Bruhns (Karl Christian), verdienter deutscher Astronom, geb. 22. Nov. 1830 zu Plön in Holstein, wo sein Vater Mechaniker war, zeichnete sich schon frühzeitig durch seine Neigung für die mathem. Wissenschaften aus und widmete sich auch später, als er auf Wunsch seines Vaters dessen Beruf erlernt, mit Eifer dem Studium der höhern Mathematik, Astronomie und fremden an Berl Im J. 1851 in einer mechan. Werkstätte in Berlin beschäftigt, erwarb er 59 durch Lösung verschiedener astron. Aufgaben das Vertrauen Enckes, des damaligen Direktors der berliner Sternwarte, und wurde von diesem 1852 erst als interimistischer, sche bald aber als ordentlicher zweiter Assistent bei der Sternwarte angestellt. Am 1. Juli 1854 rückte er zum ersten Assistenten auf, promovierte 1856 mit der Schrift: De planetis minoribuso (Berl. 1856) und habilitierte sich 1859 als Privatdocent an der Universität. Noch in demselben Jahre erhielt er einen Ruf als Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte 0 Leipzig, welchem er im Frühjahr 1860 Folge leistete. Da die damalige Sternwarte nicht 3 85 den Anforderungen der Wissenschaft genügen konnte, so wurde 1860—61 eine neue ganz nach B.s Angaben und Plänen erbaut. Die auberordentlich zahlreichen Beobachtun-Leit welche nun teils von ihm, teils unter seiner eitung angestellt wurden, und die sich auf Ortsbestimmungen von Planeten, Kometen, Fixsternen (Zonenbeobachtungen) beziehen, zeugen von der Energie, mit welcher er seine Aufgabe verfolgte. Nicht weniger bemerkenswert sind seine vielfachen Berechnungen von Kometenbahnen, die er meistens in den «Astron. Nachrichteno veröffentlichte. B. hat sich ferner in der Wissenschaft besonders durch die Entdeckungen mehrerer Kometen einen Namen erworben. So fand er die Kometen IV 1853, IV 1854, III 1855, I und IV 1858, III 1862 und I 1863, den Brorsenschen Kometen 1857, wofür er den Lalandeschen Preis von der pariser Akademie erhielt, und 1858 den Fayeschen Kometen auf. Von seinen übrigen astron. Arbeiten sind noch zu nennen: «Die astron. Strahlenbrechung in ihrer histor. Entwickelunge (Opz. 1861), eine Preisschrift, die «Geschichte und Beschreibung der leipziger Sternmetr. Handbuch auf sieben Decimaleno (Lpz. 1870, 2. Aufl. 1881), «Atlas der Astronomiey (Lpz. 1872). Als Baeyer die mitteleurop. Gradmessung ins Leben rief, war B. ein thätiger Förderer dieses großen Unternehmens. Nicht allein wurden ihm von der sächs. Regierung die astron.⸗geodätischen Arbeiten in Sachsen übertragen, er war auch längere Zeit Chef der astron. Sektion im Preußischen Geodätischen Institut und gab in dieser Stellung mehrere Bände der «Astron.⸗geodätischen Arbeiten, Publikationen des Königl. Preuß. Geodätischen Institutso (Lpz. 1865— 74) heraus. Auch an der Bearbeitung der mecklenburger Gradmessung nahm er thätigen Anteil. Er war Mitglied der Permanenten Kommission der europ. Gradmessung. Noch sind zu erwähnen seine Schriften Bestimmung der Längendifferenz zwischen Leipzig und Berlin (Lpz. 1865), zwischen Berlin und Lund (Lund 1870), zwischen Leipzig und Wien (Lpz. 1872) u. a. Im J. 1863 herrichtete er in Sachsen ein Netz von 24 meteorol. Stationen, welche unter seine Oberleitung gestellt wurden. Elf Jahrgänge meteorol. Beobachtung geben die Resultate seiner Thätigkeit in dieser Richtung. In Verbindung mit Ruys Ballot, Scott u. a. betrieb er die Begründung eines Internationalen Meteorologischen Komitees, dessen Mitglied er wurde. Ein Hauptzweig seiner meteorol. Thätigkeit bildete das Büreau für Wetterprognosen, welches auf seinen Antrieb als eins der ersten in Deutschland im J. 1878 in erpN begründet wurde. Außer seinen zahlreichen Arbeiten auf dem Gebiet der Astronomie, Geodäsie, Meteorologie widmete er sich noch ausgedehnten biographischen Werken und Zeit auch viele populäre Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften. Er verfaßte eine Biographie Enckes (Lpz. 1869), eine Schrift Die Astronomen der Pleißenburgo (Lpz. 1879) und im Verein mit zehn andern Gelehrten «Alexander von Humboldt, eine wissenschaftliche Biographieß (3 Bde., Lpz. 1872). B. war Mitbegründer der «Astronomischen Gesellschafto und fortdauernd Mitglied des Vorstandes, gehörte auch dem engern Ausschuß der Kommission zur Beobachtung des Venusvorübergangs 1874 an. Auch nahm er thätigen Anteil an der Förderung geographischer Wissenschaft und Unternehmungen. B. starb 25. Juli 1881 zu Leipzig.