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VerkehrBrockhaus 1882

Cambridge, Hauptstadt der gleichnamigen engl. Grafschaft, uralte Municipalstadt und Parlamentsborough und die zweite Universitätsstadt Englands. Sie liegt an der Eisenbahn und an beiden Ufern des bis hierher schiffbaren überbrückten Cam oder Granta, in flacher Gegend, ist eng und unregelmäßig gebaut, in Bäumen gleichsam eingehüllt und zählt (1881) 35372 C., welche in der Universität ihre Hauptnahrungsquelle finden. Industrie und Manufaktur fehlt fast gänzlich; dagegen ist der Handel nicht unbedeutend. Die Municipalstadt wird von 10 Aldermen und 30 Räten verwaltet. Die Universität bildet jedoch ein Gemeinwesen für sich, in welchem geistliche Proktoren das Betraher der Studierenden —½* Letztere finden ier wenig Zerstreuung, da in der Stadt selbst nicht einmal ein Theater bestehen darf. Das in dem Dorfe Barmwell errichtete Theater ist während der dortigen, drei Wochen dauernden Stourbridgemesse geöffnet. Unter den 28 Kirchen und Kapellen ist die 1101 eingeweihte Heilige-Grabkirche (St. Sepulchre's Round Chapel) die älteste, in ihrem Kuppelbau eine Nachahmung der Grabkirche zu Jerusalem. C. hat eine Lateinische Freischule, einen philos. Verein, ein Handwerkerinstitut, ein 1766 von Addenbrooke gegründetes Krankenhaus und mehrere Versorgungshäuser. Die schönsten Gebäude sind die zum Teil neuen Kollegien und andere Gebäude, welche zur Universität gehören und, durch Gärten und Baumgänge miteinander in Verbindung gebracht, ein Ganzes bilden. Dieser Gebäude gibt es außer dem Senatshaus 17, nämlich 13 Kollegien und 4 Hallen. Das St.⸗Peterscollege, ein altes Gebäude aus Backsteinen, wurde 1257, lege 1348, Trinityhall 1350, Bennetcollege oder Corpus-Christicollege, ein alter Bau im got. Stile, 1351, Kingscollege durch Heinrich VI. 1441, Queenscollege durch Margarete von Anjou 1446, Catharinehall mit prachtvollem Portikus 1475, Jesuscollege 1496, Christcollege eigentlich schon 1451 dur Heinrich VI., mit neuen Dotationen 1505, St.⸗Johnscollege 1511, Magdalenencollege 1542 Trinitycollege (das rin von allen) 1546 du einrich VIII., Em anuelcollege 1584, vasches de ege 1598 und das Downingcollege, welches vor der Stadt liegt und bloß für Juristen und Mediziner bestimmt ist, 1717 und 1800 gestiftet, jedoch erst 1821 eröffnet. Ein jedes dieser Gebäude umfaßt nächst den Wohnungen für die en und Studenten eine Bibliothek, eine Kapelle, einen Speisesaal und Garten. Der akademische Senat besteht aus allen Doktoren und Magistern der Universität, die, gleich der Stadt, zwei Deputierte ins Parlament sendet. Die Zahl der Studenten (1881) beträgt 2653, die der Professoren 33. Das Senatsheten 1722 im ital. Stil erbaut, bildet die Nordeite des Universitätsvierecks, die reiche Universitätsbibliothek (mit 170000 Bänden und etwa 4000 Naramerche und Schulen die Westseite, die got. arienkirche die Ostseite und das 5 (Aomastt mit seiner Kapelle oder King's-Church ( ümgenrche 1446—1515 erbaut) die Südseite. Die Königskirche, die größte Zierde der Universität, ist überaus kunstreich ausgeführt und eins der schönsten got. Gebäude Englands. Zur Universität gehören außerdem ein botan. Garten, ein geolog. und ein anatom. Museum, das (1818 vermachte) Fitz-William's-Museum (eine Sammlung von Büchern, Gemälden, Kupferstichen, Gipsabgüssen u. s. w.), eine Sternwarte und eine Druckerei. Seit 1858 wurden durch verschiedene Parlamentsakte bedeutende Reformen in der Verfassung und Verwaltung der Universität eingeführt, durch welche das bisher bestandene emißt, sind unter K aufzusuchen. Monopol der Mitglieder der engl. Hochkirche auf die Amter und Einkünfte der zahlreichen Stiftungen gebrochen wurde, sodaß jetzt mit geringen Ausnahmen die Privilegien der Universität den Angehörigen sämtlicher eligionsgenossenschaften offen stehen. Die Universität nimmt in der engl. Gelehrtengeschichte eine hervorragende Stelle ein. Vgl. Fuller, History of the university of C., from the conquest to the year 16345 (Cambr. 1840) Mullinger, The university of C. from the earliest timès 10 the royal injunctions of 1535 (Lond. 1873); Farren, „C. and its neighbourhood (Lond. 1881). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 864Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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