FeedAlfiéri (Vittorio, Graf)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Alfiéri (Vittorio, Graf), berühmter ital. Dramatiker, geb. 17. Jan. 1749 zu Asti in Piemont, Sohn des Grafen Antonio A. und der Gräfin Monica Maillard von Tournon. Früh verwaist, erhielt A. seit seinem neunten Jahre auf einer adeligen Akademie zu Turin eine nur mangelhafte Bildung. Hierauf durchwanderte er 1767—73 fast ganz Europa und führte als reicher Kavalier ein unstätes Leben. Nach seiner Rückkehr nach Turin wandte er sich jedoch 11˙0 litterarischen Beschäftigungen zu. Der Beifall, welchen seine ersten dramatischen . fanden, führte ihn zu dem Entschlusse, sich diesem Litteraturzweige ganz zu widmen. Er holte darum die versäumte Schulbildung nach und ging nach Toscana, um hier das Studium der ital. — zu betreiben. Hier lernte er die Gräfin von Albany (s. d.) kennen, an die ihn bald dauernde Neigung fesselte. Um völlig unabhängig zu sein, überließ er sein ganzes Vermögen gegen eine Rente seiner Schwester. Abwechselnd wohnte A. in Florenz und in Rom und nachmals mit der Gräfin im Elsaß und in Paris, wo er sich unablässig mit der Dichtkunst sowie mit der Verbesserung und Herausgabe seiner Werke beschäftigte. Beim Ausbruche der Französischen Revolution in England anwesend, kehrte er nach Paris zurück, das er im Aug. 1792 nicht ohne Gefahr verließ, worauf er mit seiner Freundin Florenz zu seinem Wohnsitz wählte. Hier starb er 8. Okt. 1803. Seine Asche deckt in der Kirche Sta.Croce ein schönes Denkmal von Canova; ein Standbild wurde ihm 1862 auch in seiner Geburtsstadt Asti errichtet. Als dramatischer Dichter hat A. 21 Tragödien, 6 Komödien und eine sog. Tramelogödie veröffentlicht. Das Bedeutendste leistete er in der Tragödie. Unter seinen Stücken sind «Virginiao, Maria Stuarto, Die Verschwörung der Pazzir und «Abelo hervorzuheben. Für das gelungenste unter denselben gilt „Abelo, von ihm als Tramelogödie bezeichnet. Die Tragödien Ats sind alle Erzeugnisse eines hohen, ernsten, männlichen Geistes, entbehren aber der Anmut und des uen Mit Zaubers. Er wollte nur mit den einfachsten Mitteln und, allem Schmuck entsagend, durch männaltn Ernst wirken. Seine Schöpfungen sind daher kalt und starr, in der Anlage einfach bis zur Dürftigkeit. Sein Vers ist hart und ungefällig, seine Sprache ausdrucksvoll, aber farblos. Dennoch steht er unter den ital. Dramatikern obenan und hat einen nachhaltigen Eindruck hervorgebracht. A. wollte die Bühne für eine Erziehungsanstalt gehalten wissen, um das Volk efrei, stark und edels zu machen. Seine Komödien, Arbeiten seines Alters, ohne Individualität und spannende Verwickelung, blieben ohne Wirkung. Außer den dramatischen Werken hat A. auch viele Oden und Sonette gedichtet und in kraftvoller und erhabener Poesie den Gegenstand seiner Liebe und Freundschaft besunen. Die polit. und didaktischen Schriften Della iranniden, Del Principe e delle Lettereo sind merkwürdige Zeugnisse eines ernsten, freien, strebenden Geistes. Seine übrigen poetischen Arbeiten und übersetzungen aus dem Griechischen und Lateinischen teilen Vorzüge und Mängel seiner größern Werke. Nach seinem Tode kam der Misogalloy, ein Denkmal seines Franzosenhasses, heraus. Auch wurden A.s 4Opere v (22 Bde., Pisa 1805— 15; 37 Bde., Padua 1809—11), die Selbstbiographie Vita di Vittorio A. da Asti, scritta da essoo (2 Bde., Lond. 1804; deutsch von Hain, 2 Bde., Lpz. 1812), das originellste Werk dieser Art, welches Italien nach Benvenuto Cellini aufzuweisen hat, und Lettere ineditep (Flor. 1864) veröffentlicht. Sammlungen seiner Tragedien sind mehrfach (6 Bde., Par. 1788—89; 6 Bde., Flor. 1820; nach den Originalhandschriften revidiert von Milanesi, 2 Bde., Flor. 1855) erschienen. Vgl. Centofanti, Tragedie e vita di A.o (Flor. 1842); Teza, (Vita, giornali, lettere di A.„ (Flor. 1861); Tedeschi, Studii sulle tragedie di A.„ (Mail. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 394Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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