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ErdkundeBrockhaus 1882

Candy, Kandi Hauptort im Innern der ostind. Insel Ceylon f6. d.) und Sitz der Provinzialbehörden, 9 von einer doppelten Reihe bis zu 610 m hoher Berge umgeben, auf einer von der daselbst noch kleinere Fahrzeuge tragenden Mahawilla-Ganga gebildeten Halbinsel. Diese von der Natur geschützte Lage war die Veranlassung, daß zuerst die Fürsten von Maya, wie damals die südl. Hälfte von Ceylon hieß, daselbst eine estung anlegten. Erwähnung von C. als Stadt geschieht erst u Anfang des 14. Jahrh. n. Chr. Hauptstadt der Insel wurde dasselbe erst 1592 nach Zerstörung der frühern Hauptstadt Cotta und der iederlage von Radscha Singha II. durch Wimula Dharma. Bei den WSr des Königs von C. mit den Por-I1878 Holländern sowie den Engländern 1803 und 1815, in welchem letzten Jahre der König von C. abgesetzt und seinem Königreiche ein Ende gemacht wurde, litt die Stadt so oft und so sehr durch Brand und Verwüstung, daß von den ½7 ebäuden zur Zeit ihrer Blüte nur noch wenige benehen. Hierzu gehören der frühere königl. Palast, welcher teilweise zur Wohnung des Gouvernementsagenten der Provinz eingerichtet ist und dessen geräumiger Empfangssaal jetzt als Gerichtshalle dient, sowie vier Hindu⸗ und zwölf buddhistische, mehr oder weniger verfallende Tempel. In einem der letztern wird in einem besondern Zimmer, der Wihara, in einem reich und kostbar verzierten, Carandha genannten, glocken⸗ oder dagopförmigen Schreine die Dalada, d. h. der 4 verehrte Zahn von Buddha aufbewahrt. Diese Dalada, ein zwei Dbrung badte Stuck Elfenbein, ist neuern Urprungs, da die frühere, angeblich aus dem 6. Jahrh. v. Chr. herstammende 1560 von dem portug. Gouverneur Konstantin de Braganza vernichtet wurde. on modernen europ. Gebäuden sind die bemerkenswertesten der sog. Weiße Pavillon, die Residenz des Gouverneurs von Ceylon bei seiner Anwesenheit in C., die Wohnung des Militärkommananten und zwei Redouten. Die Wohnungen der engl. Ansiedler liegen meistens auf den benachbarten Anhöhen inmitten von Gartenanlagen und Kaffeeplantagen. C. hat nur wei Hauptstraßen. Auf ihrer Kreuzungsstelle befindet sich der Bazar. Der schönste Stadtteil ist der an einem künstlichen, von Sri Wikrama Radscha Singha, dem letzten Könige von C., gegründeten mit der Mahawilla-Ganga verbundenen See gelegene. Die Bevölkeder dort len gegen 20000 Seelen. Die Mehrzahl der ort lebenden Engländer besteht in Beamten und Militärs. C. ist einer der Hauptpunkte des prot. Missionswesens auf Ceylon, im übrigen aber sind unter K aufzusuchen. nur als vornehmster, sowohl durch Lage als durch neuere Festungswerke für die eingeborene Bevölkerung uneinnehmbarer militärischer Posten im Innern der Insel von Wichtigkeit. C. ist durch eine ungefähr 1,5 km lange Vorstadt mit dem berühmten, sich durch Anlage und Reichtum an den seltensten Pflanzen auszeichnenden königl. botan. Garten zu Paradenia verbunden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 905Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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