FeedBronchialkatarrh
HeilkundeBrockhaus 1882

Bronchialkatarrh oder Bronchitis (grch.), die 1401. Dro⸗ che Entzündung der Bronchialschleim900 1 ronchien), wobei dieselbe gerötet, ge-Alein en und mit mehr oder minder reichlichem, schleimigem oder schleimig⸗-eiterigem Sekret bedeckt erscheint. Der B. gehört zu den häufigsten Krankheiten, namentlich besitzenjKinder und Greise, sowie schlecht ernährte, schlaffe und verzärtelte Personen eine große Neigung zu bronchitischen Schleimhautentzündungen, wogegen kräftige, gut genährte und abgehärtete Individuen seltener von ihnen befallen werden. Am häufigsten wird der B. verursacht durch Erkältung, namentlich bun Tempesahm eines plötzlichen und unvermittelten Temperaturwechsels auf die äußere Haut, durch einen kalten Trunk bei erhitztem Körper und Durchkältung der Füße bei nassem Schuhwerk, ferner durch Einatmung von staubiger, zu kalter oder zu heißer Luft, sowie von schädlichen Gasen und Dämpfen, weshalb manche Gewerke (wie Steinhauer, Bäcker, Müller und Metallarheiter) fast durchweg an Bronchitis leiden. Weiterhin entsteht der B. häufig infolge von andauernden mechan. Blutstauungen in den Lungen, wie dies bei Herzkranken, bei Lungenemphysem undchronischen Lungenentzündungen gewöhnlich der Fall ist, sowie im 0.0 mancher wie der Masern, Pocken und des Typhus, als unmittbare Folge einer krankhaften Blutbeschaffenheit. Epidemisch endlich tritt B. als sog. Grippe (s. d.) auf. Der akute Katarrh der Bronchien beginnt unter Frösteln, ugten (sog. Kar frequentem Puls und Appetitlosigkeit (sog. r 0 und gibt sich im weitern Verlauf durch das Gefühl von Wundsein und Kratzen auf der Brust, Beklemmung, mehr oder minder heftigem Husten und anfangs Bei wene äter reichlichem Auswurf zu erkennen. ei zwedmaßigen Verhalten tritt in der Regel schon nach wenigen Tagen Genesung ein. Nur bei kleinen Kindern, Greisen und sehr geschwächten Individuen esellt sich leicht eine Lähmung der Bronchialmuskeln inzu, infolge deren der angesammelte Schleim nur unvollständig nach außen entleert wird und unter Benommenheit, Delirien und andern Symptomen der Kohlensäurevergiftung des Blutes leicht der Tod 94— Erstickung (sog. Stickfluß) erfolgen kann; bei kleinen Kindern ist deshalb der akute Katarrh der feinern Bronchien (Bronchitis capillaris) stets als eine gefährliche Krankheit zu betrachten. Der chronische B. entsteht fast immer aus vernachlässigten und vers . Bro Katarrhen und äußert sich entweder als sog. Bronchienschleimfluß (Blennorrhöe der Bronchien oder Bronchorrhöe), wobei ohne besondere Beschwerden enorme Mengen eines dünnflüssigen schleimig-eiterigen Sekrets entleert werden, oder als sog. trockener B., wobei trotz äußerst heftiger und qualvoller Hustenanfälle nur sehr geringe Mengen eines sehr zähen und grauen Schleims expektoriert werden und in dessen Gefolge sich häufig das sog. Emphysem (s. d.) der Lungen entwickelt. Bisweilen wird der Auswurf beim chronischen B. infolge fauliger Zersetzung des Sekrets in den Bronchien höchst übelriechend (sog. putride Bronchitis) und veranlaßt weitere schwere Lungenkrankheiten. Die Behandlung hat beim akuten B. vor allem für ein . aleichm diätetisches Verhalten, besonders un reine, gleichmäßig warme Luft zu sorgen, unter mständen das vorhandene Fieber herabzusetzen und den Auswurf durch expektorierende Mittel zu befördern. Gegen den chronischen alsch⸗ sind der Gebrauch der alkalischen und alkalisch⸗ dben is Quellen (Ems, Selters, Obersalzbrunn, Soden, Kisdalnti Reinerz, Lippspringe u. a.), methodische In-Hineralm von zerstäubter Sole und alkalischen ineralwässern, owie längere Milch-⸗, Molken⸗ und Traubenkuren am meisten zu empfehlen. Gegen sehr veraltete Katarrhe leistet ein längerer Aufenthalt in einem geschützten Alpenkurort oder an einer waldigen Seeküste, während des Winters in einem milden südl. Klima oft vortreffliche Dienste. Bei quälendem trockenem Husten sind die narkotischen Mittel nicht zu entbehren.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 574Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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