Blum (Rob.), polit. Agitator und Schriftsteller, wurde 10. Nov. 1807 zu Köln unter dürftigen Verhand aber geboren, erlernte das Gürtlerhandwerk, and aber später Unterkommen in einer Laternenfabrik. Nach einem kurzen Militärdienst 1830 erwerblos, trat er als Theaterdiener beim Direktor Ringelhardt zu Köln in Dienst und folgte demselben 1831 als Theatersekretär und Kassierer nach Leipzig. In dieser Stellung fand er Muße zur Fortbildung und zur Entwickelung einer litterarischen Thätigkeit. Er wurde Mitarbeiter an belletristischen Blättern, schrieb ein Schauspiel: Die Befreiung von Candia (Lpz. 1836), und gab mit Herloßsohn und Marggraff das 4 beruns. 3u gabe Geltung verschaffte. Er stiftete 1840 zu Leipzig den Schi erverein, dessen Henso 5. durch ihn eine polit. Färbung erhielten; ebenso beteiligte er sich an der Gründung und Leitung des Litteratenvereins. Mit Steger gab er damals das polit. Taschenbuch Vorwärtsv (5 Bde., Lpz. 1843—47) heraus; auch war er ein Hauptmitarbeiter an den Sächs. Vaterlandsblätterne. Als 1845 die deutschkath. Bewegung begann, schloß er sich derselben mit Eifer an und wurde Stifter und Vorstand der leipziger Gemeinde. Im J. 1847 gab B. seinen Posten am Theater auf und gründete eine Verlagsbuchhandlung, in welcher der von ihm selbst verfaßte »Weihnachtsbaume, eine Biographie freisinniger Deutscher, und sein »Staatslexikon für das deutsche Volks erschien. Mit dem Ausbruch der Bewegung von 1848 entwickelte B. R agitatorische Thätigkeit und wurde bald der Mittelpunkt der Demokratie in Sachsen. Er wirkte für den Rücktritt des Ministeriums Könneritz, rief die unterdrückten Sächs. Vaterlandsblätters wieder ins Leben und gründete die Vaterlandsvereine, während sich die gemäßigtere Gegenpartei in den Deutschen Vereinen konzentrierte. Im Vorparlament . Frankfurt zu einem der Vizepräsidenten gewählt, rrschte er die turbulente Versammlung oft durch seine Geistesgegenwart und kräftige Stimme. Dann wurde er Mitglied des Fünfziger-Ausschusses und zu Leipzig in die Nationalversammlung gewählt. In letzterer ward er der Führer der Linken, zeichnete sich als Redner durch Gewandtheit und Schlagfertigkeit aus, vermochte aber —— durch sein Talent den Mangel an tieferer und staatsmännischer Bildung nicht zu ersetzen. Nach den —.— 7 Septembervorgängen ging er mit J. röbel (s. d.) nach Wien, um im Auftrage und Namen der Linken den Wienern eine Beifallsadresse zu überbringen. Hier wurde er 26. Okt. 1848 Führer einer Elitenkompagnie, die gegen das B. 2W5.00 Versprechen am Kampfe teilnehmen mußte; B. zog sich deshalb am 29. in seinen Gasthof zurück, ward aber daselbst 4. Nov. mit seinem Genossen verhaftet. Weil er sich auf seine Unverletzlichkeit als Reichstagsabgeordneter berief, stellte man ihn 8. Nov. vor das ½½ welches ihn, da er die Waffen gegen die kaiserl. Truppen geführt, zum Strange verurteilte. Das Urteil ward in Tod Wern ulver und Blei verwandelt und in dieser Weise an B. am folgenden Morgen in der Brigittenau vollzogen. Er bewies bis zum letzten Augenblick Mut und Fassung. In den demokratischen Kreisen Deutschlands erregte die Nachricht von B.s Hinrichtung einen Sturm des Unwillens. Man sah darin den offenen Bruch Ssterreichs mit der Nationalversammlung und den deutschen Bestrebungen, da die Strafe nach dem Reichsgesebe vom 30. Sept. 1848 nur unter Beiziehung der Centralewalt vollzogen werden konnte. Für B.s Hinterassene wurde eine Nationalsubstription eröffnet, welche gegen 40000 Thlr. Iuer Vgl. Arthur ey, «Robert B. als Politiker, Charakter und Menschy (Mannh. 1849), und besonders die von bar Sohne Hans B. verfaßte Biographie: Roert B., ein Charakterbild für das deutsche Volk⸗ (Lpz. 1878). B.s «Ausgewählte Reden und Schrifteno gab Nebel heraus (Lpz. 1880). Hans B., der älteste Sohn Robert B.s, geb. zu bachch 8. Juni 1841, war erst Schüler des Gladbachschen Instituts zu Wabern bei Bern, besuchte dann das berner Gymnasium und studierte 1860 —64 zu Leipzig und Bern Jurisprudenz, Staatswissenschaft und Volkswirtschaft. Nachdem er hierauf im praktischen Justizdienst gearbeitet, wurde er 1869 Rechtsanwalt in ener aterstadt. In den J. 1867—70 vertrat B. im konstituierenden und ordentlichen Norddeutschen Reichstage den 15. sächs. Wahltreis (Mittweida-Frankenberg) und gehörte hier der nationalliberalen Partei an. Im Feldzuge von 1870/71 folgte er als Korrespondent des bis Ende 1878 publiziti B. die Grenzboten». B. * zu den publizistisch rührigsten Mitgliedern der nationalliberalen Partei in Sachsen, wie er auch seit 1874 im Vorstande des Reichsvereins für Sachsen ist. Er schrieb einen cKKommentar zum Reichs-Strafgesetzbuch (Zür. 1870), „Sächs. Rechtsfreunds (Zür. 1870), die Novellensammlung: Dunkle Geschichtene (Berl. 1874); «Aus unsern Tagene, eine eine Mionrapfi⸗ 1876); Robert B.y (Lpz. 1878), eine Biographie seines Vaters; „Die erste Frucht des deutschen Staatssozialismus⸗ (Lpz. 1881). Mit Karl Braun gibt B. seit 1879 die eraus.