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Sport & SpielBrockhaus 1882

Bürschen, s. unter Jagd. Burschenschaft. Der erste burschenschaftliche Verein wurde 12. Juni 1815 zu Jena von Studierenden, zum Teil von solchen, die in dem deutschen Befreiungskriege mitgefochten hatten, gegründet mit dem Wahlspruch: „Ehre, Freiheit, Vaterlando. Ahnliche Verbindungen wurden in den J. 1816 und 1817 in Tübingen, Heidelberg, Halle und Gießen estiftet. Es war der ursprüngliche Zweck dieser ereine, den rohen Auswüchsen des tudentischen Lebens zu steuern und an die Stelle der Landsmannschaften, worin die unheilvolle Zersplitterung des Vaterlandes sich abspiegelte, ein Symbol der allgemeinen deutschen Einigung zu setzen, sowie urch gemeinsames Zusammenhalten auch nach beendigter Studienzeit den vaterländischen Sinn zu pflegen. Mehrere gleichgesinnte Landsmannschaften traten 5. den B. über. In einer Zeit, wo es sich ummer deutlicher herausstellte, daß die in den Bereiungskriegen geweckten Erwartungen der deutchen Nation unerfüllt bleiben sollten, konnte es nicht fehlen, daß die in weitern Kreisen herrschende ißstimmung auch bei der akademischen Jugend zum Vorschein kam. Dies eigte sich dei dem von der B. zu Jena Aisgeschriebenen artburgsfeste (s. d.) 18. Okt. 1817, zu dessen Feier Studierende fast aller deutschen Universitäten sich einfanen. Hier ward eine Allgemeine deutsche B. beschlossen, die sich über alle Hochschulen Deutschlands verbreiten und deren Angelegenheiten ein jährlich wechselndes Direktorium besorgen sollte. Schon im Okt. 1818 traten die B. von 14 Universitäten zusammen und vereinigten sich über eine gemeinschaftliche Konstitution. Nut sog. Burschentagen wurden hiernach die gemeinsamen Angelegen-Inen beraten und von einer Versammlun 05 Abgeordneten zur andern eine geschäftsführ der Rreichene Zugleich wurden die angeblichen alte eichsfarben, chwarz-Rot-Gold als Verbind 3. farben angenommen. Bis zum Frühjahr 1819 be. standen bereits B. auf allen deutschen Hochschulen, mit Ausnahme derjenigen Osterreichs sowie der Universitäten . Landshut und Göttingen. In mehrern B. bildeten sich engere Vereinigungen, und in diesen kleinern und abgeschlossenen Kreisen des akademischen und gesellschaftlichen Lebens war es um so leichter möglich, daß sich bei Einzelnen die polit. Aufregung bis zu einem ng i natismus steierte. Nach der Ermordung Kotzebues (s. d.) durch and (s. d.), ein ehemaliges De der B., wurde diese infolge der Karlsbader Beschlüsse (f. d.) für aufgelöst erklärt, und auf fast allen deutschen Universitäten wurden weitläufige Untersuchungen wegen sog. demagogischer Umtriebe geführt. Aber schon ein Jahr nach Vollziehun der auf die Karlsbader Beschlüsse gegründeten Bundesbeschlüsse bildeten sich die frühern Verbindungen an vielen Orten wieder, und zwar nahmen sie, da sie nicht mehr öffentlich hervortreten durften, auf mehrern Hochschulen den Charakter geheimer und eigentlich polit. Verbindungen an. So entstand z. B. der unglingsbund. Wiederholte Verbote und geschärfte Strafandrohungen hatten auch diesmal keinen Erfolg. Schon 1827 wurde ein neuer Verband der Allgemeinen deutschen B. ins Leben gerufen. Derselbe Gegensatz, der sich schon in der Entstehung der engern Vereine innerhalb der größern Verbindungen offenbart hatte, trat jetzt schärfer hervor. Es entstand in der B. eine Partei der Germanen, die eine mehr praktisch-polit. Richtung verfolgte und auf das Ziel einer polit. Einheit Deutschlands geradezu lossteuerte, neben einer Partei der Arminen, der es zunächst nur um ideale Einheit des Vaterlandes und, als Mittel zum Zweck „um ihre eigene wissenschaftliche, sittliche und örperliche Ausbildung zu thun war. Der Streit wischen beiden kam schon im Sept. 1827 auf dem urschentage zu Bamberg zur Sprache und bildete bis zu dem in 2½ im Sept. 1831, den Hauptgegenstand der erhandlungen. Jedoch blieben die Arminen hier wie auf spätern Burschentagen in der Minorität. Die Julirevolution verbreitete die polit. Aufregung auch über andere Klassen der esellschaft, und so ist es erklärlich, daß diejenigen Mitglieder der B., die schon früher für eine unmittelbare polit. Thätigkeit entschieden waren, nun auch mit den Gleichgesinnten anderer Stände in Verbindung traten, daß sie an den Volksversammlungen, busend schen Vereinen u. dgl. zahlreich teilnahmen, daß endlich auch an jenem revolutionären Versuch in Deuts , land vom J. 1833, dem Frankfurter Attentat (s. d.), Mitglieder der B. beteiligt waren. Es wurde inu e dessen vom Bundestage die sog. Centralunteruchungebehörde eingesetzt, auf allen deutschen Universitäten eine allgemeine Untersuchung eingeleitet und viele Mitglieder der B. in den roßen Prozeß hineingezogen. Im Laufe der nachsten Jahre er-Dunde in den einzelnen deutschen Staaten gegen Hunderte von Studenten Strafurteile, die vielfabiglei Festungsstrafen, Verlust der Anstellungsigkeit u. s. w., ja sogar in einigen Fällen die odesstrafe aussprachen. Indessen ward keins dieser Urteile in voller Strenge aus eführt, sondern in Freiheitsstrafen verwandelt. Die in Preußen 1840 erteilte vollständige Amnestie gab auch den dort am hartesten Betroffenen die Freiheit zurück. Wie irrig die Ansicht war, die deutschen Universitäten als die Herde der Revolution und die burschenschaftlichen Verbindungen nicht als ein Symptom der allgemeinen Zeitri tung, sondern als die Quelle von Umwälzungsplänen zu betrachten, midti sich deutlich in den polit. Bewegungen von 1848un 1849 Wenn sich hier und da die akademische Jugend an der Bewegung beteiligte, so geschah dies keineswegs tonangebend: man folgte vielmehr nur dem allgemeinen Strome. Eine Versammlung von etwa 1500 Studenten auf der Wartburg faßte Resolutionen und ließ sie durch eine Deputation in Frankfurt überreichen. Nur die Universität zu Wien, gerade diejenige deutsche Akademie, von der früher auf das ängstlichste jede Association und jede polit. Reung fern gehalten worden war, hat in größerm miang an den Ereignissen von 1848 teilgenommen. Seit dem Sturze des Metternichschen Präventivsystems haben auch auf diesem Gebiete vorurteilsfreiere enabeg ei den Regierungen Raum gewonnen, sodaß gegenwärtig auf allen deutschen Hochschulen, wie die studentischen Verbindungen überhaupt, so auch die burschenschaftlichen, offen und frei sich regen und entfalten duürfen. Fur die polit. Ziele der —— B. sind die Jahre 1866 und 1870 nicht ohne Einwirkung geblieben. In der durch Herstellung des Deutschen Reichs erlangten olit. Einheit ist nur die eine Seite der alten burschenschaftlichen Tendenzen erfüllt, während fortan die Erreichung eines auf freiheitlicher Grundlage beruhenden deutschen Staatswesens den weitern Zielpunkt der B. bildet. Übrigens ist bei den B. die Beschäftigung mit polit. Fragen gegenüber den speziellen studentischen Interessen schon längst völlig in den Hintergrund getreten. Vgl. Haupt, Lan ana Woen und B.v (Lpz. 1820): Ludw. Bechstein, »Wollen und Werden. Deutschlands B. und Burschenlebene (2 Bde., Halle 1850); Keil, ⸗Geschichte des jenaischen Studentenlebens von der 18585U der Universität bis zur Gegenwarte (Lpz. 1858); derselbe, Die Gründung der deutschen B. —* Jenad (Jena 1865); Schmid, „Das Wesen der B.» (Jena 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 761Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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