staates Neuyork. Man gewinnt es aus den Mutterlaugen, nachdem alle nutzbaren Salze soweit wie möglich abgeschieden und nur noch die leichtest löslichen Salze, Chlormagnesium und Brommagnesium, zurückgeblieben sind, durch Destillation mit Schwefelsäure und Braunstein und Verdichtung der sich hierbei entwickelnden Dämpfe in einem Kühlapparat. Das B. ist das einzige, bei gewöhnlicher Temperatur flüssige Nichtmetall. Es erscheint als eine dunkelrotbraune Flüssigkeit, deren chlorähnlich riechende Dämpfe die Respirationsorgane auf das heftigste affizieren. Es hat ein spezifisches Gewicht von 2,95 —3,00, siedet bei 463 C. und erstarrt bei — 7,3 C. zu einer bleigrauen, Tlen Wan graphitähnlichen Masse, löst K in 33 Teilen Wasser. Gegen Farbstoffe verhält sich das B. ähnlich dem Chlor. Man verwendet es anstatt des Jods in der Photographie und als Medikament, außerdem seit einiger Zeit (in Form von Brommethyl, Bromäthyl und Bromamyl) zur Erzeugung gewisser Teerfarben (Hofmanns Blau, Anthracenrot, Eosin), ferner vielfach in der chem. Analyse zu solchen Operationen, bei denen man sich sonst des viel unbequemer zu handhabenden Chlors bediente, und in der Hydrometallurgie. Die Bromproduktion, welche früher in Deutschland in größerm Maße nur von den chem. Fabriken Schönebeck und Neusalzwerk betrieben wurde, erhielt einen gewaltigen Aufschwung durch A. Frank, welcher seit 1866 die staßfurter Mutterlaugen, die bis dahin ganz unbenutzt blieben, für diesen Zweck verwertete; sie mag sich dort jährlich auf 1000 Ctr. belaufen; Frankreich liefert rund 100 Ctr., Schottland 300 Ctr. überflügelt ist die deutsche Bromindustrie in neuerer Zeit wieder von der nordamerikanischen; die dortigen Fabriken hatten 1879 bereits eine Produktionsfähigkeit von 3000 chr pro 23 die sich aber auf 1000 Pfd. täglich beschränkte. Vgl. Hofmann, „Bericht über die Chemikalien auf der Wiener Weltausstellung 1873⁵ (Braunschw. 1875). Von den Bromverbindungen sind folgende zu erwähnen: 1) Bromsäure BrO. OH, nur in wässerigen Lösungen und in Salzen bekannt; ihr Anhydrid Bra O, ist nicht darstellbar. Sie entsteht neben Brommetall als bromsaures Salz, wenn h noch löst: mit B. versetzt wird, solange dieses sich noch löst: der wässerigen Lösung krystallisiert zuerst das bromsaure Salz, welches vom Bromkalium getrennt, durch Fällen mit salpetersaurem Silber in bromsaures Silber verwandelt wird, um aus diesem durch Digestion mit B. freie Bromsäure abzuscheiden. Die wässerige Bromsäure reagiert stark sauer, sie zerfällt beim Kochen in B. und Sauerstoff. Ihre Salze, die Bromate, sind den chlorsauren Salzen sehr ähnlich; sie geben beim Erhitzen Sauerstoff und 2) Unterbromige Säure BrOH, nur in Lösungen und Salzen bekannt, das Anhydrid Br. O ist noch nicht dargestellt, wird erhalten, indem man in wässeriges B. Quecksilberoxyd — 7 bildet eine Bror bleichend wirkende Flüssigkeit; ihre Salze, die Bromite, sind ungemein leicht zersetzbar. 3) Bromwasserstoffsäure HBr, die der Chlorwasserstoffsäure entsprechende und dieser in den meisten ihrer Eigenschaften sehr ähnliche Verbindung, bildet ein farbloses, sehr leicht in Wasser lösliches Gas von intensiv saurem Geschmack und Geruch, läßt sich nicht wie die Chlorwasserstoffsäure durch Zersetzen eines Brommetalls durch Schwefelsäure abscheiden, da die Bromwasserstoffsäure die Schwefelsäure zersetzt. Sie bildet sich durch Einwirkung von Wasser auf dreifach Bromphosphor unter Entstehung von phosphoriger Säure: reitung übergießt man in einem Kölbchen (s. vor2 Teite igur) 1 Teil amorphen Phosphor mit 2 Teilen Wasser, der doppelt durchbohrte Stöpsel trägt ein Kugelrohr, in dem sich 10 Teile B. befinden; läßt man durch vorsichtiges offnen des Glashahns das B. tropfenweise in den Kolben fallen, so bildet sich unter lebhafter Reaktion zunächst dreifach Bromphosphor, der aber durch das Wasser momentan zerlegt wird. Die gasförmig entweichende Säure wird durch ein gebogenes Glasrohr geleitet, in welchem Glassplitter mit feuchten Stückchen von gewöhnlichem Phosphor geschichtet sind, um Spuren von Bromdampf fortzunehmen; das Gas kann dann über Quecksilber gesammelt oder durch Einleiten in Wasser verdichtet werden. 4) Brommetalle, Bromide. Das B. vereint sich, ähnlich wie das Chlor, mit allen Metallen, teils direkt, teils durch Einwirkung auf die Hydroxylverbindungen derselben, dann unter Bildung von Bromaten oder Abscheidung von Sauerstoff; ebenso verbindet es sich mit den organischen Radikalen und endlich tritt es Wasserstoff substituierend in viele organische Verbindungen ein. romät, allgemeine Bezeichnung für bromsaure Salze, s. unter Brom (Verbindungen 1).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 571Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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