Cagliostro (Graf Alexander), berühmter Abenteurer des 18. Jahrh., geb. 2. Juni 1743 zu Palermo, stammte von armen Altern und hieß eigentlich Giuseppe Balsamo. Er kam früh in ein Priesterseminar seiner Vaterstadt und wurde, nachdem er als Knabe von 13 Jahren entwichen, von seinen Vormündern in das Kloster der Barmherzigen Brüder zu Cartagiore gethan. Hier ward er der Gehilfe eines Apothekers, der ihm einige physik. Kenntnisse beibrachte und eine Menge Geheimmittel lehrte. Seines schlechten Betragens und Alehrie er fenden Lebens halber wieder entlassen, kehrte er nach Palermo zurück und war in seinem 26. Jahre bereits so berüchtigt, daß er sich entschließen mußte, einen andern Schauplatz seiner Thaten zu suchen. In Begleitung eines seinem Ursprunge nach unbekannten Mannes, Alhotas genannt, besuchte er Griechenland, Agypten und einen Teil Asiens. Als er um 1770 aus der Türkei, wo er als Arzt Maalte treten war, zurückkehrte, stellte er sich auf Malta dem Großmeister des Ordens als Graf C. vor und wußte denselben so für si einzunehmen, daß er von ihm glänzende Tnach⸗ lungen an ital. Große erhielt. Er ging nun nach Italien, machte in Rom, wo er sich teils als Kammerdiener eines ital. Prälaten, teils als Abenteurer aufhielt, die Bekanntschaft eines schönen Mädchens aus niedrigem Stande, Lorenza Feliciana, und verheiratete sich mit ihr. Während seine Frau mit —.— Reizen wuchern mußte, trat er als Naturforscher, Freimaurer, religiöser Schwärmer und Geisterbeschwörer auf. Dann ging er als Pilger verkleidet nach Spanien. Durch kupplerische Prellereien kam er in verschiedenen Städten in Verlegenheiten und mußte daher öfters seinen Aufenthalt wechseln. Später wandte er — nach London, bald darauf samt seiner Frau nach Paris, machte 0 1 aber hier durch eine neue Betrügerei unmöglich und besuchte nun abwechselnd Spanien, Italien und England, wo er durch Goldmacherei, älschungen und ähnliche Schwindeleien sich ansehnliche Summen verschaffte. In London wurde er in eine Loge aufgenommen, die aus Leuten niedern Standes gebildet war, und von jetzt an begann er als maurerischer Reformator aufzutreten. Er ging über 1Welt nach Deutschland, wo er sich in der großen Welt durch zum Teil glückliche Kuren Ansehen verschaffte. Besonders ißt, sind unter K aufzusuchen. te Geschäfte machte er bei den Frauen durch ein lixir, dessen Gebrauch langes Leben und fortwährende Jugend bewirken sollte. Im J. 1779 begab er sich nach Kurland, gewann in Mitau mehrere vornehme Familien fur sich und stiftete auf das anebliche Geheiß geheimer Obern eine Freimaureroge, in die auch Frauen aufgenommen wurden; auch hielt er Vorträge, in denen christl. Theosophie mit heidnischer Thaumaturgie verquickt war, ga vor, tiefe und übernatürliche Kenntnisse in den Naturwissenschaften zu besitzen, und citierte Geister. Auch die Gräfin Elisa von der Recke war eine Anhängerin C.s. Nachdem er Geld und Ruf gewonnen, reiste er nach Warschau, dann nach Petersburg, wo es ihm indes nicht glückte, die Kaiserin Katharina, die später ein satirisches Lustspiel auf ihn und seine Anhänger schrieb, für sich zu interessieren. Er ging daher 1780 über Straßburg nach Paris, kündigte sich hier als Begründer der ägypt. Maurerei an und machte durch seine Geisterbeschwörungen ungeheures Aufsehen; von Paris aus reiste er nach England, wo er die Anhänger Swedenborgs für sich gewann. Als er 1785 nach Paris zurückkehrte, war sein Ansehen so groß, daß die vornehmsten Personen des Hofs mit ihm in Verkehr traten. Er stand mit dem Kardinal Rohan in sehr genauer Verbindung, spielte in der berüchtigten Halsbandgeschichte eine Hauptrolle und wurde dabei durch die Aussagen der Gräfin Lamotte (s. d.) so graviert, daß man ihn in die Bastille setzte. Hier verfaßte er ein Memoire, in welchem er nachzuweisen versuchte, daß er mit dem Raube selbst nichts zu schaffen ge-I1 habe, und die Bankiers nannte, von denen er eträchtliche Summen ausgezahlt erhalten hatte. Als er hierauf seiner Haft entlassen und aus Frankreich verwiesen wurde, ging er wieder nach England und, nach einem ch hiom. Um Aufenthalte, durch die Schweiz 1787 nach Rom. Unterdessen war, namentlich in Deutschland, in der öffentlichen Meinung ein vollständiger Umschwung zu Ungunsten C.s eingetreten; die Gräfin Elisa von der Recke klärte in der „Nachricht von des berüchtigten C. Aufenthalt in Mitau» (Berl. 1787) das Publikum über die Schwindeleien C.s auf. Man hielt ihn jetzt in Deutschland 10 Hufnat für einen Jesuitenpriester der die geheime Aufgabe hätte, die Gemüter dur Aberglauben und Schwärmerei zu verwirren. In Rom beschäftigte er sich abermals mit Errichtung einer —. ½ Deshalb auf Befehl des Papstes verhaftet und als Freimaurer zum Tode verurteilt, wurde er zwar begnadigt, jedoch zu lebenslänglicher Haft auf das Fort San-Leon gesetzt, wo er 26. Aug. 1795 starb. Auch seine Frau mußte den Rest ihres Lebens in einem Kloster zubringen. Die Mémoires authentiqueso, die später (1785) unter dem Namen Ces in Paris herauskamen und viele Unrichtigkeiten und Üübertreibungen enthalten, sind erdichtet. Vgl. Bülau, (Geheime Geschichten und rätselhafte Menschenv (Bd. 1, Lpz. 1850); Sierke, «Schwärmer und Schwindler zu Ende des 18. Jahrh.v Grß 1875). agniardelle (frz. cagniardelle, engl. screwblowing-machine, screw-blast), soviel wie Schrauben⸗ oder Spiralgebläse, so genannt nach dem franz. Physiker Cagniard de la Tour; s. Gebläse.